Spread vs. Provision — wie du die wahren Brokerkosten berechnest

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Risikohinweis · YMYL Dieser Artikel dient ausschließlich zu Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel am Forex-Markt birgt ein hohes Risiko des Kapitalverlusts — die ESMA berichtet, dass zwischen 74 % und 89 % der Privatanlegerkonten Verluste erleiden.

Die Werbung schreit „null Kommission" und du liest das als „kostenlos". Das ist der erste Fehler eines Anfängers. Ein Broker, der keine Provision berechnet, muss trotzdem an dir verdienen — er tut es über einen breiteren Spread, der in den Kurs eingebaut ist. Das Geld verlässt dein Konto so oder so; du siehst nur keine eigene Zeile dafür in der Abrechnung. Der gesamte Sinn dieses Artikels lässt sich auf eine Frage reduzieren: Was kostet dich ein einzelner Trade tatsächlich — egal wie der Broker sein Preismodell nennt?

Die zwei Wege, auf denen ein Broker an deiner Order verdient

Ein Retail-Forex-Broker hat zwei grundlegende Einnahmequellen beim Privatkunden. Die erste ist der Spread — die Differenz zwischen dem Kaufkurs (Ask) und dem Verkaufskurs (Bid). Es gibt auch ein drittes, weniger bekanntes Modell: Ein Broker kann Aufträge gegen Vergütung an bestimmte Liquiditätsgeber routen — ein Mechanismus, der als PFOF (Payment for Order Flow) bekannt ist und in der EU verboten ist, aber anderswo vorkommt. Du kaufst zum höheren Kurs, verkaufst zum niedrigeren, und der Broker behält die Differenz. Den Spread zahlst du in dem Moment, in dem du eine Position eröffnest, weil du auf der Ask-Seite einsteigst, während der Markt dich sofort zum Bid bewertet. Der Spread steckt im Kurs und erscheint nie als separate Gebühr — genau deshalb ist er so leicht zu übersehen.

Die zweite Einnahmequelle ist die Kommission (Provision) — eine explizite, feste Gebühr, die auf Basis der Positionsgröße berechnet wird, üblicherweise pro Lot angegeben. Am häufigsten begegnest du dem „per side"-Modell, das separat beim Öffnen und beim Schließen abgerechnet wird — die Zahl in der Preistabelle muss also verdoppelt werden, um die Gesamtkosten eines vollständigen Round-Turn-Trades zu ermitteln. Die Provision erscheint in der Handelsplattform als eigene Zeile, was sie psychologisch schmerzhafter wirken lässt — auch wenn sie keineswegs zwingend höhere Gesamtkosten bedeutet.

In der Praxis verfolgen Broker zwei Hauptansätze. Ein Standard-Konto hat in der Regel keine Provision, dafür aber einen breiteren Spread — der gesamte Kostenbeitrag sitzt im Kurs. Ein Raw- oder ECN-Konto reduziert den Spread nahezu auf null, berechnet dafür aber eine Provision pro Lot. Das sind keine zwei Ehrlichkeitsstufen, sondern zwei Arten, dieselbe Gebühr zu verpacken. Der Schlüssel liegt darin, sie in einer gemeinsamen Einheit zu vergleichen: den Gesamtkosten des Trades. Mehr über die Grundstruktur des Forex-Markts und seiner Teilnehmer findest du im Bereich Grundlagen des Marktes.

Wie du die wahren Kosten eines Trades berechnest

Die Formel ist einfach und funktioniert für jedes Preismodell:

Gesamtkosten = (Spread in Pips × Pip-Wert) + Round-Turn-Provision

Für EUR/USD bei einem Standard-Lot (100.000 Einheiten) beträgt ein Pip ungefähr 10 Dollar. Bei 0,1 Lot sind das etwa 1 Dollar, bei 0,01 Lot rund 10 Cent. Mit dieser Zahl reduzierst du Spread und Provision auf dieselbe Einheit — und erst dann siehst du, welches Modell für dich günstiger ist. Ohne sie vergleichst du Pips mit Dollar, und das Ergebnis ergibt keinen Sinn. Wie der Pip-Wert und andere technische Konzepte im Detail funktionieren, ist im entsprechenden Bereich ausführlich erklärt.

