Equity, Kontostand und Margin — drei Zahlen auf dem Trader-Konto
Stell dir ein Konto mit einem Kontostand (Balance) von zehntausend Euro vor und einer einzigen offenen Position auf EUR/USD, die aktuell dreihundert Euro im Minus steht. Dein Kontostand zeigt weiterhin zehntausend, doch dein Equity ist bereits auf neuntausendsiebenhundert gefallen. Der Broker hat rund dreitausenddreihundertdreiunddreißig Euro als Sicherheitsleistung für diese Position blockiert, sodass sechstausenddreihundertsiebenundsechzig Euro freies Kapital verbleiben und ein Margin Level von 291 % angezeigt wird. Vier verschiedene Zahlen beschreiben dasselbe Konto in derselben Sekunde. Im Folgenden erkläre ich, was jede davon wirklich bedeutet.
Drei Zahlen, die ein einziges Konto beschreiben
Wenn du zum ersten Mal eine Handelsplattform öffnest und auf den Reiter mit deinen offenen Positionen klickst, erscheint unten eine Reihe von Feldern: Balance, Equity, Margin, Free Margin und Margin Level. Die meisten Einsteiger sehen nur den Kontostand und fragen sich dann, warum die Kontoauszüge des Brokers nicht mit dem Bildschirm übereinstimmen. Tatsächlich beschreiben diese Zahlen das Konto aus verschiedenen Zeitpunkten heraus. Die Balance spricht von der Vergangenheit, das Equity von der Gegenwart, während Free Margin und Margin Level zeigen, wie viel Spielraum noch bleibt und wie nah du an kritische Schwellen geraten bist.
In über einem Jahrzehnt als Redakteur des Portals MyBank.pl und Forex-Analyst habe ich Hunderte von Screenshots von Lesern gesehen, die in Panik gerieten, weil ihr Konto weniger anzeigte als eingezahlt. In neun von zehn Fällen war es weder ein Fehler noch eine versteckte Gebühr, sondern schlicht ein Missverständnis über den Unterschied zwischen Balance und Equity. Sobald du verstehst, wie sich diese Zahlen ineinander umrechnen, weicht die Panik einer ruhigen Kontrolle. Bevor wir ins Detail gehen, lohnt sich ein kurzer Blick in die technischen Konzepte des Forex-Handels — dort findest du die Grundbegriffe, mit denen sich alles Folgende messen lässt.
Die Balance — die Summe aller geschlossenen Trades
Die Balance ist die Summe jeder gebuchten Operation seit Kontoeröffnung: Einzahlungen minus Auszahlungen, plus realisierte Gewinne, minus realisierte Verluste, bereinigt um Swap-Punkte (Übernachtfinanzierung). Das entscheidende Wort lautet realisiert. Die Balance berücksichtigt ausschließlich bereits geschlossene Positionen; solange du eine offene hältst, existiert ihr Ergebnis für die Balance schlichtweg nicht — nicht einmal für einen Augenblick.
Deshalb ist die Balance so stabil. Du kannst den ganzen Tag wegbleiben, der Kurs kann um Hunderte von Pips schwanken — die Balance zeigt immer noch den Morgenstand. Sie ändert sich erst in dem Moment, in dem du auf Schließen klickst oder dein Stop Loss beziehungsweise Take Profit ausgelöst wird: eine trockene, objektive Buchungszahl.
In unserem Beispiel beträgt die Balance 10.000 Euro. Das ist deine Einzahlung; du hast noch nichts geschlossen, also entspricht die Summe der geschlossenen Trades der Einzahlung — und das bleibt so, egal ob du gewinnst oder verlierst, bis du die Position schließt.
Das Equity — die Balance einschließlich offener Positionen
Das Equity ist die Balance, erhöht oder verringert um das unrealisierte Ergebnis aller offenen Positionen — im Fachjargon Floating P/L, „floating" deshalb, weil es sich mit jedem Tick verschiebt. Das Equity ist daher eine lebendige Zahl: Wenn der Markt sich zu deinen Gunsten bewegt, steigt es über die Balance; bewegt er sich gegen dich, fällt es darunter — obwohl die Balance selbst unverändert bleibt.
