Algorithmische Handelsfirmen — die Market Maker im Devisenmarkt
Noch vor einem Jahrzehnt wurde der EUR/USD-Kurs nahezu ausschließlich von Großbanken gestellt. Heute kommt ein erheblicher Teil der Kursstellungen am Devisenmarkt von Firmen, die dem durchschnittlichen Trader kein Begriff sind: XTX Markets, Citadel Securities, Jump Trading und Virtu Financial. Das sind keine Banken, sondern spezialisierte elektronische Market Maker, die nicht mit Bilanzkraft, sondern mit Algorithmen und Reaktionsgeschwindigkeit konkurrieren. Dieser Artikel erklärt, wer sie sind, wie sie Preise stellen und was ihre Präsenz für Spreads, Liquidität und dein Konto bedeutet.
Wer die nicht-banklichen Market Maker sind
Jahrelang war die Kursstellung im Devisenmarkt die Domäne der Banken. Wer auf beiden Seiten notieren und das Risiko selbst tragen wollte, brauchte eine enorme Bilanz — und die hatten nur die größten Institute. Im vergangenen Jahrzehnt hat sich dieses Bild grundlegend gewandelt. Eine Gruppe von Firmen ist entstanden, die kein Geld verleiht, keine Einlagen führt und keine Filialen betreibt: Sie tut eine einzige Sache — sie stellt rund um die Uhr gleichzeitig Geld- und Briefkurse für Dutzende von Instrumenten und verdient an der Differenz zwischen ihnen.
Die bekannteste von ihnen ist XTX Markets — ein Londoner Unternehmen, das seit mehreren Jahren in den weltweiten Rankings für den Devisenumsatzanteil ganz vorne steht und dabei regelmäßig die meisten Banken hinter sich lässt. Daneben agieren Citadel Securities, Jump Trading und Virtu Financial — Firmen, die aus dem US-amerikanischen Aktien- und Futuresmarkt heraus gewachsen sind und ihre Technologie auf den Devisenmarkt übertragen haben. Gemeinsam ist ihnen, dass sie nicht-bankliche Liquiditätsgeber (non-bank liquidity providers) sind und dass ihr Vorteil nicht im Kapital, sondern in der Ingenieursleistung liegt.
Eines ist sofort klarzustellen: Diese Firmen haben die Banken nicht ersetzt — sie sind neben ihnen getreten. Die Hierarchie der Marktteilnehmer gilt nach wie vor. Der Unterschied: An der Spitze stehen heute neben den zehn bis zwölf großen Banken auch einige neue Akteure, die einen wesentlichen Teil der Liquidität in den liquidesten Währungspaaren bereitstellen.
Wie sie mit Algorithmen und Geschwindigkeit Kurse stellen
Der Mechanismus lässt sich in einem Satz beschreiben: Eine Firma stellt gleichzeitig einen Geldkurs und einen Briefkurs und verdient am Spread, multipliziert mit einer riesigen Anzahl von Trades. Der Gewinn auf einem einzelnen Trade ist mikroskopisch klein — ein Bruchteil eines Pips — aber millionenfach täglich wiederholt ergibt sich daraus ein echter Ertrag. Die ganze Kunst besteht darin, diesen Kurs schneller und genauer zu aktualisieren als die Konkurrenz und nie mit einer unausgeglichenen Position dazustehen, wenn der Markt plötzlich läuft.
Daher ruht das Geschäft auf zwei Säulen. Die erste ist die Co-Location — das physische Aufstellen eigener Server in demselben Rechenzentrum, in dem die Order-Matching-Engine läuft. Jeder Meter Kabel bedeutet Mikrosekunden Verzögerung, und in diesem Spiel entscheiden Mikrosekunden darüber, wer als Erster einen Kurs aktualisieren kann. Die zweite Säule ist die Internalisierung: Statt einen Auftrag sofort an den Markt weiterzuleiten, verrechnet die Firma die gegensätzlichen Orders ihrer eigenen Kunden intern. Kauft ein Kunde Euro, während ein anderer zur gleichen Zeit verkauft, gleicht der Market Maker dies intern aus — ohne den Markt überhaupt berühren zu müssen.
„The growth of execution algorithms has changed the way liquidity is provided to, and taken from, the foreign exchange market." — BIS Markets Committee, 2020
Der Wettbewerb dreht sich also nicht darum, wer die größere Bilanz hat, sondern darum, wer das bessere Modell und die kürzere Latenz besitzt. Das ist eine völlig andere Logik als bei einer klassischen Bank — und genau deshalb kann eine Firma mit wenigen hundert Ingenieuren und Physikern um Marktanteile mit einem Institut konkurrieren, das Hunderttausende von Mitarbeitern beschäftigt. Wer die Grundbegriffe der Marktkonzepte kennt, versteht sofort, warum Kapital allein hier keinen Vorteil mehr schafft.