Ein konkretes Beispiel: Standard-Konto gegen Raw-Konto

Ich verwende einen hypothetischen, aber realistischen Vergleich (die Zahlen sind illustrativ und dienen dazu, den Mechanismus zu zeigen — eigene Konditionen bitte immer beim Broker prüfen). Angenommen, zwei Konten auf demselben EUR/USD-Paar mit je einem Lot.

Kosten eines EUR/USD-Trades, 1 Lot (hypothetisches Beispiel)
Standard-KontoSpread 1,2 Pips × 10 USD = 12 USD, Provision 0 USD → 12 USD
Raw/ECN-KontoSpread 0,1 Pips × 10 USD = 1 USD, Provision 7 USD → 8 USD
Differenz4 USD zugunsten des Raw-Kontos

Bei einem einzigen Trade wirkt die Differenz bescheiden. Doch Trading ist eine Frage des Volumens. Hundert Trades im Monat mit je einem Lot kosten beim Standard-Konto 1.200 Dollar, beim Raw-Konto 800 Dollar. Vier Dollar pro Trade werden zu vierhundert Dollar im Monat — fast fünftausend Dollar im Jahr, die auf deinem Konto bleiben statt beim Broker. Genau deshalb beobachten aktive Trader das Preismodell so aufmerksam.

Wo der Gleichgewichtspunkt zwischen den Modellen liegt

Da das Raw-Konto beim aktiven Trading meist gewinnt, lautet die naheliegende Frage: Wann hört es auf zu gewinnen? Die Antwort steckt in der Provision, denn sie ist der feste, „harte" Kostenfaktor, der nicht davon abhängt, wie eng der Spread ist. Bei sehr kleinen Positionen kann eine Mindestprovision unverhältnismäßig hoch ausfallen.

Kehren wir zum Beispiel zurück, schrumpfen aber die Position auf 0,01 Lot. Beim Standard-Konto kostet der 1,2-Pip-Spread dann etwa 12 Cent — und das war es. Beim Raw-Konto ist der Spread minimal, aber die Round-Turn-Provision pro Lot schrumpft ebenfalls — und hier liegt der Haken: Viele ECN-Broker wenden eine Mindestprovision pro Order an. Liegt diese Mindestprovision höher als die proportional berechneten 7 Cent, ist die Mikroposition auf dem Raw-Konto nicht mehr günstiger. Wer in Hundertsteln eines Lots handelt, fährt mit einem schlichten Spread oft einfach besser und bequemer.

Der zweite Faktor ist die Häufigkeit. Je mehr Trades du platzierst, desto mehr zählt jeder gesparte Pip, weil du die Ersparnis mit dem Volumen multiplizierst. Bei wenigen Trades pro Woche ist der Unterschied zwischen den Modellen über ein Jahr gesehen symbolisch und rechtfertigt keinen Brokerwechsel. Bei Dutzenden Trades täglich entscheidet dieselbe Differenz, ob deine Strategie nach Kosten überhaupt einen positiven Erwartungswert hat.

„Analysen der nationalen zuständigen Behörden zeigen, dass 74–89 % der Privatkundenkonten typischerweise Geld verlieren, mit durchschnittlichen Verlusten pro Kunde zwischen 1.600 und 29.000 Euro." — European Securities and Markets Authority (ESMA), Pressemitteilung zur Produktintervention, 2018

Scalper oder Gelegenheitsanleger — wem nützt welches Modell

Aus dem Gesagten ergibt sich eine recht klare Aufteilung. Ein Scalper und aktiver Day-Trader, der täglich Dutzende Positionen eröffnet und sie oft nach wenigen Pips schließt, ist fast immer mit einem Raw- oder ECN-Konto besser bedient. Bei seinem Volumen würde der breite Spread eines Standard-Kontos den Großteil des Vorteils aufzehren, während ein enger Spread plus eine explizite Provision die niedrigsten realen Stückkosten liefert. Auch die Ausführungsqualität spielt eine Rolle, denn ein Pip Unterschied beim Einstieg macht sein Ergebnis.

