Butterfly-Muster — harmonisches X-A-B-C-D-Umkehrmuster mit Punkt D jenseits von X

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Risikohinweis · YMYL Dieser Artikel dient ausschließlich zu Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel am Forex-Markt birgt ein hohes Risiko des Kapitalverlusts — die ESMA berichtet, dass zwischen 74 % und 89 % der Privatanlegerkonten Verluste erleiden.

Das Butterfly ist eine harmonische Umkehrformation, deren Name und Grundform vom australischen Analysten Bryce Gilmore geprägt wurde — die exakten Fibonacci-Verhältnisse hat Scott Carney in seiner Familie harmonischer Muster festgelegt. Das Markenzeichen des Butterfly ist ein Punkt D, der jenseits von Punkt X liegt: genau dort, wo der Markt seine ursprüngliche Bewegung überschießt und erschöpft. Das ist der entscheidende Unterschied zum ruhigeren Gartley. Im Folgenden erkläre ich, wie du die Formation erkennst und damit handelst.

Was das Butterfly-Muster ist und woher es kommt

Das Butterfly ist eine fünfpunktige Formation mit den Bezeichnungen X-A-B-C-D. Den Gedanken dazu hatte Bryce Gilmore, der in den 1990er-Jahren geometrische Beziehungen auf Charts untersuchte. Die strenge, moderne Definition mit konkreten Zahlen verdanken wir jedoch Scott Carney und seiner Familie harmonischer Muster. Das Butterfly gilt als Trenderschöpfungsformation: Sie entsteht am Ende einer gestreckten Bewegung, wenn der Markt einen letzten Ausbruch unternimmt und dann dreht.

Am besten versteht man es als Teil einer übergeordneten Logik. Wer neu einsteigt, sollte zunächst die Handelsstrategien mit harmonischen Mustern durcharbeiten — alle basieren auf denselben Beziehungen zwischen den Beinen und unterscheiden sich lediglich in den Retracement- und Extension-Niveaus. Das Butterfly ist eine der zwei Varianten, bei denen der Einstieg jenseits von Punkt X fällt.

Struktur und Fibonacci-Niveaus

„Harmonic patterns identify price relationships using Fibonacci ratio analysis to define precise turning points in the market." — Scott M. Carney, Harmonic Trading, Volume One, Pearson, 2010

Die Formation besteht aus fünf Punkten, die durch vier Wellen verbunden sind: X-A, A-B, B-C und C-D. Die X-A-Welle ist die längste Eröffnungsbewegung, die den gesamten Rahmen des Musters definiert. Die A-B-Welle ist die erste Korrektur — sie endet bei Punkt B genau auf dem 0.786-Retracement der XA-Welle. Das ist das obligatorische, definierende Niveau des Butterfly. Endet Punkt B woanders, handelt es sich meist um eine andere harmonische Formation, nicht um ein Butterfly.

Es folgt die B-C-Welle, die zwischen 0.382 und 0.886 der AB-Welle zurückläuft — ein freier Bereich, der der Formation Flexibilität gibt. Das Herzstück des Butterfly ist das finale Segment, die C-D-Welle. Punkt D sollte auf der Extension zwischen 1.272 und 1.618 der XA-Welle abschließen; die wichtigste Zahl dabei ist 1.272. An derselben Stelle findet sich typischerweise eine Extension zwischen 1.618 und 2.618 der B-C-Welle sowie eine AB=CD-Struktur, also die Gleichheit der Wellenlängen. Dieses Zusammentreffen markiert die potenzielle Umkehrzone. Für die Messung kommen dieselben Fibonacci-Extensions zum Einsatz, die du in der technischen Analyse für Kursziele einsetzt, während Fibonacci-Retracements die Logik der Korrekturen vermitteln.

