In diesem Artikel
Nach diesem Artikel kannst du …
- Du unterscheidest eingebetteten Spread und separate Kommission.
- Du vergleichst Tarife bei gleicher Größe in einer Währung.
- Du berechnest die Gleichheitsschwelle für Mikrolots.
- Du erkennst zusätzliche Mindestkosten bei Teilabschlüssen.
Begriffe direkt erklärt
Spread Provision Pip Vergütung für Orderweiterleitung (PFOF)„Null Kommission“ sagt zunächst nur, dass eine bestimmte separate Gebühr entfällt. Ob ein Konto insgesamt günstiger ist, hängt von Spread, übrigen Gebühren und tatsächlichen Ausführungen ab. Eine Kontobezeichnung wie Standard, Raw oder ECN liefert die Antwort nicht. Vergleiche hier beide Preisbestandteile auf denselben EUR/USD-Vorgang und prüfe anschließend Mindestkosten und Teilabschlüsse, damit aus einer Werbezeile eine nachvollziehbare Rechnung wird.
Wie unterscheiden sich Spread und Kommission?
Der Spread ist Ask minus Bid zum selben Zeitpunkt. Du kaufst zum Ask und verkaufst zum Bid. Ein frisch eröffneter Kauf, der zum Bid bewertet wird, zeigt deshalb zunächst diese Differenz. Beim Verkauf sind die Seiten entsprechend umgekehrt. Die tatsächlichen Eröffnungs- und Schließungspreise enthalten den Spread bereits.
Der Kundenspread ist nicht automatisch vollständig Brokergewinn. Liquiditätskosten, ein möglicher Aufschlag und externe Absicherung sind getrennte Größen. Die Kommission ist dagegen ein ausdrücklich nach Tarif erhobener Betrag. „Pro Seite“ betrifft jeweils Öffnen oder Schließen, „Round Turn“ den vollständigen Vorgang. Ein Buchungszeitpunkt beim Öffnen kann dennoch bereits beide Seiten umfassen; lies die Fußnote.
PFOF ist ein weiterer, davon getrennter Sachverhalt: bestimmte Vergütungen eines Dritten für Ausführung oder Weiterleitung von Kundenaufträgen. MiFIR Artikel 39a verbietet sie im dort definierten Kunden- und Dienstleistungsumfang. Die mögliche befristete nationale Ausnahme endete am 30. Juni 2026. Das ist keine weltweite Regel und keine Beschreibung jeder OTC-Gebühr; zulässige reine Kundenrabatte auf Handelsplatzentgelte sind gesondert abgegrenzt.
Welche Formel passt und wo endet sie?
Bei gleichem Spread zu Beginn und Ende und ohne Slippage lautet das vereinfachte Modell: Spread in Pips mal Pipwert der Position plus vollständige Kommission. Andere Kosten kommen separat dazu. Sind die Spreads verschieden, entspricht der Spreadbeitrag gegenüber den jeweiligen Mittelkursen der halben Eingangsspanne plus der halben Ausgangsspanne, jeweils für das zugehörige Volumen.
Bei EUR/USD mit 100 000 EUR je Standard-Lot und Pipgröße 0,0001 ist ein Pip an einem Lot genau 10 USD wert. Bei 0,10 Lot sind es 1 USD und bei 0,01 Lot 0,10 USD. Das sind Werte in der Quotierungswährung unter dieser Spezifikation. Ein EUR-Konto benötigt zusätzlich die passende Umrechnung; ein anderer Vertrag kann eine andere Größenangabe verwenden.
Die Formel ist eine Vergleichsrechnung, keine Anweisung für einen doppelten Gebührenabzug. Wenn dein Bericht Gewinn aus den tatsächlichen Ask-/Bid-Fills berechnet, ist der Preisunterschied bereits darin. Dann ergänze nur die noch nicht enthaltenen gesonderten Komponenten. Ein rechnerischer Vergleich gegenüber Mittelkursen und ein tatsächlich gebuchtes Nettoergebnis sind verschiedene Auswertungen.
Was zeigt ein konkreter EUR-Vergleich?
Nehmen wir ausdrücklich hypothetische Sätze: Standard mit 1,2 Pips Spread ohne separate Kommission, Raw mit 0,1 Pip und 7 USD Kommission für den vollständigen Vorgang. Bei einem Lot sind die Kosten 12 USD gegenüber 8 USD. Ein nur für diese Rechnung angenommener Kurs von 1,10 USD je EUR ergibt 10,91 EUR gegenüber 7,27 EUR, jeweils gerundet.
Für hundert identische Vorgänge betragen die USD-Kosten 1 200 beziehungsweise 800, die Differenz 400 USD. Zwölf solcher gleichartigen Monate ergeben 4 800 USD oder unter unveränderter hypothetischer Umrechnung 4 363,64 EUR Differenz. Das beschreibt Kosten unter konstanten Annahmen und keine Jahresprognose. Es begründet insbesondere keinen Anreiz, zusätzliches Volumen zu erzeugen.
