Warum ist mein Gewinn kleiner als Kursbewegung mal Positionsgröße?

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Risikohinweis · YMYL Dieser Artikel dient ausschließlich zu Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel am Forex-Markt birgt ein hohes Risiko des Kapitalverlusts — die ESMA berichtet, dass zwischen 74 % und 89 % der Privatanlegerkonten Verluste erleiden.

Mareks erster Trade sah lehrbuchmäßig aus. Er kaufte 0,1 Lot EUR/USD, der Kurs legte saubere dreißig Pips in seine Richtung zurück, auf dem Papier rechnete er dreißig Dollar Gewinn. Doch der Broker schrieb ihm knapp sechsundzwanzig Dollar gut. Marek rechnete dreimal nach, kam immer auf einen Fehlbetrag von ein paar Dollar und schlussfolgerte, die Plattform „muss falsch rechnen". Sie rechnet nicht falsch. Die Formel „Kursbewegung mal Positionsgröße" zeigt den Bruttoertrag, nicht das Ergebnis auf dem Konto. Im Folgenden zerlege ich jeden Kostenpunkt zwischen dem Kurs auf dem Chart und dem, was am Ende tatsächlich auf dem Kontostand landet.

Warum „Bewegung mal Lot" nur der Bruttoertrag ist

Die Zahl, die die meisten Einsteiger als Gewinn behandeln, ist in Wirklichkeit die theoretische Obergrenze des Ergebnisses. Man nimmt die Kursbewegung in Pips, multipliziert sie mit dem Pip-Wert für die eigene Positionsgröße und erhält eine Bruttosumme. Das ist ein richtiger erster Schritt, aber eben nur der erste. Genauso wie ein Bruttogehalt nie in voller Höhe auf dem Konto landet, weil unterwegs Abgaben und Steuern abgezogen werden, erreicht auch eine Kursbewegung nie vollständig das Depot, weil unterwegs Transaktionskosten anfallen. Das reale Ergebnis ist Bruttoertrag minus die Summe dieser Kosten — und diese Kosten lassen sich auf den Cent genau berechnen.

Man muss daher zwei Dinge sauber trennen: die Marktbewegung und die Kosten des Zugangs zu dieser Bewegung. Der Markt hat Marek dreißig Pips gegeben, das stimmt. Doch um in diese Bewegung einzusteigen und wieder herauszukommen, musste er den Broker für seine Dienstleistung bezahlen. Diese Gebühren hängen nicht davon ab, ob man gewonnen oder verloren hat — sie sind fixe Betriebskosten, kein Pech. Sie fließen an vier, manchmal fünf Stellen ab, und jede davon erkläre ich einzeln.

Der Spread — das Minus, das man sieht, bevor der Kurs sich bewegt

Das erste und am häufigsten übersehene Leck ist der Spread. Eine Long-Position öffnet man zum Ask, dem höheren der beiden Kurse, während die Plattform das laufende Ergebnis gegen den Bid, den niedrigeren Kurs, misst. Wie Ausführungen auf der Bid- und Ask-Seite genau funktionieren, erkläre ich ausführlich in der Kategorie Technische Konzepte. Das Ergebnis: Unmittelbar beim Öffnen zeigt die Position einen Verlust in Höhe des Spreads, obwohl sich der Kurs noch gar nicht bewegt hat. Bei einem Spread von einem Pip auf EUR/USD startet eine Long-Position bei etwa minus einem Pip.

Der reale Nettogewinn ist daher kleiner als die Bewegung auf dem Chart — um genau einen vollen Spread. Marek sah dreißig Pips, aber die Position musste zunächst den Spread aufholen, also war die Bewegung, die sein Konto tatsächlich erreichte, kürzer. Dazu kommt: Den Spread zahlt man beim Einstieg und erneut beim Ausstieg, weil man beim Schließen einer Long-Position auf der Bid-Seite verkauft. Die Spreadkosten sind in diesen beiden Momenten eingebettet, keine separate Buchungsposition — weshalb man sie so leicht übersieht.

Provision und Swap — die Kosten, die man leicht ignoriert

Das zweite Leck tritt bei ECN- oder Raw-Accounts auf. Dort ist der Spread eng und nahe null, aber der Broker erhebt eine separate Provision für jedes gehandelte Lot, gezählt als Round Turn, also für Öffnen und Schließen zusammen. Auf einem Standard-Account sieht man diese Position nicht, weil der Kostenanteil im breiteren Spread versteckt ist. Das sind einfach zwei Arten, dieselbe Gebühr zu verpacken. Welche Variante günstiger ist, hängt vom eigenen Handelsstil ab und lässt sich in der Kategorie Broker wählen gut nachvollziehen. Für das Ergebnis zählt eines: Die Provision, wo sie anfällt, muss vom Bruttoertrag abgezogen werden.