Es ist das Equity, nicht die Balance, das deinen tatsächlichen Kontowert in jedem Moment darstellt. Wenn du jetzt alle Positionen schließen würdest, würde die Balance auf das heutige Equity zulaufen. Einfach ausgedrückt: Das Equity zeigt, wie viel tatsächlich auf dem Konto wäre, wenn du das gesamte Portfolio sofort liquidieren müsstest.
In unserem Beispiel liegt die Position 300 Euro im Minus, daher zeigt das Equity 9.700 — 10.000 Balance minus 300 Floating P/L. Wäre die Position 300 Euro im Plus, würde das Equity 10.300 anzeigen, während die Balance in beiden Fällen bei 10.000 bliebe. Bei keiner offenen Position ist das Floating P/L null, und Equity entspricht der Balance auf den letzten Cent. Ein nützlicher Test: Wenn die beiden Zahlen voneinander abweichen, hast du etwas offen.
Die Margin — die unter einer Position blockierte Sicherheitsleistung
Die Margin, auch als Sicherheitsleistung oder Used Margin bezeichnet, ist der Kapitalanteil, den der Broker blockiert, solange du eine Position hältst — keine Gebühr, keine Provision, sondern Mittel, die als Puffer gegen mögliche Verluste zurückgelegt werden. Sie entspricht dem Nominalwert der Position geteilt durch den Hebel. Mit dem Hebel von 1:30, den die europäische Aufsichtsbehörde ESMA für die wichtigsten Währungspaare vorschreibt, bedeutet das Öffnen eines vollen Lots mit einem Nominalwert von hunderttausend Einheiten der Basiswährung das Einfrieren eines Dreißigstel dieses Wertes.
Hunderttausend geteilt durch dreißig ergibt rund 3.333 Euro — genau das, was der Broker hier zurückstellt. Dieser Betrag verschwindet nicht: Sobald die Position geschlossen wird, fließt er — um das Handelsergebnis bereinigt — zurück in den Pool der freien Mittel. Die Margin ist keine Kosten, sondern eine Kaution: Du leihst dir eine Marktexposition, die dreißig Mal so groß ist wie dein eigener Einsatz, und der Broker hält deine Kaution als Puffer, falls sich der Markt gegen dich wendet.
Die Logik ist einfach: Je größer die Position, desto mehr Kapital wird eingefroren und desto weniger Handlungsspielraum verbleibt dir. Zwei Lots statt eines bedeuten eine verdoppelte Kaution und die Hälfte des Puffers.
Free Margin und Margin Level — der Puffer und der Kompass
Der Free Margin ist schlicht das Equity minus die blockierte Sicherheitsleistung. Es ist dein tatsächlich verfügbares Kapital — die Mittel, die du für neue Positionen einsetzen oder die eine sich vertiefende Verlustposition abpuffern können. In unserem Beispiel beträgt das Equity 9.700 und die blockierte Margin 3.333, sodass der freie Puffer 6.367 Euro ergibt.
Das Margin Level ist dieselbe Information in Prozent: Equity geteilt durch die blockierte Sicherheitsleistung, multipliziert mit hundert. In unserem Fall ergibt 9.700 geteilt durch 3.333 rund 291 % — das Equity ist fast dreimal so hoch wie die unter der Position eingefrorene Margin. Je höher dieser Prozentsatz, desto sicherer bist du; je niedriger er sinkt, desto näher an der Grenze.
Diese beiden Zahlen wirken wie ein Kompass: Der Free Margin sagt dir, wie viel du noch tun kannst, und das Margin Level, wie weit du von dem Moment entfernt bist, an dem der Broker das Steuer übernimmt. Erfahrene Trader lesen den Kurs niemals losgelöst vom Margin Level — das eine ohne das andere ist wie ein Blick auf den Tacho ohne Tankanzeige.