Der Gelegenheitsanleger, der einige Male pro Woche auf den Markt schaut und Positionen länger hält, hat die entgegengesetzte Rechnung. Sein Gesamtvolumen ist gering, sodass ein paar Dollar pro Trade sich nicht zu einem nennenswerten Betrag summieren — und ein einfacher Spread ohne separate Provision ist schlicht bequemer zu verfolgen. Standard-Konten akzeptieren zudem meist eine kleinere Einlage und skalieren besser bei Mikropositionen, was für einen Anfänger mit wenig Kapital wichtig ist.

Unabhängig vom Profil sind Spread und Provision nicht die einzigen Kosten. Die reale Rechnung umfasst auch Swap-Punkte für das Halten einer Position über Nacht, Währungsumrechnungsgebühren bei Ein- und Auszahlungen sowie mögliche Inaktivitätsgebühren. Ein vollständigeres Bild liefert das gesonderte Kapitel über alle realen Handelskosten, und die Logik des Spread-Provision-Vergleichs vertiefe ich im Abschnitt zu Risikomanagement — denn Transaktionskosten sind ein zentraler Baustein jeder nachhaltigen Handelsstrategie.

Was jetzt zu tun ist

  1. Schätze dein monatliches Volumen in Lots. Multipliziere deine durchschnittliche Anzahl an Trades mit deiner typischen Positionsgröße. Diese eine Zahl entscheidet, ob sich ein Provisions-Konto für dich überhaupt lohnt — ohne sie wählst du blind und riskierst unnötig hohe Transaktionskosten.
  2. Berechne die Kosten beider Modelle mit der Formel. Setze für dein Hauptwährungspaar Spread und Provision in die Formel aus diesem Artikel ein und vergleiche die gesamten Round-Turn-Kosten. Prüfe dabei auch die Mindestprovision pro Order, denn sie ist genau das, was die Rechnung bei Mikropositionen durcheinanderbringt.
  3. Lies das „Kosten und Gebühren"-Dokument des Brokers. Jeder EU-regulierte Broker ist zur vollständigen Offenlegung der Kosten verpflichtet — BaFin-beaufsichtigte Institute in Deutschland folgen denselben ESMA/MiFID-II-Regeln. Prüfe aktuelle Spread- und Provisionssätze direkt beim Anbieter; Angaben aus Werbeanzeigen und Vergleichsportalen sind häufig veraltet.
  4. Passe das Modell an deinen Stil an, nicht an einen Werbespruch. Aktives Trading und Scalping sprechen für ein Raw/ECN-Konto; gelegentliches Trading mit kleinem Kapital spricht für einen einfachen Spread. Falls du noch zwischen den Preisarchitekturen abwägst, starte mit dem Unterschied zwischen ECN- und Market-Maker-Broker, und zum Spread selbst bietet das ForexMechanics-Glossar eine kompakte Erklärung.
  5. Teste beide Modelle auf einem Demokonto. Öffne dasselbe Setup — gleiches Paar, gleiche Positionsgröße, gleiche Anzahl an Trades — auf einem Standard- und einem Raw-Demokonto und protokolliere die tatsächlich anfallenden Kosten über zwei bis drei Wochen. Erst mit echten Zahlen aus deiner eigenen Trading-Routine siehst du, welches Modell wirklich zu dir passt.
Jarosław Wasiński
Über den Autor

Jarosław Wasiński

Chefredakteur bei MyBank.pl · Finanz- und Marktanalyst

Unabhängiger Analyst und Praktiker mit über 20 Jahren Erfahrung im Finanzsektor. Gründer und Chefredakteur des Portals MyBank.pl, aktiv seit 2004. Fundamentalanalyse der Devisen- und Makromärkte seit 2007. Schreibt aus europäischer Marktperspektive im regulatorischen Rahmen von ESMA und BaFin.

Quellen und Literatur

  1. European Securities and Markets Authority (ESMA) ESMA agrees to prohibit binary options and restrict CFDs to protect retail investors · Komunikat o interwencji produktowej z 2018 r.: 74–89% rachunków detalicznych traci pieniądze oraz obowiązek pełnego ujawnienia kosztów (spread i prowizja) klientom CFD. www.esma.europa.eu ↗
  2. IC Markets Raw Spread Trading Account · Przykład modelu ECN: prowizja 3,50 USD od lota za stronę (7 USD round turn) przy spreadzie EUR/USD od 0,0 pipsa, średnio około 0,1 pipsa. www.icmarkets.com ↗
  3. XTB Fees and commissions at XTB · Przykład modelu Standard: brak prowizji na FX, koszt wbudowany w spread; osobno opłata za przewalutowanie 0,5%. www.xtb.com ↗

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Spread und Provision beim Broker?