Hypothetisches Beispiel — bullisches Butterfly auf EUR/USD (illustrative Werte)
Punkt XTief der Eröffnungsbewegung bei 1.1000
Punkt AHoch der X-A-Welle bei 1.1300 (eine Welle von 300 Pips)
Punkt B0.786-Retracement der XA-Welle, nahe 1.1064
Punkt CBounce auf 0.618 der AB-Welle, nahe 1.1210
Punkt D — Einstieg1.272-Extension der XA-Welle unterhalb von X, nahe 1.0918, wo die B-C-Extension abschließt

Die Formation Schritt für Schritt erkennen

Schritt 1 — die Eröffnungswelle X-A finden

Beginne mit einer klaren Impulsbewegung: Punkt X ist ihr Anfang, Punkt A ihr Ende. Je eindeutiger die X-A-Welle, desto zuverlässiger werden alle späteren Messungen — auf einem choppy, seitwärts laufenden Markt bildet sich kein Butterfly, weil keine klare Bewegung vorhanden ist, die überschossen werden könnte.

Schritt 2 — die B-Korrektur auf 0.786 bestätigen

Prüfe, ob die A-B-Welle bei Punkt B exakt auf dem 0.786-Retracement der XA-Welle endet. Dieses Niveau ist obligatorisch — weder 0.5 noch 0.618. Ist die Korrektur flacher, siehst du wahrscheinlich ein Gartley-Muster oder ein Bat-Muster, bei denen Punkt B höher liegt.

Schritt 3 — Punkt D jenseits von Punkt X einzeichnen

Punkt D akzeptierst du nur dann, wenn die Extension 1.272 bis 1.618 der XA-Welle mit der B-C-Extension zusammenfällt und im Idealfall auch mit der AB=CD-Gleichheit übereinstimmt. Beachte: Punkt D liegt jenseits von Punkt X — er ist das Extrem der gesamten Struktur und dein Einstiegspunkt, nicht Punkt C.

Einstieg, Stop und Ziele — ein hypothetisches Beispiel

Nehmen wir das Setup aus der Tabelle oben. Sobald Punkt D nahe 1.0918 abschließt, steigst du nicht blind auf dem Fibonacci-Niveau ein — warte auf eine Bestätigung aus dem Preisverhalten, etwa eine Umkehrkerze in der D-Zone oder eine Divergenz an einem Oszillator, und öffne erst dann die Long-Position. Der Stop Loss kommt knapp hinter Punkt D, dem Extrem der gesamten Formation, mit etwas Puffer für den Docht, der dieses Niveau gerne testet.

Die Ziele setzt du konservativ entlang der C-D-Welle: Der erste Take Profit liegt beim 38.2-Prozent-Retracement dieser Welle, der zweite um das 61.8-Prozent-Niveau. Da das Risiko ab Punkt D oft klein und der Rückprall groß ist, ergibt sich in der Regel ein günstiges Chance-Risiko-Verhältnis (CRV). Die genannten Zahlen sind jedoch ausschließlich illustrativ — sie zeigen die Logik der Formation, keine Kursprognose.

Die häufigsten Fehler beim Butterfly-Trading

  1. Punkt B auf dem 0.618-Retracement statt dem obligatorischen 0.786-Retracement der XA-Welle zu akzeptieren — das ist bereits eine andere Formation, meist ein Gartley.
  2. Butterfly und Crab zu verwechseln und auf Punkt D erst bei der 1.618-Extension der XA-Welle zu warten, obwohl das Butterfly typischerweise bei 1.272 abschließt.
  3. Einzusteigen, bevor Punkt D abgeschlossen ist — also mitten in der C-D-Welle auf bloße Intuition hin zu handeln.
  4. Den Stop Loss zu eng direkt bei Punkt D zu setzen — das Extrem wird häufig von Dochten getestet, also etwas Spielraum lassen.
  5. Direkt auf dem Fibonacci-Niveau einzusteigen, statt auf eine Kerze oder Divergenz zu warten, die eine Preisreaktion bestätigt.

