Eine Werbung mit „Hebel bis 1:30“ beantwortet noch nicht, wie viel Sicherheit dein konkreter Auftrag benötigt. Sie sagt auch nichts darüber aus, ob eine Position für dein Konto sinnvoll dimensioniert ist. Trenne Hebel, erforderliche Margin und den möglichen Verlust bei einer Preisbewegung. Die folgenden Regeln betreffen private CFD-Kunden in Deutschland; Devisenmechanik und Rechenformeln gelten allgemein.

Von der ESMA-Maßnahme zur deutschen Regelung

Die ESMA führte ihre zunächst dreimonatige CFD-Produktintervention zum 1. August 2018 ein und verlängerte sie anschließend. Die letzte befristete Maßnahme endete am 31. Juli 2019. Daraus folgt nicht, dass die Beschränkungen danach verschwanden: In Deutschland gilt seit 1. August 2019 die BaFin-Allgemeinverfügung vom 23. Juli 2019. Ihre Anwendung betrifft auch erfasste Rolling-Spot-Forex-Produkte und finanzielle Spread Bets. Ein Marketingname entscheidet daher nicht allein über die rechtliche Einordnung.

Der deutsche Schutzrahmen verbindet Mindestmargin, kontobezogenen Margin-Close-out, Negativsaldoschutz, Beschränkungen von Handelsanreizen und Risikowarnungen. Beim Close-out wird die Summe aus Kontomitteln und unrealisierten Nettoergebnissen mit der vorgeschriebenen Schutzmargin der offenen CFDs verglichen. Unterhalb der Hälfte müssen eine oder mehrere Positionen geschlossen werden. Das ist keine Zusage, jede einzelne Position exakt bei einer bestimmten Verlusthöhe zu schließen.

Negativsaldoschutz begrenzt die CFD-Verpflichtung auf die Mittel des betroffenen CFD-Kontos. Er versichert keinen Kontostand und verhindert keine Verluste dieser Mittel. Auch ein Stop-Loss kann bei Kurslücken schlechter ausgeführt werden als geplant. Die aktuelle anbieterspezifische Verlustquote findest du in der Risikowarnung des jeweiligen Anbieters; historische allgemeine Prozentbereiche sind keine aktuelle Statistik für dein Konto.

Welche Produkte unter welche Margin fallen

Für Währungspaare aus jeweils zwei der sechs Währungen USD, EUR, JPY, GBP, CAD und CHF beträgt die deutsche Mindestanforderung 3,33 % des Nominalwerts. Die gebräuchliche Kurzbezeichnung dafür lautet ungefähr 30:1. Sobald mindestens eine andere Währung beteiligt ist, gelten 5 %. Damit fällt etwa EUR/CHF in die erste Gruppe, AUD/USD jedoch in die zweite. Die Bezeichnung „Major“ auf einer Handelsplattform ersetzt diese konkrete Liste nicht.

Auch die übrigen Gruppen sind produktabhängig: Gold und die in der Verfügung genannten Aktienindizes erfordern 5 %, andere Rohstoffe und andere Aktienindizes 10 %, einzelne Aktien und sonstige nicht gesondert eingeordnete Basiswerte 20 %, Kryptowährungen 50 %. Das sind CFD-Anforderungen. Ein ungehebelter ETF, eine echte Währungszahlung und ein CFD auf einen ähnlichen Basiswert sind verschiedene Verträge.

Der Anbieter darf mehr Sicherheit verlangen. Seine Produktspezifikation kann beispielsweise für EUR/CHF 5 % vorsehen, obwohl die regulatorische Untergrenze 3,33 % beträgt. Ein niedrigerer maximal angebotener Hebel verletzt den Schutzrahmen nicht. Änderungen der Anforderungen oder erhöhte Margin vor bestimmten Ereignissen müssen deshalb anhand der konkreten Vertragsbedingungen geprüft werden.

Ein internationaler Vergleich braucht denselben Produkttyp

Ähnliche Zahlen bedeuten nicht identische Vorschriften. Die britischen FCA-Regeln für erfasste Retail-Produkte enthalten ebenfalls 3,33 % für Hauptwährungspaare. Die australische ASIC-Definition der Hauptwährungen enthält zusätzlich AUD. Ihr CFD-Eingriff wurde bis zum 23. Mai 2027 verlängert. Eine veröffentlichte Konsultation über eine weitere Verlängerung ist noch kein endgültiger neuer Geltungszeitraum.

In den USA verlangt die hier betrachtete Regel für erfassten außerbörslichen Retail-Forex-Handel grundsätzlich 2 % Sicherheit für Hauptwährungspaare und 5 % für andere; Verbandsvorgaben können höher liegen. Das ist kein allgemeines US-CFD-Angebot. Japan verlangt für private OTC-FX-Kunden mindestens 4 % unabhängig vom Währungspaar. Regeln für professionelle Kunden, Unternehmen oder Börsenprodukte dürfen nicht ungeprüft übertragen werden.

Für Deutschland zählt die konkrete Vertragsgesellschaft mit dem für dich geltenden Schutzrahmen. Eine zusätzliche Gesellschaft außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums übernimmt nicht automatisch dieselben Bedingungen. Auch die polnische Kategorie eines erfahrenen Privatkunden mit besonderen Voraussetzungen ist keine deutsche Kundeneinstufung und kein automatischer Zugang zu höherem Hebel.