Bei 0,10 Lot kosten dieselben proportionalen Tarife 1,20 gegenüber 0,80 USD, bei 0,01 Lot 0,12 gegenüber 0,08 USD. Ohne Mindestbetrag bleibt dieselbe Reihenfolge erhalten. Mehr Vorgänge vergrößern die konstante Differenz; ihre Häufigkeit macht einen teureren Einzelvorgang nicht plötzlich günstiger. Erst andere Tarif- oder Ausführungsvoraussetzungen können die Entscheidung ändern.
Wann verändern Mindestgebühren den Vergleich?
Bei 0,01 Lot kostet im Modell der Standardspread 0,12 USD und der Raw-Spread 0,01 USD. Für eine gleiche Gesamtrechnung darf die gesamte Raw-Kommission deshalb 0,11 USD betragen. Darunter ist Raw günstiger, darüber Standard. Schon eine Provision über den proportionalen 0,07 USD macht Raw also nicht automatisch teurer; entscheidend ist die Differenz von 0,11 USD.
Ein zweites hypothetisches Modell setzt 3 USD je Lot und Seite an, mindestens 1 USD je einzeln betrachteter Ausführung. Der Einstieg von einem Lot kostet 3 USD. Ein einzelner vollständiger Ausstieg kostet weitere 3 USD: insgesamt 6 USD. Fünf Ausstiege zu je 0,20 Lot würden proportional jeweils 0,60 USD kosten, werden hier aber auf jeweils 1 USD erhöht. Die Gesamtsumme beträgt dadurch 8 USD.
Gleiches Gesamtvolumen kann durch mehrfaches Minimum mehr Kommission kosten.
- Einstieg
- 3 USD – Ein Lot einmal öffnen
- Ein Ausstieg
- 3 USD; insgesamt 6 USD – Ein Lot einmal schließen
- Fünf Ausstiege
- 5 ×1 USD; insgesamt 8 USD – Je 0,20 Lot, Mindestbetrag greift fünfmal
Das gesamte geschlossene Volumen bleibt ein Lot. Der Unterschied entsteht aus fünf Mindestgebühren und nicht aus zusätzlich gehandeltem Nominalwert. Eine reale Gebührenliste kann ihr Minimum pro Order, pro Ausführung oder anders definieren. Prüfe deshalb, welche Einheit tatsächlich belastet wird. Den Spread auf das volle Lot für jeden Teilausstieg zu berechnen wäre ebenfalls falsch; jeder Teil hat sein eigenes Volumen.
Welches Modell passt zu deiner Nutzung?
Für kleine Kursziele zählt eine Gebühr relativ stark, aber daraus folgt kein allgemeines „Scalper immer Raw“. Vergleiche dein echtes Zeitfenster mit möglichen Spreadänderungen, Slippage und nicht ausgeführten Anfragen. Der billigere Tarif allein beweist weder gleiche Ausführung noch Profitabilität. Die Kosten beim Scalping lassen sich als Verteilung statt als ein einziger Werbewert untersuchen.
Für längere Haltedauer können Finanzierung und Umrechnung größer als die ursprüngliche Spreaddifferenz werden. Kleine Positionen brauchen genaue Mindestbeträge und Rundungsregeln. Auch eine Mindestzahlung zur Kontoeröffnung ist vom Mindestentgelt einer Order zu trennen. Du kannst nicht aus den Namen Standard und Raw ableiten, dass ein Modell immer weniger Kapital benötigt.
Für Dienstleistungen im einschlägigen MiFID-II-Rahmen prüfe die Kosteninformation und ihren Kunden- und Produktumfang. Frage nach dem aggregierten Kostenbeitrag für deinen Beispielvorgang und bewahre die passende Version auf. Halte das Preismodell getrennt von der Frage nach der vertraglichen Rolle des Brokers. Eine explizite Kommission beweist keinen bestimmten Ausführungsweg.
Auch unterschiedliche Spreads lassen sich als eigenes hypothetisches Szenario rechnen. Bei einem Lot mit 10 USD Pipwert, 0,6 Pip Eingangsspread und 1,4 Pips Ausgangsspread beträgt der Beitrag gegenüber den jeweiligen Mittelkursen (0,6 geteilt durch 2 plus 1,4 geteilt durch 2) mal 10, also 10 USD. Würdest du beide vollen Spreads addieren, erhieltest du fälschlich 20 USD. Das Modell setzt keine zusätzlichen Preisabweichungen voraus und darf nicht auf ein schon aus echten Fills berechnetes Ergebnis aufgeschlagen werden. Es zeigt, weshalb du Preisreferenz und Bewertungsmethode neben der Gebührenwährung festhalten musst.
Was solltest du vor der Kontowahl ausrechnen?
- Beschreibe denselben Vorgang. Notiere Symbol, volle und geteilte Mengen sowie Haltedauer. Verwende diese identischen Eingaben für beide Tarife, statt nur einen durchschnittlichen Monatsumsatz ohne tatsächliche Gebührenregeln zu vergleichen. Bewahre die zugrunde gelegte Tarifversion auf.