Das Butterfly im Vergleich mit Gartley, Bat und Crab

Die gesamte harmonische Familie basiert auf demselben X-A-B-C-D-Skelett; die Unterschiede lassen sich auf zwei Niveaus reduzieren: die Tiefe der B-Korrektur und die Position des abschließenden Punkts D. Beim Gartley landet Punkt B auf 0.618 und Punkt D auf 0.786 der XA-Welle — noch innerhalb der Eröffnungsbewegung. Beim Bat ist die B-Korrektur flacher (zwischen 0.382 und 0.500), während Punkt D tiefer geht, bis auf 0.886 — überschreitet Punkt X aber immer noch nicht. Das Butterfly ist das erste Muster, das über X hinausgeht: Punkt D auf der 1.272-Extension der XA-Welle. Der Crab geht denselben Weg noch weiter bis zur 1.618-Extension. Je tiefer Punkt D sitzt, desto stärker ist das Überschießen, das die Formation einzufangen versucht, und desto wichtiger wird es, geduldig auf eine Bestätigung zu warten. Eine solide Grundlage im Risikomanagement ist dabei unverzichtbar.

Für wen dieses Muster geeignet ist — und seine Subjektivität

Seien wir ehrlich: Das Butterfly ist keine Anfängerformation und kein objektives Signal. Zwei Trader können die Punkte X-A-B-C an leicht unterschiedlichen Stellen einzeichnen und so zu zwei verschiedenen D-Zonen kommen — weshalb selbst Anhänger des harmonischen Ansatzes Toleranzen von einigen Prozent um die „idealen" Zahlen zulassen. Das ist kein Fehler, den man beseitigen kann, sondern ein Merkmal einer auf Geometrie aufbauenden Methode. Je strenger die Kriterien, die du dir setzt, und je konsequenter du auf eine Preisbestätigung wartest, desto weniger wird dich diese Subjektivität beeinträchtigen. Bevor du das Butterfly auf einem Echtgeldkonto einsetzt, solltest du einfachere Formationen beherrschen und dir das technische Fundament harmonischer Muster gründlich erarbeitet haben. Betrachte es als ergänzendes Werkzeug, nicht als eigenständiges System.

Was jetzt zu tun ist

  1. Öffne TradingView auf EUR/USD im Stundenchart und gehe letzte klare, gestreckte Bewegungen durch, indem du nacheinander die Punkte X-A-B-C einzeichnest — diese Übung schult den Blick für den Kontext der Trenderschöpfung, bevor überhaupt ein handelbarer Punkt D jenseits von X erscheint.
  2. Messe bei jedem Kandidaten mit dem Fibonacci-Werkzeug gleichzeitig zwei Dinge: ob Punkt B exakt auf dem 0.786-Retracement der XA-Welle liegt und ob Punkt D nahe der 1.272-Extension der XA-Welle abschließt — denn erst diese beiden Zahlen zusammen bestätigen ein echtes Butterfly und kein bloßes Abbild davon.
  3. Lege in einer Tabelle ein einfaches Journal mit Spalten für die Proportionen aller Wellen, den Einstieg bei Punkt D, den Stop Loss knapp dahinter und das erzielte Chance-Risiko-Verhältnis an — fülle es nach jedem Demo-Trade aus, um zu sehen, was in der Praxis funktioniert.
  4. Setze einen Kursalert auf dem 1.272-Extension-Niveau der XA-Welle eines beobachteten Paares, statt stundenlang auf den Chart zu starren — sobald der Kurs die D-Zone erreicht, kannst du in Ruhe beurteilen, ob eine Umkehrkerze oder Divergenz den Einstieg bestätigt oder ob du das Setup übergehen solltest.
  5. Absolviere mindestens zwanzig Demo-Trades ausschließlich mit dem Butterfly und dokumentiere jeden davon mit seinem Ergebnis — erst eine wiederholbare Trefferquote bei dieser spezialisierten, subjektiven Formation rechtfertigt den Wechsel auf ein Echtgeldkonto.
Jarosław Wasiński
Über den Autor

Jarosław Wasiński

Chefredakteur bei MyBank.pl · Finanz- und Marktanalyst

Unabhängiger Analyst und Praktiker mit über 20 Jahren Erfahrung im Finanzsektor. Gründer und Chefredakteur des Portals MyBank.pl, aktiv seit 2004. Fundamentalanalyse der Devisen- und Makromärkte seit 2007. Schreibt aus europäischer Marktperspektive im regulatorischen Rahmen von ESMA und BaFin.

