„Raw Spread“ klingt nach einem direkten Zugang ohne Gegenparteiinteresse. Der Name belegt aber zunächst ein Preismodell. Für dein CFD-Konto brauchst du drei getrennte Antworten: Wer ist Vertragspartner, was geschieht mit dessen Marktrisiko und wie wird deine Leistung bezahlt? Die folgenden Rechenmodelle helfen, diese Fragen ohne pauschale Ehrlichkeits- oder Betrugsurteile zu untersuchen.

Was macht ein Market Maker mit deinem Auftrag?

Ein Market Maker stellt Kauf- und Verkaufspreise und bietet Handel unter bestimmten Bedingungen an. Das kann vollständig automatisch erfolgen; ein manueller Dealing Desk ist keine Voraussetzung. In einem CFD-Vertrag auf eigene Rechnung nimmt die Firma die Gegenseite ein. Dein hypothetischer Long-Kontrakt über 100 000 EUR lässt sie vor weiteren Geschäften mit entsprechend entgegengesetzter Exposition zurück.

Die Firma kann diese Exposition behalten, mit anderen Kundenströmen verrechnen oder extern absichern. Bei interner Verrechnung passen gegenläufige Positionen beziehungsweise Ströme innerhalb ihres Buchs zusammen. Die BIS beschreibt dieses Prinzip der Internalisierung. Historische Marktdaten dazu beweisen weder eine bestimmte aktuelle Hedgequote eines Retail-Brokers noch die Behandlung deiner einzelnen Order.

Ohne Hedge ist ein Kundengewinn eine Verbindlichkeit aus diesem Vertrag; ein Kundenverlust kann dessen Ergebnis zugunsten der Firma ändern. Das gesamte Unternehmensergebnis hängt aber zusätzlich von anderen Kunden, Absicherungen, Preisen und Kosten ab. Eine veröffentlichte Quote verlierender CFD-Konten verrät deshalb nicht das aktuelle Hedgebuch und beweist keine bestimmte Brokerprofitabilität.

Was erklären ECN und STP wirklich?

ECN steht für ein elektronisches Matchingnetzwerk. STP beschreibt automatisierte Verarbeitung beziehungsweise Weiterleitung. Die Namen etablieren allein weder einen Vertrag im Agentenmodell noch unveränderte Preisweitergabe oder einen bestimmten Kommissionstarif. Prüfe den konkreten Produktvertrag: Handelt die Firma als Agent, auf eigene Rechnung oder in verschiedenen Rollen für unterschiedliche Produkte?

Dukascopy beschreibt etwa eine ECN-Technik und zugleich die eigene Schweizer Bank als Gegenpartei der SWFX-Kundentrades. IC Markets EU trennt in seiner Interessenkonfliktpolitik OTC-CFD-Geschäft von Agentenleistungen bei Cash-Aktien. Diese Beispiele widerlegen die pauschale Gleichung „ECN bedeutet nie Gegenpartei“, ohne daraus identische Verträge beider Firmen abzuleiten.

Eine Agentengebühr kann vom Richtungsgewinn des Kunden unabhängig sein. Ein ECN-Label beweist diesen konkreten Erlösfluss jedoch nicht und entfernt keine möglichen Mengen-, Weiterleitungs- oder Vergütungsanreize. Externe Verarbeitung kann ebenfalls Teilfills, Ablehnungen und Slippage aufweisen. Sie ist keine Ausführungsgarantie.

Warum reicht ein Hedge gleicher Größe nicht für Ergebnisneutralität?

Unser isoliertes hypothetisches Modell hat einen Kundenkauf von 100 000 EUR bei EUR/USD 1,1000. Der Broker sichert seine entgegengesetzte Kundenexposition durch einen separaten externen Kauf von ebenfalls 100 000 EUR ab, aber erst zu 1,1002. Beide Modellverträge schließen zu 1,1010. Mengenänderungen, Finanzierung und Kommissionen sind ausgeschlossen.