Der Spread ist die Differenz zwischen dem Kaufkurs (Ask) und dem Verkaufskurs (Bid) und ist in den Instrumentenpreis eingebaut — du zahlst ihn beim Öffnen einer Position und siehst ihn nie als separate Gebühr. Die Provision ist ein expliziter, fester Betrag, der auf Basis der Positionsgröße berechnet wird, üblicherweise pro Lot angegeben und häufig separat beim Öffnen und Schließen abgerechnet — du musst ihn also verdoppeln, um die vollständigen Round-Turn-Kosten zu erhalten. Der Kern: Beides ist schlicht eine Handelsgebühr, nur anders verpackt. Ein Null-Kommissions-Konto hat in der Regel einen breiteren Spread, während ein Konto mit geringer Provision einen Spread nahe null hat. Um die Modelle zu vergleichen, reduziere beide Kosten auf dieselbe Einheit — die vollen Kosten eines Trades ausgedrückt in Geld.

Ist ein „Null-Kommission"-Konto wirklich kostenlos?

Nein. Ein Broker, der keine Provision berechnet, muss trotzdem an dir verdienen — er verlagert seinen Ertrag in den Spread, die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Du zahlst genauso viel, aber der Kostenbeitrag steckt im Kurs und erscheint nie als eigene Zeile in deiner Abrechnung, was ihn leicht übersehen lässt. Das macht ein Null-Kommissions-Konto nicht schlecht — bei kleinen Positionen und seltenem Trading kann ein schlichter, leicht breiterer Spread günstiger und bequemer sein als ein Provisions-Konto. Der Punkt ist, Abwesenheit einer separaten Gebühr nicht mit Abwesenheit von Kosten zu verwechseln. Berechne immer die Gesamtkosten: den Spread umgerechnet in Geld plus allfällige Round-Turn-Provision, dazu Swap-Punkte und Währungsumrechnungsgebühren.

Wie berechne ich die Gesamtkosten eines einzelnen Trades?

Verwende eine Formel, die für jede Preistabelle funktioniert: Gesamtkosten gleich Spread in Pips mal Pip-Wert plus Round-Turn-Provision. Für EUR/USD bei einem Standard-Lot ist ein Pip ungefähr 10 Dollar wert, bei 0,1 Lot etwa 1 Dollar und bei 0,01 Lot rund 10 Cent. Ein hypothetisches Beispiel: Ein Standard-Konto mit 1,2-Pip-Spread und keiner Provision kostet etwa 12 Dollar; ein Raw-Konto mit 0,1-Pip-Spread und einer Round-Turn-Provision von 7 Dollar kostet etwa 8 Dollar. Das Raw-Konto ist 4 Dollar günstiger pro Trade — aber erst nach der Multiplikation mit deinem Volumen siehst du, ob dieser Unterschied relevant ist. Die Zahlen sind illustrativ — eigene Konditionen bitte beim Broker prüfen.

Wann ist ein Standard-Konto mit Spread besser als ein Raw-Konto?

In zwei Situationen. Erstens bei sehr kleinen Positionen: Beim Raw-Konto ist der Spread minimal, aber viele ECN-Broker wenden eine Mindestprovision pro Order an, die bei einer 0,01-Lot-Position höher sein kann als die proportionale Provision — dann ist ein schlichter Spread auf dem Standard-Konto günstiger. Zweitens bei seltenem Trading: Wer nur wenige Trades pro Woche platziert, hat ein geringes Gesamtvolumen, und ein paar Dollar pro Trade summieren sich übers Jahr zu keiner nennenswerten Summe — die Abwesenheit einer separaten Provision ist schlicht bequemer. Standard-Konten akzeptieren zudem meist eine kleinere Einlage und skalieren besser bei Mikropositionen. Aktives Day-Trading und Scalping hingegen sprechen für ein Raw- oder ECN-Konto, weil bei hohem Volumen jeder gesparte Pip zählt.

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