Was sich für Spreads und Liquidität ändert
Der am leichtesten wahrnehmbare Effekt kommt dem Trader zugute: Unter normalen Bedingungen sind die Spreads in liquiden Währungspaaren heute enger als in der Zeit, als allein Banken den Markt stellten. Mehr Anbieter, die Kurse stellen, bedeutet schärferen Wettbewerb um jeden Auftrag — und schärferer Wettbewerb verengt typischerweise die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs. Du zahlst weniger, um eine Position einzugehen und wieder zu schließen.
Es gibt jedoch eine Kehrseite, die man verstehen muss. Diese Firmen managen ihr Risiko dynamisch — ihre Algorithmen berechnen ständig, wie viel Positionsrisiko sie tragen können. Wenn die Volatilität springt, tut das Modell genau das, wofür es gebaut wurde: Es zieht seine Quotes zurück oder weitet den Spread schlagartig aus, um das Risiko zu begrenzen. Das Ergebnis: Liquidität, die an einem ruhigen Tag tief erscheint, kann sich in dem Moment ausdünnen, in dem es am schlimmsten kommt — bei einem wichtigen Makrodaten-Release oder einem plötzlichen Schock.
Das ist kein Vorwurf gegen diese Firmen — eine Tier-1-Bank verhält sich unter Stress ähnlich, denn niemand möchte auf der falschen Seite einer Lawine stehen. Der Mechanismus ist dennoch wert, im Gedächtnis zu bleiben: Er erklärt, was jeder Trader kennt, der schon einmal eine NFP-Veröffentlichung oder eine Zentralbankentscheidung gehandelt hat. Dasselbe Instrument, das morgens einen Bruchteil eines Pips kostet, kann im Moment der Nachricht einen vielfach weiteren Spread tragen.
Was das für den Einzeltrader bedeutet
Die wichtigste Botschaft lautet: Aus der Perspektive deines Kontos ist die Präsenz dieser Firmen praktisch unsichtbar. Du handelst nicht direkt mit XTX Markets oder Citadel Securities — du handelst über einen Broker, und ob dieser auf nicht-bankliche Liquidität zurückgreift, siehst du nur mittelbar: an der Enge deines Spreads und an der Qualität deiner Ausführung, besonders in den aktivsten Handelsstunden.
Daraus folgt eine praktische Schlussfolgerung. Du hast keine Chance, mit diesen Firmen auf ihrem eigenen Terrain zu konkurrieren — auf Bruchteilen von Sekunden und auf Infrastruktur, die Dutzende von Millionen wert ist. Genau dieselbe Distanz trennt den Einzeltrader von den großen Akteuren in anderen Marktsegmenten. Dein Vorteil liegt woanders: auf höheren Zeitrahmen, in der Geduld und in der Analyse von Fundamentaldaten, die kein Latenzalgorithmus für dich einpreisen wird. Es lohnt sich außerdem zu wissen, dass nicht-bankliche Market Maker nicht dasselbe sind wie Fonds, die auf Kursbewegungen abzielen — den Unterschied in Zielen und Methoden erklärt der Abschnitt über Hedge-Fonds und institutionelle Teilnehmer im Bereich Marktteilnehmer.
Wer verstehen will, wie die verschiedenen Akteure — von Banken über Fonds bis hin zu algorithmischen Handelsfirmen — die gesamte Liquiditätskette bilden, findet auf ForexMechanics.com einen vollständigen Überblick über die Marktteilnehmer.
Was jetzt zu tun ist
- Prüfe das Ausführungsmodell deines Brokers. Gehe auf seine Website und suche nach Informationen zu seinen Liquiditätsanbietern sowie dazu, ob er ein A-Book-Modell (Orders werden an den Markt weitergeleitet) oder ein B-Book-Modell (intern verrechnet) verwendet. Das ist eine der wichtigsten Informationen über den Ort, an dem du dein Geld hältst — und eine, die die meisten Einsteiger nie nachschlagen. BaFin-regulierte Broker sind verpflichtet, die wesentlichen Ausführungsrichtlinien in ihrer Order Execution Policy zu veröffentlichen.
- Miss den EUR/USD-Spread zu zwei verschiedenen Zeitpunkten. Notiere seinen Wert einmal in der ruhigen Mitte der Londoner Session und einmal genau in der Minute einer wichtigen Makroveröffentlichung — etwa der US-Arbeitsmarktdaten. Du wirst mit eigenen Augen sehen, wie die von Market Makern bereitgestellte Liquidität zurückgeht, sobald das Risiko steigt. Einen Rahmen für solche Beobachtungen bietet die Kategorie Handelspraxis mit konkreten Beispielen aus dem Alltag.
- Richte deinen Handelsstil an deinem echten Vorteil aus. Statt Sekunden auf einem Ein-Minuten-Chart zu kämpfen, verlagere deine Analyse auf den Stunden-Zeitrahmen oder höher und stütze Entscheidungen auf Fundamentaldaten und Marktstruktur. Das ist das Terrain, auf dem die Reaktionszeit eines Algorithmus aufhört zu zählen und das, was du selbst durchdenken kannst, den Unterschied macht.