Gleiche Hedgegröße, verschiedene EinstiegspreiseHypothetisch je 100 000 EUR; Kunde kauft 1,1000, externer Brokerhedge 1,1002, beide schließen 1,1010; keine weiteren Kosten.RECHEN- UND LERNBEISPIELKundenkauf+100 USD für KundeExterner Hedge+80 USD für BrokerBroker kombiniert−20 USD
Gleiche Hedgegröße, verschiedene Einstiegspreise. Hypothetisch je 100 000 EUR; Kunde kauft 1,1000, externer Brokerhedge 1,1002, beide schließen 1,1010; keine weiteren Kosten.

−100 USD Kundenvertrag plus 80 USD Hedge ergeben−20 USD.

Kundenkauf
+100 USD für Kunde – −100 USD für Broker aus diesem Vertrag
Externer Hedge
+80 USD für Broker – Separate Position, späterer Preis
Broker kombiniert
−20 USD – Gleiche Menge beseitigt nicht Preisunterschied

Der Kunde gewinnt 100 000 mal 0,0010 gleich 100 USD. Für den Broker ist das Kundenvertragergebnis minus 100 USD. Sein externer Kauf gewinnt 100 000 mal 0,0008 gleich 80 USD. Zusammen verbleiben minus 20 USD vor weiteren Kosten. Gleiche Hedgegröße hebt hier die weitere gleichartige Kursbewegung auf, nicht den Unterschied der Einstiegspreise.

Mit hypothetisch 1,10 USD je EUR wären diese minus 20 USD rund minus 18,18 EUR. Die angenommene Umrechnung ist keine beobachtete Brokerbuchung. Der Vorgang beschreibt auch keine tatsächlichen Unternehmensergebnisse. Er zeigt, weshalb Timing und Fills zusätzlich zur Menge zählen und eine externe Absicherung nicht automatisch „nur sicherer Spreadgewinn“ bedeutet.

Achte außerdem auf die Perspektive: Ein externer Kauf sichert hier die Short-Exposition des Brokers aus dem Long-Kundenvertrag ab. Er ist nicht derselbe Kundenvertrag und überträgt dessen Forderung nicht automatisch auf die externe Bank. Rechtlicher Schuldner und ökonomische Richtungsabsicherung bleiben getrennte Angaben.

Wo liegen mögliche Interessenkonflikte?

Behaltenes Marktrisiko, handelsmengenabhängige Vergütung und Weiterleitungsanreize können unterschiedliche Konflikte erzeugen. Aufsicht und interne Kontrollen sind relevante Vorkehrungen, aber kein Beweis, dass Fehlverhalten wirtschaftlich unmöglich wäre. Auch eine ausführliche Offenlegung ersetzt nicht die angemessene Behandlung des tatsächlich bestehenden Konflikts.

Für einschlägige EU-Dienstleistungen beschreibt MiFID II Pflichten zur besten Ausführung und zu Informationen über die Ausführungsrichtlinie. Für deutsche Retail-CFD-Angebote kommen die nationalen Produktbedingungen hinzu. Das Bestehen dieser Pflichten beweist nicht, dass eine konkrete Order korrekt behandelt wurde. Eine solche Frage verlangt Belege, nicht allein einen Lizenznamen.

Devisenhandel findet zu erheblichen Teilen OTC statt. Es gibt keinen einzigen zentralen Preis, den jeder Retail-CFD-Anbieter zu jeder Zeit zwingend anzeigen müsste. Unterschiede zweier Charts können Produkt, Kursseite, Datenquelle und Zeit betreffen. Für eine Manipulationsbehauptung musst du zuerst diese Größen vergleichbar machen; eine abweichende Kerze allein genügt nicht.

Welcher Tarif kostet unter gleichen Annahmen weniger?

