Ein Kursziel von fünf Pips lässt wenig Spielraum für wiederholte Handelskosten. Schon zwei Pips beanspruchen 40% dieses Ziels. Trotzdem folgt daraus weder, dass jede Scalping-Strategie unprofitabel ist, noch dass ein anderer Stil Kosten ignorieren darf. Beginne mit einem vollständigen Vorgang deiner vorgesehenen Größe und deinem Zeitfenster. Erst dann werden zwei Kontotarife und ihre Ausführung sinnvoll vergleichbar.

Warum zählen kleine Kostenunterschiede?

Zwei Pips Kosten sind 2% eines Ziels von hundert Pips. Ihr Verhältnis zum Fünf-Pip-Ziel ist damit zwanzigmal größer. Diese Rechnung beschreibt Anteile eines Kursziels, keinen Erwartungswert. Verlierende Trades, verpasste Ausführungen und die Verteilung der Ergebnisse fehlen. Ein weiter entferntes Ziel macht eine absolute Gebühr relativ kleiner, lässt sie aber nicht verschwinden.

Die Häufigkeit vervielfacht eine konstante Differenz. Hypothetische fünfzig abgeschlossene Vorgänge pro Tag an zwanzig Tagen ergeben 1 000 Vorgänge. Eine Ersparnis pro gleich großem Vorgang wird entsprechend 1 000-mal wirksam. Das ist keine empfohlene Frequenz und kein Nachweis, dass Gebühren die meisten Verluste eines Scalpers erklären. Mehr handeln schafft zusätzliche Kosten und zusätzliches Marktrisiko.

Wie vergleichst du Standard und Raw in EUR?

Für ein vereinfachtes Modell mit gleichem Spread am Anfang und Ende, ohne Slippage, gilt: Spread in Pips mal Pipwert der Position plus Kommission für beide Seiten. Finanzierung und weitere Gebühren bleiben separat. Wenn du bereits mit den tatsächlich ausgeführten Ask- und Bid-Preisen rechnest, steckt der Spread im Handelsergebnis. Ziehe ihn nicht nochmals als gesonderten Verlust ab.

Ein hypothetischer EUR/USD-Kontrakt umfasst 100 000 EUR je Lot, Pipgröße 0,0001. Ein Lot hat damit 10 USD Pipwert. Das angenommene Standardkonto kostet bei 1,2 Pips Spread und ohne separate Kommission 12 USD. Das angenommene Raw-Konto mit 0,1 Pip Spread und 7 USD Round-Turn-Kommission kostet 8 USD. Bei angenommenem 1,10 USD/EUR sind das 10,91 beziehungsweise 7,27 EUR.

Die Differenz von 4 USD entspricht hier 3,64 EUR je identischem Vorgang. Für 1 000 solcher Vorgänge sind es 4 000 USD oder 3 636,36 EUR. Das ist ein Kostenszenario, keine beobachtete Ersparnis und kein Anbietertarif. Mindestgebühr, Rundung, veränderlicher Spread oder andere Fills können den Vergleich verändern. Spread und Kommission zeigt die genaue Schwelle bei kleinen Größen.

Prüfe die Bedeutung eines Provisionssatzes: pro Seite, vollständiger Vorgang, Order oder einzelne Ausführung. Ein Kontoname Raw oder ECN beantwortet diese Fragen nicht. Notiere die Gebührenwährung und rechne erst nach Zusammenführung der relevanten Komponenten in die Kontowährung um. Unterschiedliche Mindestbeträge können gerade bei Teilabschlüssen eine proportionale Rechnung durchbrechen.

Was zeigen Latenz, Slippage und Requotes?

Für Slippage brauchst du einen benannten Vergleichspreis: bei einem Kauf den relevanten Ask, bei einem Verkauf den Bid, jeweils mit Zeit und Zone. Eine ungünstige Differenz von 0,5 Pip entspricht hypothetisch 10% eines Fünf-Pip-Ziels. Eine günstige Differenz wirkt in die Gegenrichtung. Der letzte Kerzenpreis eines anderen Anbieters beweist nicht, dass dieser Preis für deinen Auftrag verfügbar war.

MetaTrader unterscheidet symbolabhängige Ausführungsmodi. Bei Instant Execution kann ein Requote einen neuen Preis anbieten, wenn der angefragte Preis nicht angenommen wird. Market Execution lässt die Preisbestimmung ohne solche erneute Preisbestätigung zu, garantiert aber weder Annahme noch Null-Slippage. Eine technische Verzögerung und die Qualität des Preises sind unterschiedliche Messgrößen.

IC Markets EU nennt für seine MetaTrader-Raw-Server Equinix NY4 in New York. Das ist eine veröffentlichte Infrastrukturangabe des Anbieters, keine unabhängig gemessene Verbesserung deiner Fills. Vergleiche deshalb Latenz getrennt von akzeptierten Mengen, abgelehnten Anfragen und tatsächlichen Ausführungspreisen. Ein schneller Rückweg zum Server allein beweist kein günstigeres Ergebnis.

Welche Kontoregeln passen zur Methode?

Lies den Vertrag für automatisierten Handel, Mindestabstände, Haltezeit, Nachrichtenereignisse und Definitionen verbotener Praktiken. Gewöhnliches kurzfristiges Handeln ist nicht automatisch die Ausnutzung falscher oder verzögerter Kurse. Frage nach der konkret einschlägigen Klausel. Die Bezeichnung Market Maker, ECN oder Raw sagt nicht allein, welche Methoden erlaubt sind oder wer Vertragsgegenpartei bleibt.