Quellen und Literatur
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Euromoney Euromoney FX Survey — global FX market share rankings · pozycja niebankowych animatorów (XTX Markets) w czołówce udziału w obrocie walutowym www.euromoney.com ↗
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Bank for International Settlements FX execution algorithms and market functioning (Markets Committee report) · rola algorytmów wykonania w dostarczaniu i pobieraniu płynności na rynku walutowym www.bis.org ↗
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Bank for International Settlements Triennial Central Bank Survey 2022 (rpfx22) — OTC FX turnover · skala i struktura globalnego obrotu walutowego oraz rola animatorów elektronicznych www.bis.org ↗
Häufig gestellte Fragen
Was sind nicht-bankliche Market Maker im Devisenmarkt?
Es sind spezialisierte Firmen, die Liquidität am Devisenmarkt bereitstellen, aber keine Banken sind — sie leihen kein Geld aus, führen keine Einlagen und betreiben keine Filialen. Sie tun eine einzige Sache: Sie stellen rund um die Uhr gleichzeitig Geld- und Briefkurse für Dutzende von Instrumenten und verdienen an der Differenz zwischen ihnen, multipliziert mit einer riesigen Anzahl von Transaktionen. Die bekannteste von ihnen ist XTX Markets, ein Londoner Unternehmen, das regelmäßig in den weltweiten Rankings für den Devisenumsatzanteil ganz vorne steht. Daneben agieren Citadel Securities, Jump Trading und Virtu Financial. Ihr gemeinsamer Nenner: Ihr Vorteil liegt nicht im Kapital, sondern in der Technologie — Geschwindigkeit der Preisstellung und Präzision im Risikomanagement.
Wie stellen diese Firmen Kurse und konkurrieren mit Banken?
Sie konkurrieren nicht mit ihrer Bilanz, sondern mit Ingenieursleistung. Das Geschäft ruht auf zwei Säulen. Die erste ist die Co-Location — das Aufstellen eigener Server in demselben Rechenzentrum, in dem die Order-Matching-Engine läuft, um die Latenz auf Mikrosekunden zu reduzieren und Kurse schneller zu aktualisieren als die Konkurrenz. Die zweite Säule ist die Internalisierung: Statt einen Auftrag sofort an den Markt weiterzuleiten, verrechnet die Firma gegensätzliche Orders ihrer eigenen Kunden intern — kauft ein Kunde Euro, während ein anderer gleichzeitig verkauft, gleicht der Market Maker dies intern aus. Der Gewinn pro einzelnem Trade ist mikroskopisch, ein Bruchteil eines Pips, aber millionenfach täglich wiederholt ergibt das echten Ertrag. Deshalb kann eine Firma mit wenigen hundert Ingenieuren mit einer Bank konkurrieren, die Hunderttausende von Mitarbeitern beschäftigt.
Ist ihre Präsenz gut für Spreads und Liquidität?
Unter normalen Bedingungen ja — mehr Anbieter, die Kurse stellen, bedeutet schärferen Wettbewerb um jeden Auftrag, und das verengt die Spreads in liquiden Paaren. Du zahlst weniger, um eine Position einzugehen und wieder zu schließen, als in der Zeit, als allein Banken den Markt stellten. Es gibt aber eine Kehrseite. Diese Firmen managen ihr Risiko dynamisch — ihre Algorithmen berechnen ständig, wie viel Positionsrisiko sie tragen können. Wenn die Volatilität springt, tut das Modell genau das, wofür es gebaut wurde: Es zieht Quotes zurück oder weitet den Spread schlagartig aus, um das Risiko zu begrenzen. Das Ergebnis: Liquidität, die an einem ruhigen Tag tief erscheint, kann sich beim schlechtesten Zeitpunkt ausdünnen — bei einem wichtigen Makrodaten-Release oder einem plötzlichen Schock. Das ist kein Vorwurf, denn eine Bank verhält sich ähnlich — aber der Mechanismus ist es wert, im Gedächtnis zu bleiben.
Was bedeutet die Präsenz dieser Firmen für den Einzeltrader?
In der Praxis siehst du davon wenig direkt, denn du handelst nicht persönlich mit diesen Firmen — du handelst über einen Broker. Ob dieser auf nicht-bankliche Liquidität zurückgreift, erkennst du nur indirekt: an der Enge deines Spreads und an der Qualität der Ausführung, die du erhältst, besonders in den aktivsten Stunden des Marktes. Daraus folgt eine praktische Schlussfolgerung: Du hast keine Chance, mit ihnen auf ihrem eigenen Terrain zu konkurrieren — auf Bruchteilen einer Sekunde und auf Infrastruktur, die Dutzende von Millionen wert ist. Dein Vorteil liegt woanders — auf höheren Zeitrahmen, in der Geduld und in der Analyse von Fundamentaldaten, die kein Latenzalgorithmus für dich einpreisen wird. Statt Sekunden auf einem Ein-Minuten-Chart zu kämpfen, stütze deine Entscheidungen auf Marktstruktur und auf das, was du selbst durchdenken kannst.