Das fiktive Ein-Lot-EUR/USD-Modell hat 100 000 EUR Basiswährungsmenge, Pipgröße 0,0001 und damit 10 USD je Pip. Konto A verlangt 1,2 Pips Spread ohne separate Kommission. Konto B verlangt 0,2 Pip und 7 USD vollständige Kommission. Ohne Mittelkursbewegung, Slippage oder Finanzierung und bei unveränderten Spreads kosten beide vollständigen Vorgänge 12 beziehungsweise 9 USD.

Die Gleichheitsschwelle für den gesamten A-Spread liegt bei 0,2 plus 7 geteilt durch 10 gleich 0,9 Pip. Das ist nicht eine zusätzliche Spanne von 0,9 Pip gegenüber B; der notwendige Unterschied beträgt hier 0,7 Pip. Diese Nenner- und Ausgangswerttrennung verhindert die häufige falsche Break-even-Aussage.

Hundert identische Vorgänge ergeben 300 USD Kostendifferenz, unter fest angenommener 1,10-USD/EUR-Umrechnung rund 272,73 EUR. Weniger Vorgänge verkleinern den Betrag, machen aber den pro Vorgang teureren Tarif nicht günstiger. Erst andere Spreads, Mindestkommissionen, Größen, Finanzierung oder tatsächliche Ausführungen verändern die Voraussetzungen.

Sind Gewinn und Verlust bereits aus tatsächlichen Fillpreisen berechnet, ist deren Preisabstand enthalten. Ziehe dann nicht nochmals die modellierten Spreadkosten ab. Diese Kostenszenarien sind Vergleiche gegenüber einer definierten Referenz und kein zusätzlicher Gebührenabzug von einem fertigen Nettobericht. Tarife sagen außerdem noch nichts über die jeweilige rechtliche Brokerrolle.

Ein weiterer Prüfpunkt ist die Menge, die deine Order tatsächlich erreicht. Werden im hypothetischen Beispiel 100 000 EUR angefragt, aber zunächst nur 60 000 EUR ausgeführt, entsteht nicht ohne weitere Ausführung die volle Modellposition. Für Kosten und Geldrisiko zählen die ausgeführten Teilmengen samt ihren Preisen. Eine spätere Restmenge kann einen anderen Fill erhalten oder offen bleiben. Dokumentiere deshalb Anfrage, Ausführung und verbleibende Order getrennt. Die technische Weiterleitung einer Anfrage bestätigt noch keinen vollständigen Abschluss; dieselbe Trennung gilt unabhängig davon, ob ein Konto Raw, Standard oder ECN heißt.

Was solltest du vor der Kontowahl dokumentieren?

  1. Lies die produktbezogene Rolle. Notiere Vertragsgesellschaft, Instrument und Aussage zu Agent oder eigener Rechnung. Prüfe Ausführungs- und Interessenkonfliktdokumente zusammen und trenne die Kundenbeziehung von einer dort beschriebenen möglichen externen Absicherung.
  2. Vergleiche identische vollständige Vorgänge. Berechne Spread, beide Kommissionsseiten, Mindestbeträge und Finanzierung bei gleicher Größe und Haltedauer. Führe Fremdwährungsbeträge mit klarer Umrechnung zusammen und markiere schon enthaltene Preisbestandteile, bevor du Häufigkeit hochrechnest.
  3. Prüfe Erlaubnis und Kontrollen. Gleiche den tatsächlichen Dienst mit dem offiziellen Register ab und lies die konkret beschriebenen Beschwerde- und Überwachungswege. Eine veröffentlichte Policy beweist nicht das genaue aktuelle Hedgebuch oder die Erfüllung jeder einzelnen Pflicht.
  4. Untersuche vergleichbare Belege. Sichere vorhandene Orderkennungen, Kursreferenzen, Zeiten, Mengen und alle Fills beziehungsweise Ablehnungen. Formuliere eine konkrete Frage zur Abweichung; wenige Trades rund um Nachrichten zertifizieren weder Ehrlichkeit noch einen bestimmten Absicherungsweg.