Das dritte Leck ist der Swap, also die Swappunkte, die für das Halten einer Position über Nacht berechnet werden. Wer alles innerhalb des Handelstages schließt, wird vom Swap nicht berührt. Doch wenn man eine Position über den Rollover-Zeitpunkt — Mitternacht in der Serverbörsen-Zeit des Brokers — hält, addiert oder subtrahiert der Swap einen Betrag vom Ergebnis, abhängig von der Zinsdifferenz zwischen den beiden Währungen des Paares und der Broker-Marge. Marek hielt seine Position zwei Nächte lang, zahlte also zweimal einen negativen Swap — ein Betrag, der in seiner ursprünglichen Dreißig-Pip-Rechnung schlicht nicht vorgekommen war.

Währungsumrechnung und die Pip-Wert-Falle

Das vierte Leck betrifft jeden, der ein Paar handelt, das nicht in der Kontowährung notiert ist. Wer ein Konto in Euro führt und eine Position auf GBP/JPY eröffnet, erzielt sein Ergebnis zunächst in Yen, der dann zum laufenden Kurs in Euro umgerechnet werden muss. Bei jeder solchen Umrechnung bleibt eine kleine Differenz übrig, und manche Broker berechnen darüber hinaus einen eigenen Aufschlag für die Konvertierung. Einzeln sind das Pfennigbeträge, über viele Trades im Monat summiert wird der Betrag jedoch spürbar. Die MetaTrader 5-Dokumentation hält ausdrücklich fest, dass das Ergebnis einer Position zum aktuellen Kurs in die Einzahlungswährung umgerechnet wird.

Das fünfte Problem ist eigentlich keine Kostenposition, sondern ein häufiger Rechenfehler: ein falsch angesetzter Pip-Wert für das jeweilige Paar. Er hängt vom Paar, der Positionsgröße und der Kontowährung ab. Bei Paaren, bei denen der Dollar die Kurswährung ist, beträgt ein Pip beim Micro Lot etwa zehn Cent, beim Mini Lot einen Dollar, beim Standard Lot zehn Dollar. Wer versehentlich den Pip-Wert für eine andere Größe oder ein anderes Paar einsetzt, liegt mit seiner Bruttoschätzung von Anfang an daneben — und das ganze Gefühl „es fehlt Geld" entsteht aus einer Rechenschwäche, nicht aus versteckten Gebühren. Alles rund um Risikomanagement — Positionsgröße, Pip-Wert, Stop-Loss-Kalibrierung — hängt davon ab, diesen Basiswert richtig zu bestimmen.

Die Zahlen auf dem Tisch — ein Beispiel

Zurück zu Mareks Trade, Schritt für Schritt aufgeschlüsselt. Das ist ein illustratives Beispiel, aus Übersichtlichkeit gerundet, aber die Zahlen sind für ein ECN-Konto und EUR/USD realistisch.

Bruttoertrag30 Pips auf 0,1 Lot, Pip-Wert ca. 1 USD, ergibt rund 30 USD brutto.
Spread beim Ein- und AusstiegCa. 1 Pip, zweimal gezahlt, auf 0,1 Lot macht das zusammen rund 2 USD.
Round-Turn-ProvisionAuf einem ECN-Account für 0,1 Lot rund 0,60 bis 0,70 USD.
Swap für 2 NächteNegativer Swap für zwei Nächte bei dieser Größe, ca. 0,60 USD.
Nettoergebnis30 minus ca. 2 minus 0,65 minus 0,60 ergibt rund 26,75 USD auf dem Konto.

Die Zahlen decken sich mit dem, was Marek sah. Dreißig Dollar brutto wurden zu etwa sechsundzwanzig Dollar netto, weil jedes Leck seinen Teil abgezogen hat. Hätte er die Position innerhalb des Tages geschlossen, wäre der Swap weggefallen. Hätte er auf einem Standard-Account gehandelt, wäre die explizite Provision verschwunden, aber der Spread wäre breiter gewesen und die Gesamtkosten hätten sich kaum geändert. Die Kursbewegung selbst lügt nicht; nur die Annahme, sie lande vollständig auf dem Konto, lügt.