Eine Stornoklausel rechtfertigt nicht automatisch jeden entfernten Gewinn. Sichere bei einem Streit Historie, Logs, Korrespondenz und Vertragsversion. Die Prüfung einer nachträglichen Korrektur trennt arithmetische Abstimmung von vertraglicher Begründung. Ein allgemeiner Verdacht ohne Kursseite, Zeitpunkt und betroffene Kennung lässt sich schwer prüfen.

Warum reichen Durchschnittskosten nicht?

Nehmen wir fünf fiktive, gleich gewichtete Vorgänge mit gleichem Volumen und Pipwert. Ihre vollständigen Kosten sind 0,2; 0,2; 0,2; 0,2 und 3,2 Pips. Insgesamt sind es 4 Pips, der Mittelwert beträgt 0,8 Pip und der Median 0,2 Pip. Der teuerste Vorgang verursacht 80% der Gesamtkosten.

Eine große Kostenabweichung verändert die SummeFünf fiktive gleich große Vorgänge; alle vollständigen Kosten in Pips.RECHEN- UND LERNBEISPIELVier Vorgängeje 0,2 PipFünfter Vorgang3,2 PipsMittelwert / Median0,8 / 0,2 Pip
Eine große Kostenabweichung verändert die Summe. Fünf fiktive gleich große Vorgänge; alle vollständigen Kosten in Pips.

Der Median 0,2 Pip verdeckt nicht die Gesamtrechnung von 4 Pips.

Vier Vorgänge
je 0,2 Pip – Zusammen 0,8 Pip
Fünfter Vorgang
3,2 Pips – 80% der Gesamtkosten
Mittelwert / Median
0,8 / 0,2 Pip – Verschiedene Aussagen über dieselbe Reihe

Die Daten sind vollständig erfunden, um eine Verteilung zu erklären; sie messen keinen Anbieter. Ein niedriger Median kann neben einer deutlich höheren Gesamtrechnung stehen. Erfasse für einen eigenen Vergleich deshalb nicht nur den angezeigten Spread, sondern vollständige Kosten, größte Abweichungen und die Bedingungen. Eine kleine Stichprobe beweist keine dauerhafte Konsistenz.

Ergänze Finanzierung nach dem produktspezifischen Rollover-Zeitpunkt. Öffnen und Schließen am selben Kalenderdatum garantiert nicht automatisch null Finanzierung. Umrechnung, Zahlungs- und Inaktivitätsgebühren gehören ebenfalls in die passende Rechnung. Der beworbene Mindestspread ist kein Preisversprechen für dein gesamtes Handelszeitfenster.

Vergleiche außerdem die gleiche Orderfunktion und Marktphase: Eine kleine sofortige Ausführung und eine während einer Nachricht angefragte größere Menge sind keine kontrollierte Prüfung allein des Kommissionstarifs.

Ein zusätzlicher hypothetischer Mikrolot-Vergleich zeigt, warum die Mindestregel wichtiger als die Häufigkeit sein kann. Bei 0,01 Lot kosten 1,2 Pips Spread auf EUR/USD 0,12 USD. Ein Raw-Spread von 0,1 Pip kostet 0,01 USD. Kommen mindestens 0,10 USD Kommission je Seite hinzu, werden daraus 0,21 USD für den ganzen Vorgang. Raw ist unter genau diesen Annahmen 0,09 USD teurer, selbst wenn du viele identische Vorgänge wiederholst. Der Größenvergleich muss darum vor dem Hochrechnen auf Tage oder Monate stehen. Das Modell ist kein beobachteter Tarif. Für eine Ausführungsdiagnose brauchst du daneben konsistente Uhren: notiere Anfragezeit, Empfangs- beziehungsweise Antwortzeit und Ausführungszeit mit ihrer jeweiligen Herkunft. Ein lokaler Zeitstempel und ein Serverzeitstempel dürfen nicht ohne Abgleich als eine einzige Laufzeit subtrahiert werden. Zähle unbekannte Zeiten als unbekannt und erfasse auch fehlgeschlagene Anfragen. Eine Reihe ausschließlich erfolgreicher Fills kann eine andere Frage beantworten als die Gesamtheit aller von der Strategie abgegebenen Orders.

Was solltest du vor der Kontowahl erledigen?

  1. Rechne einen ganzen Vorgang. Verwende dasselbe Symbol und deine geplante Größe. Notiere Spread, Kommission einschließlich Mindestbetrag und Währung; ergänze mögliche Finanzierung und kennzeichne hypothetische Eingaben gegenüber tatsächlich dokumentierten Tarifen. Vergleiche außerdem dieselbe betrachtete Haltedauer.
  2. Trenne Bedienung und Ausführung. Teste Orders und Automatisierung auf Demo und lies, was dort simuliert wird. Die deutsche IG-Demoseite nennt fehlende Live-Effekte wie Slippage; ein erfolgreicher Versuch ist deshalb kein gleichwertiger Live-Nachweis.
  3. Prüfe die konkreten Regeln. Suche nach Klauseln zu Nachrichtenhandel, Haltezeit und Expert Advisors. Ordne sie deiner tatsächlichen Methode zu und sichere die gültige Fassung, damit spätere Ausführungsfragen eine nachvollziehbare Vertragsbasis haben.
  4. Identifiziere Gesellschaft und Schutz. Prüfe den für Deutschland relevanten Retail-CFD-Rahmen und die Kontoeinstufung. Halte Negativsaldo-Begrenzung getrennt von einem Stoppreis und von Schutz vor Verlust der im CFD-Konto eingesetzten Mittel. Beschrifte den tatsächlichen Konto- und Produktumfang.