Margin rechnen, Verlustrisiko getrennt prüfen

Bei einem hypothetischen Positionswert von 12.000 USD ergeben 3,33 % eine Margin von 399,60 USD. Bei ausdrücklich vorgegebenen 5 % sind es dagegen 600 USD: 12.000 × 0,05 = 600. Die Differenz beträgt 200,40 USD. Eine Rechnung mit 12.000 / 30 = 400 USD verwendet eine andere Annahme und beantwortet die 5-%-Frage ebenfalls nicht.

Eine Vorgabe, eine passende MarginrechnungHypothetischer Positionswert 12.000 USD; die Aufgabe setzt ausdrücklich 5 % voraus.RECHEN- UND LERNBEISPIEL3,33 % Mindestmargin alsVergleich399,60 USD5 % ausdrücklich vorgegeben600,00 USDExakt 30:1 als Vergleich400,00 USD
Eine Vorgabe, eine passende Marginrechnung. Hypothetischer Positionswert 12.000 USD; die Aufgabe setzt ausdrücklich 5 % voraus.

Die Anbieteranforderung des Modells ergibt 600 USD. Die beiden anderen Rechnungen beruhen auf anderen Annahmen.

3,33 % Mindestmargin als Vergleich
399,60 USD – 12.000 × 0,0333; nicht der Satz der Aufgabe.
5 % ausdrücklich vorgegeben
600,00 USD – 12.000 × 0,05; gesuchte Antwort.
Exakt 30:1 als Vergleich
400,00 USD – 12.000 / 30; ersetzt 5 % nicht.

Für ein EUR-Konto zeigt sich zusätzlich eine kleine Rundungsfalle. Ein fiktiver Nominalwert von 100.000 EUR ergibt bei exakt 30:1 eine Sicherheit von 3.333,33 EUR, bei genau 3,33 % dagegen 3.330 EUR. Die verkürzte Hebelangabe und die ausgeschriebene Prozentanforderung sind rechnerisch nicht völlig identisch. Bei 50:1 wären es 2.000 EUR, bei 100:1 1.000 EUR und bei 500:1 200 EUR. Diese Vergleichswerte sind Rechenmodelle, keine Aussage darüber, welche Kondition dir angeboten werden darf.

Bei unverändertem Nominalwert verursacht dieselbe Preisbewegung denselben Bruttoverlust, unabhängig davon, ob 200 oder 3.333,33 EUR Sicherheit hinterlegt sind. Eine Bewegung um 1 % bei 100.000 EUR entspricht im vereinfachten linearen Modell 1.000 EUR. Gebühren, Finanzierung, Umrechnung und Ausführung kommen gesondert hinzu. Nutzt du eine niedrigere Margin, um den Positionswert zu vergrößern, wächst dagegen auch die absolute Preisempfindlichkeit.

Professioneller Status ist keine Hebeleinstellung

Die freiwillige Einstufung als professioneller Kunde verlangt eine Bewertung durch das Unternehmen. Nach MiFID II müssen mindestens zwei von drei Kriterien erfüllt sein: Transaktionen bedeutenden Umfangs auf dem relevanten Markt durchschnittlich zehnmal je Quartal während der letzten vier Quartale, ein Finanzinstrumente-Portfolio einschließlich Bareinlagen über 500.000 EUR oder mindestens ein Jahr einschlägige berufliche Erfahrung im Finanzsektor. Dazu gehören ein schriftlicher Antrag, eine schriftliche Warnung und eine gesonderte Bestätigung, die Folgen verstanden zu haben.

Ein großer Kontostand allein genügt somit nicht. Die Retail-CFD-Produktintervention schützt professionelle Kunden nicht automatisch in gleicher Weise. Freiwillige Anbieterleistungen und weitere Rechte sind einzeln zu prüfen. Weder die Einstufung noch höherer Hebel beweisen Erfahrung mit deinem konkreten System oder garantieren die angebotene Hebelstufe.

Was du jetzt prüfen kannst

  1. Notiere für ein vorhandenes Demoprodukt den Namen der Vertragsgesellschaft, deinen Kundenstatus und den ausgeschriebenen Marginsatz. Vergleiche die Produktgruppe mit der Sechs-Währungen-Liste und halte ausdrücklich fest, ob du eine gesetzliche Mindestanforderung oder eine höhere Anbieteranforderung verwendest.
  2. Rechne den 12.000-USD-Fall einmal mit 3,33 % und einmal mit 5 % aus. Beschrifte beide Ergebnisse samt Einheit und erkläre schriftlich, warum allein 600 USD die Aufgabenstellung erfüllt; so erkennst du eine versehentlich eingesetzte Hebelannahme.
  3. Vergleiche auf einem Papierkonto denselben Nominalwert mit zwei Marginannahmen und derselben hypothetischen Preisbewegung. Dokumentiere Margin, Bruttoverlust und verbleibende Kontomittel getrennt und prüfe anschließend die konkreten Close-out-Regeln, statt Margin als Verlustobergrenze zu behandeln.