„Das Ziel jedes Traders sollte das Überleben am Markt sein, nicht schnelles Reichwerden. Das Money Management entscheidet darüber, ob du lange genug im Spiel bleibst, damit dein Edge seine Wirkung entfalten kann." — Alexander Elder, „Trading for a Living", 1993
Was passiert, wenn das Margin Level fällt
Das Margin Level bleibt ruhig, solange der Markt deine Verluste nicht vertieft. Je mehr das Equity durch das Floating P/L abschmilzt, desto weiter sinkt das Level — die Margin bleibt konstant, während der Zähler dieses Bruchs schrumpft. Wenn das Level hundert Prozent erreicht, entspricht das Equity exakt der blockierten Sicherheitsleistung, und kein freies Kapital mehr verbleibt. In diesem Moment erscheint ein Margin Call — eine Warnung, nach der der Broker keine neuen Positionen mehr zulässt.
Vertieft sich der Verlust weiter und fällt das Margin Level auf fünfzig Prozent, greift der Stop Out (die Zwangsglattstellung): Der Broker beginnt, Positionen automatisch zu schließen, angefangen bei der verlustreichsten, um zu retten, was bleibt. Das ist keine Willkür, sondern ein Mechanismus, der beide Seiten vor einem negativen Saldo schützt. Die genauen Schwellenwerte variieren je nach Broker; ein Margin Call bei 100 % und ein Stop Out bei 50 % sind jedoch der Standard, der für Märkte unter ESMA-Aufsicht typisch ist — und damit auch direkt in Deutschland gilt, wo die BaFin diese EU-Vorgaben vollzieht.
Das Margin Level ist also keine Nebensächlichkeit, sondern ein Frühwarnsystem. Wenn es unter 200 % fällt, ist die Position im Verhältnis zu deinem Kapital zu groß, und eine etwas schärfere Kursbewegung könnte dich in den Margin-Call-Bereich drängen. Wähle die Positionsgröße so, dass dieses Szenario weit entfernt bleibt — solides Risikomanagement besteht genau darin, diesen Abstand zu wahren.
Was jetzt zu tun ist
Bevor du auf Kaufen oder Verkaufen klickst, führe diese drei kurzen Überprüfungen durch — sie werden innerhalb weniger Wochen zur zweiten Natur.
- Vergleiche Balance und Equity. Wenn sie voneinander abweichen, hast du offene Positionen, und die Differenz ist dein Floating-Ergebnis. Versteh, woher sie stammt, bevor du etwas Neues hinzufügst — denn das Equity, nicht die Balance, ist dein tatsächlicher Kontowert im jeweiligen Moment. Genau diese Unterscheidung trennt den verunsicherten Einsteiger vom Trader, der sein Konto wirklich im Griff hat.
- Prüf, wie viel Margin die neue Position binden wird. Teile ihren Nominalwert durch den Hebel und vergleich das Ergebnis mit deinem Free Margin. Wenn die geplante Sicherheitsleistung den größten Teil deines freien Kapitals aufzehren würde, ist die Position zu groß — reduziere die Positionsgröße. Eine gesunde Gewohnheit ist es, die blockierte Margin deutlich unterhalb des verfügbaren Puffers zu halten, damit du jederzeit handlungsfähig bleibst.
- Schau dir das Margin Level nach dem Öffnen an. Wenn die Position das Level in Richtung 200 % oder darunter drücken würde, bist du überhebelt. Arbeite mit einem großzügigen Margin-Puffer, sodass normale Kursschwankungen dich niemals in die Nähe der Margin-Call-Schwelle bringen. Die Grundlagen der Positionsgrößenberechnung solltest du kennen, bevor du handelst — nicht erst nach dem ersten schmerzhaften Erlebnis.
Diese drei Zahlen — Balance, Equity und Margin — sind keine Plattform-Bürokratie, sondern das Armaturenbrett deines Kontos. Ein Pilot hebt nicht ab, ohne auf die Instrumente zu schauen; ein Trader sollte keine Position öffnen, ohne zu verstehen, was Equity und Margin Level ihm signalisieren. Lern, sie reflexartig zu lesen, und du wirst weitaus mehr Entscheidungen im Nüchternen treffen als im Rausch der Emotion.
