Ein höherer Zins ist noch kein höherer sicherer Ertrag. Für eine EUR-Ausgangssumme musst du Wechselkurs, Laufzeit und sämtliche Endzahlungen berücksichtigen. Zinsparität hilft, diese Beziehungen zu ordnen. Sie berechnet keine verlässliche Richtung für den nächsten Spotkurs und ersetzt nicht die Finanzierungsspezifikation deines Brokers.

Gedeckt und ungedeckt sind verschiedene Modelle

Covered Interest Parity, CIP, vergleicht Anlagen derselben Laufzeit, deren Währungszahlungen vollständig durch einen heute vereinbarten Forward abgesichert sind. Uncovered Interest Parity, UIP, betrachtet dagegen erwartete nominale Erträge ohne diese Absicherung. Der spätere Kassakurs bleibt unbekannt. Retail-Overnight-Finanzierung ist eine dritte Vertragsbeziehung: Sie folgt nicht automatisch aus der Differenz zweier Leitzinsen.

Für EUR/USD verwenden wir S und F in USD je EUR, einfache Jahreszinsen und dieselbe Jahresbruchzahl T. Das idealisierte CIP-Modell lautet F=S×(1+rUSD×T)/(1+rEUR×T). Voraussetzung sind gleichzeitig vergleichbare Anlage- und Finanzierungsmöglichkeiten ohne Kosten oder Beschränkungen. Reale Einlagen-, Kredit- und ausführbare Devisenpreise können hiervon abweichen.

Bei einem Jahr, USD-Zins 5 % und EUR-Zins 1 % ist F/S=1,05/1,01≈1,039604. Die EUR-Forward-Prämie beträgt rund 3,9604 %, nicht exakt vier Prozentpunkte. Für die umgekehrte Quote EUR je USD musst du sowohl S und F invertieren als auch den Zinsquotienten umkehren. „Inländisch“ ist ohne deklarierte Quote keine ausreichende Formelbeschreibung.

Nur das Kapital abzusichern lässt die Zinsen offen

Das folgende eigenständige Vertragsmodell setzt einen Forward von 1,12 USD je EUR voraus; er wird hier nicht aus CIP abgeleitet. 10.000 EUR wachsen bei 2 % in einem Jahr auf 10.200 EUR. Sicherst du nur die ursprünglichen 10.000 EUR ab, erhältst du dafür 11.200 USD, die weiteren 200 EUR aber zum unbekannten Endkurs.

Bei Endspot 1,05 sind es insgesamt 11.410 USD, bei 1,20 insgesamt 11.440 USD. Eine vollständige Absicherung der 10.200 EUR zum angenommenen Forward ergibt in beiden Fällen 11.424 USD. Die teilweise Absicherung liegt also 14 USD darunter oder 16 USD darüber. Die offene Zahlung ist zwar nur rund 1,96 % der EUR-Endsumme, aber nicht null. Gebühren, Steuern, Gegenparteirisiko und vorzeitige Auflösung sind hier ausgeklammert.

Kapitalabsicherung ist keine vollständige EndzahlungsabsicherungEigenständiges hypothetisches Vertragsmodell: 10.000 EUR, 2 %, Forward 1,12 USD je EUR. Keine Ableitung des Forward aus dem CIP-Modell.RECHEN- UND LERNBEISPIELEndspot 1,0511.410 USDEndspot 1,2011.440 USDAlle 10.200 EUR abgesichert11.424 USD
Kapitalabsicherung ist keine vollständige Endzahlungsabsicherung. Eigenständiges hypothetisches Vertragsmodell: 10.000 EUR, 2 %, Forward 1,12 USD je EUR. Keine Ableitung des Forward aus dem CIP-Modell.

Die offenen 200 EUR verändern das USD-Ergebnis mit dem Endspot.

Endspot 1,05
11.410 USD – 10.000 EUR abgesichert, 200 EUR offen
Endspot 1,20
11.440 USD – Gleicher Vertrag, anderer Spot
Alle 10.200 EUR abgesichert
11.424 USD – Beide Endspots, vor Kosten

Gleiche abgesicherte Endzahlung nachrechnen

Ein neues, unabhängiges CIP-Beispiel verwendet S=1,10, USD-Zins 5 %, EUR-Zins 2 % und ein Jahr. F=1,10×1,05/1,02≈1,132352941 USD je EUR. Die Prämie ist rund 2,9412 %, obwohl der Zinsabstand drei Prozentpunkte beträgt. Rechne intern mit dem ungerundeten Forward.

11.000 USD direkt angelegt ergeben 11.550 USD. Der alternative Weg tauscht diese heute in 10.000 EUR, erhält nach EUR-Verzinsung 10.200 EUR und tauscht die gesamte Endsumme zum Forward zurück: ebenfalls 11.550 USD. Nur diesen vollständigen Cashflow vergleicht das Modell. Bei umgekehrter Quote ist der Forward rund 0,883117 EUR je USD gegen Spot 0,909091. Die Veränderung beträgt −2,8571 %, nicht −2,9412 %: Der Nenner ist jetzt eine andere Ausgangsquote.