„Transaktionskosten sind der stille Killer der Rentabilität im kurzfristigen Handel. Je öfter du in den Markt einsteigst, desto mehr entscheiden Spread und Provisionen darüber, ob du überhaupt einen echten Vorteil hast." — Kathy Lien, Day Trading and Swing Trading the Currency Market, Wiley, 2016.

Kursbewegung mit Ergebnis abgleichen — Schritt für Schritt

Der einfachste Weg, um nie wieder von der Lücke überrascht zu werden: in zwei Spalten rechnen. In der ersten steht der Bruttoertrag — die Bewegung in Pips multipliziert mit dem Pip-Wert für die eigene Positionsgröße. In der zweiten summiert man die Kosten: den Spread mal zwei, die Provision falls das Konto eine berechnet, und den Swap für jede gehaltene Nacht. Die Differenz beider Spalten ist das reale Ergebnis, und genau diese Zahl muss mit dem Kontostand übereinstimmen.

Es lohnt sich außerdem, gelegentlich in die Kontospezifikation beim Broker zu schauen, wo die aktuellen Spread-, Provisions- und Swappunktsätze aufgelistet sind. Einmal einen einzigen Trade von Anfang bis Ende vollständig nachzurechnen, reicht aus, um die Mechanik zur Gewohnheit werden zu lassen — danach schätzt man die Kosten künftiger Trades im Kopf auf wenige Prozent genau.

Was jetzt zu tun ist

  1. Letzten Trade in zwei Spalten rekonstruieren. Schreib den Bruttoertrag als Pips mal Pip-Wert auf, und daneben separat den doppelten Spread, die Provision und den Swap für jede Nacht. Die Differenz muss mit dem Broker-Kontostand auf wenige Cent genau übereinstimmen. Falls nicht, liegt der Fehler fast immer bei einem falsch angesetzten Pip-Wert — prüfe zunächst dort.
  2. Drei Kennzahlen in der Kontospezifikation nachschlagen. Öffne die Kontobedingungen beim Broker und notiere den aktuellen Spread für dein Hauptpaar, die Round-Turn-Provision pro Lot und die Swappunkte für die Long- und Short-Seite. Mit diesen drei Zahlen kannst du die realen Kosten jedes Trades berechnen, bevor du ihn überhaupt öffnest.
  3. Break-even-Distanz in Pips ermitteln. Addiere den doppelten Spread und die Provision ausgedrückt in Pips — das Ergebnis ist die Mindestbewegung, die der Kurs zurücklegen muss, bevor du die Nulllinie erreichst. Bei Strategien mit kleinen Kurszielen kann diese Zahl einen großen Teil der erwarteten Bewegung auffressen; du siehst sofort, ob dein System kostentechnisch überhaupt tragfähig ist.
  4. Bewusst entscheiden, ob du Positionen über Nacht hältst. Erfordert deine Strategie kein Halten über Mitternacht, schließe Positionen vor dem Rollover-Zeitpunkt — so entfällt der Swap vollständig. Wenn du länger halten musst, prüfe im Voraus, ob der Swap für oder gegen dich arbeitet: Über mehrere Nächte hinweg kann er den Sinn des Trades umkehren.
  5. Für jedes neue Paar den Pip-Wert einmalig ausrechnen. Öffne eine Demo-Position in voller Lot-Größe, lass den Kurs um einen Pip bewegen und lies den Pip-Wert direkt von der Plattform ab. Dieser Wert gilt dann für jede künftige Schätzung auf diesem Paar — und verhindert den häufigsten Rechenfehler von vornherein.
Jarosław Wasiński
Über den Autor

Jarosław Wasiński

Chefredakteur bei MyBank.pl · Finanz- und Marktanalyst

Unabhängiger Analyst und Praktiker mit über 20 Jahren Erfahrung im Finanzsektor. Gründer und Chefredakteur des Portals MyBank.pl, aktiv seit 2004. Fundamentalanalyse der Devisen- und Makromärkte seit 2007. Schreibt aus europäischer Marktperspektive im regulatorischen Rahmen von ESMA und BaFin.