Quellen und Literatur
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MetaQuotes MetaTrader 5 Help — Trade tab and account summary fields · Oficjalny opis pól balance, equity, margin, free margin i margin level w terminalu MT5. www.metatrader5.com ↗
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European Securities and Markets Authority (ESMA) Product intervention measures on CFDs — leverage limits and margin close-out · Decyzja ESMA wprowadzająca limit dźwigni 1:30 dla głównych par i regułę zamknięcia przy 50% margin. www.esma.europa.eu ↗
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Alexander Elder Trading for a Living — Money Management chapter · Klasyka literatury tradingowej; rozdział o zarządzaniu kapitałem i przetrwaniu na rynku (Wiley, 1993). www.wiley.com ↗
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European Securities and Markets Authority (ESMA) CFDs for retail clients — investor warning on leverage and losses · Ostrzeżenie ESMA o ryzyku dźwigni i odsetku rachunków detalicznych kończących stratą. www.esma.europa.eu ↗
Häufig gestellte Fragen
Warum unterscheiden sich Balance und Equity?
Weil die Balance ausschließlich geschlossene Trades zählt, während das Equity zusätzlich das Floating-Ergebnis offener Positionen einbezieht. Solange du etwas offen hältst, lebt Gewinn oder Verlust dieser Position nur im Equity — die Balance bleibt unverändert. Wenn deine Balance zehntausend Euro beträgt und eine Position dreihundert Euro im Minus steht, zeigt das Equity neuntausendsiebenhundert. Sobald du diese Position schließt, gleicht sich die Balance dem Equity an. Wenn du keine offene Position hältst, stimmen beide Zahlen bis auf den letzten Cent überein.
Was ist der Free Margin und wie berechnet man ihn?
Der Free Margin ist das Equity abzüglich der blockierten Sicherheitsleistung (Used Margin). Er ist das tatsächlich verfügbare Kapital, mit dem du neue Positionen öffnen oder eine sich vertiefende Verlustposition abfedern kannst. Wenn das Equity neuntausendsiebenhundert Euro beträgt und der Broker dreitausenddreihundertdreiunddreißig Euro unter der offenen Position blockiert hat, ergibt sich ein Free Margin von sechstausenddreihundertsiebenundsechzig Euro. Wenn der Free Margin auf null fällt, sperrt der Broker das Öffnen neuer Positionen.
Was bedeutet das Margin Level und wann wird es gefährlich?
Das Margin Level ist das Equity geteilt durch die blockierte Sicherheitsleistung, multipliziert mit hundert Prozent. Es zeigt, wie viel Mal dein Equity die eingefrorene Sicherheitsleistung übersteigt. In unserem Beispiel ergibt neuntausendsiebenhundert geteilt durch dreitausenddreihundertdreiunddreißig rund zweihunderteinundneunzig Prozent. Je weiter es sinkt, desto näher die Gefahr: Bei hundert Prozent erscheint ein Margin Call und der Broker blockiert neue Positionen; bei fünfzig Prozent beginnt der Stop Out, also die automatische Schließung von Positionen. Diese Schwellenwerte sind typisch für einen Markt unter ESMA-Aufsicht.
Erhöht eine Einzahlung die Balance oder das Equity?
Beide Zahlen gleichzeitig. Eine Einzahlung von tausend Euro erhöht die Balance um tausend, sobald sie gebucht ist, und hebt das Equity automatisch um den gleichen Betrag an, weil das Equity die Balance bereinigt um das Floating-Ergebnis ist. Der Free Margin wächst ebenfalls, sodass du sofort einen größeren Puffer hast und neue Positionen öffnen kannst. Eine Auszahlung wirkt spiegelbildlich: Balance und Equity sinken um den abgehobenen Betrag, und das freie Kapital schrumpft mit ihnen. Die Einzahlung verändert jedoch die blockierte Sicherheitsleistung nicht — die hängt ausschließlich von der Größe offener Positionen und dem Hebel ab.