- Berechne beide vollständigen Preise. Ergänze Spread, Kommission pro Seite, Mindestbeträge und Rundung. Führe zuerst Werte in derselben Währung zusammen und dokumentiere die EUR-Umrechnung mit ihrer Richtung und einer ausdrücklich benannten Rate.
- Prüfe die enthaltenen Bestandteile. Markiere im Bericht, ob der Spread bereits in tatsächlichen Fills und ob Kommission oder Finanzierung bereits im Nettoergebnis enthalten sind. Ziehe denselben Kostenbeitrag nicht noch einmal ab.
- Sichere den richtigen Tarif. Speichere Gesellschaft, Konto, Produkt und Version zusammen. Vergleiche daneben Ausführung und sonstige Vertragsbedingungen; ein günstiger Einzelvorgang entscheidet allein weder über einen Brokerwechsel noch über deine Strategie.
Prüfe dein Verständnis
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Die proportionale Gebühr je Ausführung ist 0,20 mal 3 gleich 0,60 USD. Das liegt unter dem Minimum von 1 USD. Fünf Mindestgebühren ergeben 5 USD.
Weitere Fragen
Ist ein Konto ohne Kommission kostenlos?
Nein. Der Bid-Ask-Spread ist weiterhin im Preis enthalten, und weitere Kosten können nach Produkt und Vertrag dazukommen. Dass keine separate Kommissionszeile erscheint, beweist auch nicht, dass du genau so viel wie bei einem anderen Modell zahlst. Vergleiche denselben Vorgang einschließlich Finanzierung, Umrechnung und Ausführung. Wenn der Gewinn bereits aus echten Fills berechnet wurde, ziehe den enthaltenen Spread nicht nochmals ab. Die tatsächliche Rechnung zählt stärker als der Kontoname.
Ab welcher Kommission wird das Raw-Mikrolot teurer?
Im hypothetischen Beispiel kostet Standard bei 0,01 Lot 0,12 USD, während der Raw-Spread 0,01 USD kostet. Die gesamte Kommission für Öffnen und Schließen darf daher 0,11 USD betragen, damit beide Modelle gleich teuer sind. Erst darüber ist Raw teurer. Eine Kommission über den proportionalen 0,07 USD reicht allein nicht für diesen Schluss. Prüfe Mindestbetrag, Rundung und ob der angegebene Satz pro Seite oder vollständigem Vorgang gilt.
Warum können fünf Teilausstiege mehr kosten?
Ein Mindestbetrag kann mehrfach greifen, obwohl die Gesamtmenge unverändert bleibt. Im Beispiel kostet ein Lot Einstieg 3 USD. Ein kompletter Ausstieg kostet ebenfalls 3 USD, insgesamt also 6 USD. Fünf Ausstiege von je 0,20 Lot erreichen bei einem Minimum von 1 USD je Ausführung dagegen 5 USD; zusammen sind es 8 USD. Das gilt nur unter der genannten hypothetischen Mindestregel. Die echte Gebührenliste kann eine andere Bezugsgröße festlegen.
Ändert mehr Handelsaktivität, welcher Tarif günstiger ist?
Bei konstanten proportionalen Kosten ohne Mindestbetrag ändert sie die Gesamtsumme, aber nicht die Reihenfolge. Wenn ein identischer Vorgang 12 statt 8 USD kostet, vervielfacht zusätzliche Aktivität die 4-USD-Differenz. Sie verwandelt den teureren Vorgang nicht in den billigeren. Volumenstaffeln, andere Größen, Mindestgebühren oder Ausführungsbedingungen können jedoch die Voraussetzungen ändern. Rechne deshalb die tatsächlichen Vorgänge und Tarife neu, statt aus einer pauschalen Aktivitätszahl eine allgemeine Kontoregel abzuleiten.
Quellen und Nachvollziehbarkeit
- Meta Quotes: Grundprinzipien des Handels
Kontogrößen, Order/Deal/Position und unterschiedliche Kontenmodelle; keine Garantie einer Brokerleistung.
- Meta Quotes: Trades ausführen
Symbolabhängige Ausführungsmodi, Requotes und Handelsberichte; Softwaremodus garantiert weder Annahme noch einen bestimmten Preis.
- ESMA Single Rulebook: MiFIR Artikel 39a
PFOF-Verbot im definierten Retail-/opt-in-professionellen Umfang, Ende der befristeten nationalen Ausnahme am 30.06.2026 und eng abgegrenzte kundenzugute kommende Handelsplatzrabatte.
- MiFID II: Richtlinie 2014/65/EU
Artikel 34/35 für grenzüberschreitende Dienste und Zweigniederlassungen, Anhang I für die getrennten Wertpapierdienstleistungen.
Rechenfälle sind ausdrücklich angenommene Beispiele. Sie ersetzen weder aktuelle Marktdaten noch die Spezifikation deines Anbieters.