Quellen und Literatur

  1. MetaQuotes Software Basic Principles — Trading Operations, MetaTrader 5 Help · Oficjalna dokumentacja MT5 potwierdzająca, że instrument kupowany jest po cenie ask, a sprzedawany po cenie bid, oraz opisująca rolę zleceń Stop Loss i Take Profit. www.metatrader5.com ↗
  2. MetaQuotes Software Margin Calculation: Retail Forex, Futures — MetaTrader 5 Help · Dokumentacja MT5 opisująca formuły przeliczeń pozycji forex, w tym przeliczanie wartości kontraktu i wyniku na walutę depozytu po bieżącym kursie. www.metatrader5.com ↗
  3. Bank for International Settlements OTC foreign exchange turnover in April 2022 (Triennial Central Bank Survey) · Badanie BIS potwierdzające skalę i strukturę rynku walutowego oraz dominację par z dolarem, co tłumaczy, dlaczego wynik na egzotykach częściej wymaga przewalutowania. www.bis.org ↗
  4. European Securities and Markets Authority ESMA agrees to prohibit binary options and restrict CFDs to protect retail investors · Komunikat ESMA z 27 marca 2018 wprowadzający ramy ochrony klienta detalicznego na rynku CFD, w tym standaryzowane ostrzeżenie o odsetku rachunków zamykanych ze stratą. www.esma.europa.eu ↗

Häufig gestellte Fragen

Warum startet meine Position im Minus, bevor sich der Kurs überhaupt bewegt hat?

Das ist der natürliche Effekt des Spreads, kein Plattformfehler. Eine Long-Position öffnet man zum Ask, dem höheren Kurs, während das laufende Ergebnis gegen den Bid, den niedrigeren Kurs, gemessen wird. Die Lücke zwischen beiden ist der Spread — und genau das siehst du als Startverlust. Beträgt der Spread auf EUR/USD einen Pip, zeigt eine Long-Position beim Öffnen etwa minus einen Pip, obwohl sich der Kurs nicht bewegt hat. Der Marktpreis muss sich mindestens um die Breite des Spreads in deine Richtung bewegen, bevor dein Ergebnis die Nulllinie erreicht. Erst oberhalb dieser Schwelle beginnst du tatsächlich zu verdienen.

Handle ich auf einem provisionsfreien Standard-Account wirklich kostenlos?

Nein. Das Fehlen einer separaten Provision bedeutet nicht das Fehlen von Kosten, weil die Kosten in einem breiteren Spread versteckt sind. Auf einem Standard-Account schlägt der Broker seinen Aufschlag auf den Markt-Spread, sodass man statt eines Zehntels Pip zum Beispiel einen oder zwei Pips zahlt. Auf einem ECN-Account ist der Spread eng und nahe null, aber es fällt eine explizite Provision pro Lot an. Das sind zwei Arten, dieselbe Gebühr zu verpacken. Welche günstiger ist, hängt vom eigenen Stil ab: Für häufigen Handel mit kurzem Zeithorizont ist ECN meist vorteilhafter; für seltener geöffnete Positionen ist der Standard-Account einfacher zu kalkulieren.

Wie berechne ich den Pip-Wert, damit meine Schätzungen stimmen?

Der Pip-Wert hängt vom Paar, der Positionsgröße und der Kontowährung ab — deshalb ergibt dieselbe dreißig-Pip-Bewegung auf EUR/USD einen anderen Betrag als auf GBP/JPY. Bei Paaren, bei denen der Dollar die Kurswährung ist, beträgt ein Pip beim Standard Lot rund zehn Dollar, beim Mini Lot einen Dollar und beim Micro Lot zehn Cent. Paare mit dem Yen funktionieren ähnlich, aber der Pip liegt an einer anderen Dezimalstelle und der Wert muss über den USD/JPY-Kurs umgerechnet werden. Wenn die eigenen Schätzungen nicht mit der Plattform übereinstimmen, liegt der Fehler fast immer bei einem falsch angesetzten Pip-Wert — und nicht bei den Transaktionskosten selbst.

Betreffen mich Swap und Währungsumrechnung beim schnellen Intraday-Handel überhaupt?

Der Swap betrifft dich nur dann, wenn du eine Position über den Rollover-Zeitpunkt hältst — also über Mitternacht in der Serverzeit des Brokers. Schließt du alles davor, zahlst du weder Swappunkte noch erhältst du sie; beim reinen Intraday-Handel entfällt diese Kostenstelle vollständig. Die Währungsumrechnung funktioniert anders: Sie betrifft dich immer, wenn das Paar nicht in deiner Kontowährung notiert ist, unabhängig davon, wie lange du die Position hältst. Bei einem Euro-Konto und Handel auf GBP/JPY wird jedes realisierte Ergebnis zum aktuellen Kurs in Euro umgerechnet, und die Differenz plus ein etwaiger Broker-Aufschlag für die Konvertierung bleibt dabei auf der Strecke. Pro Trade ist das meist ein kleiner Betrag, aber über viele Trades summiert er sich.

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