CIP ist eine Preisbeziehung unter Voraussetzungen. Die BIS-Untersuchung von 2016 beschreibt nach der Finanzkrise Absicherungsnachfrage und Arbitragegrenzen, darunter Bilanzkosten und mehrere Risiken. Regulierung ist nicht die einzige Erklärung. Eine sichtbare Abweichung macht eine Transaktion für dich nicht automatisch zugänglich oder risikolos. Prüfe Bid/Ask, Kredit- und Einlagenzinsen, Sicherheiten und tatsächlich gleiche Laufzeiten.

Cross-Currency-Basis bezeichnet eine Abweichung, die etwa als Zinsanpassung auf einer benannten Währungsseite ausgedrückt wird. Forward-Pips sind Kursdifferenzen; Basis in Zinsbasispunkten ist eine andere Einheit. Auch verschiedene Zinstage können eine Kursdifferenz erklären.

UIP und Carry enthalten unbekannten Spot

In der einfachen UIP-Hypothese ohne Risikoprämie kompensiert erwartete Abwertung der höher verzinsten Währung den Zinsvorteil. Erwartet bedeutet nicht realisiert. Empirische Forward-Premium-Puzzles hängen von Stichprobe, Messung und Teilperiode ab. Die Fed-Studie von 2023 diskutiert Risikoprämien und Erwartungsfehler einer Schwellenwirtschaft; daraus folgt weder „UIP scheitert immer“ noch eine sichere Carry-Strategie.

Im getrennten offenen Kreditmodell leihst du 10.000 EUR zu 2 %, tauschst zum Spot 1,10 in 11.000 USD und legst zu 5 % an. Am Ende besitzt du 11.550 USD und schuldest 10.200 EUR. Restbetrag=11.550−10.200×Endspot. Bei 1,10 bleiben +330 USD, bei 1,15 fehlen 180 USD. Beim ungerundeten CIP-Forward ist der Rest null. Das ist keine Rendite auf ein hier nicht definiertes Eigenkapital.

Zinstage und Retail-Finanzierung gesondert prüfen

Ein weiteres hypothetisches 90-Tage-Modell nutzt dieselben 5 % USD, 2 % EUR und Spot 1,10. Mit USD 90/360 und EUR 90/365 ergibt sich Forward 1,108284487; mit beiden Seiten 90/365 dagegen 1,108097056. Die Differenz entspricht rund 1,8743 EUR/USD-Pips bei 0,0001 je Pip. Die Konventionen sind erfunden für diese Übung, keine pauschale Währungsregel und kein Beweis einer Basis.

Bei einem hypothetisch konstanten Jahresgutschriftssatz 4 % auf einen USD-Positionswert von 100.000 USD ergeben sich 4.000 USD im Jahr beziehungsweise rund 10,96 USD je 365stel. Ein ungünstiger Kursbeitrag von 1 % dieses Wertes, 1.000 USD, verbraucht ein Viertel der Jahresgutschrift. 100.000 Basiseinheiten wären ohne Umrechnung nicht derselbe Betrag.

OANDA Corporation beschreibt für US-FX-Kunden Tom-Next-Raten mit Verwaltungsanpassung und eigene Tagesabrechnung. Das ist kein Tarif für Deutschland oder sämtliche CFDs. Prüfe deine Rechtseinheit, Long/Short, Einheit, Kontowährungsumrechnung und Feiertagsmultiplikatoren. Ein heutiger Satz ist keine Jahresprognose. FX-Swaps und Carry bleiben getrennte Fragen.

Vier Prüfungen für deine Zinsrechnung

  1. Lies die Finanzierungsspezifikation deiner tatsächlichen Rechtseinheit und deines Instruments. Notiere Long- und Short-Satz, Einheit, Kontowährung, Berechnungsmodus sowie Abrechnungstage mit Datum. Prüfe auch, ob beide Richtungen Kosten verursachen; die verwendete Margin allein ist keine Zinsbemessungsgrundlage für jedes Produkt.
  2. Rechne eine einzelne Modellabrechnung mit dem dokumentierten Modus nach und wandle Punkte, Volumen und Währung ausdrücklich um. Vergleiche den Betrag mit einem verfügbaren Abrechnungsbeleg. Multipliziere einen bereits auf mehrere Tage bezogenen Betrag nicht nochmals und markiere eine konstante Zukunftsrate ausschließlich als Annahme.
  3. Trenne in deiner Notiz Leitzinsmeldung, vergleichbare Laufzeitzinsen und konkrete Vertragsbedingungen. Prüfe, ob dein Anbieter die Finanzierung zwischen Zentralbanksitzungen ändern kann. Als Ergebnis soll erkennbar sein, welche Größe tatsächlich beobachtet wurde und welche du nur aus einer politischen Nachricht vermutet hast.
  4. Stelle eine vollständig abgesicherte Anlage, einen offenen Währungskredit und eine gehebelte Retail-Position in drei eigene Zahlungspläne. Schreibe jeweils Anfangs- und Endwährung, Zinszahlung, unbekannten Kurs und Kosten auf. Prüfe zuerst die Cashflows, bevor du mögliche Ergebnisse auf ein eindeutig definiertes Eigenkapital beziehst.