Quellen und Literatur

  1. HarmonicTrader.com (Scott Carney) The Butterfly Pattern — official definition · Carney's own definition of the Butterfly: the mandatory 0.786 retracement of the XA leg at point B and the critical 1.27 XA projection at point D, complemented by an extreme 2.00–2.618 BC projection harmonictrader.com ↗
  2. HarmonicTrader.com (Scott Carney) The Gartley Pattern — official definition · Carney's definition of the Gartley, used for contrast: the 0.618 B retracement and the 0.786 XA completion at point D that stays inside the XA leg, unlike the Butterfly harmonictrader.com ↗
  3. HarmonicTrader.com (Scott Carney) Harmonic patterns overview · Index of the full Carney harmonic family (Gartley, Bat, Butterfly, Crab, Deep Crab, Shark, 5-0) giving context for where the Butterfly sits as an extended reversal beyond point X harmonictrader.com ↗

Häufig gestellte Fragen

Wie unterscheidet sich das Butterfly-Muster vom Gartley?
Beide Formationen teilen dieselbe fünfpunktige X-A-B-C-D-Struktur und wurden beide von Scott Carney mit Fibonacci-Verhältnissen kodifiziert — sie unterscheiden sich jedoch darin, wo Punkt D abschließt. Beim Gartley hält Punkt D innerhalb der Eröffnungswelle an, auf dem 0.786-Retracement der XA-Welle, sodass der Kurs den ursprünglichen Punkt X nicht überschreitet — es handelt sich um eine Fortsetzungsformation nach einer Korrektur. Beim Butterfly läuft Punkt D weit über Punkt X hinaus, bis zur Extension 1.272 bis 1.618 der XA-Welle, und erfasst den Moment, in dem der Markt seine Bewegung überschießt und sich erschöpft. Der zweite Unterschied betrifft die B-Korrektur: Beim Butterfly fällt sie auf das tiefere 0.786-Retracement der XA-Welle, während sie beim Gartley auf dem flacheren 0.618 liegt. Der einfachste Test: Wenn der Einstieg innerhalb der XA-Welle liegt, handelt es sich um einen Gartley — liegt er jenseits von Punkt X, ist es ein Butterfly.
Wie unterscheidet sich das Butterfly-Muster vom Crab?
Butterfly und Crab sind enge Verwandte, denn beide Formationen schließen jenseits von Punkt X ab — in beiden überschreitet der Kurs den Beginn der Eröffnungsbewegung. Was sie trennt, ist die Tiefe von Punkt D. Beim Butterfly landet Punkt D auf der Extension 1.272 bis 1.618 der XA-Welle, wobei die wichtigste Zahl hier 1.272 ist. Beim Crab ist der Abschluss deutlich tiefer: Punkt D erreicht die 1.618-Extension der XA-Welle, zusätzlich bestätigt durch eine Extremextension zwischen 2.618 und 3.618 der BC-Welle. Der Crab ist damit eine extremere, engere Variante derselben Überschuss-Logik. Auch bei der B-Korrektur unterscheiden sie sich: Beim Butterfly ist es stets 0.786 der XA-Welle, während der Crab das flachere Band von 0.382 bis 0.618 nutzt. Merke dir eine Zahl: 1.272 ist ein Butterfly, 1.618 ist ein Crab.
Wie handelst du das Butterfly-Muster — Einstieg, Stop und Ziele?
Der Einstieg liegt in der Umkehrzone bei Punkt D, wo die Extension 1.272 bis 1.618 der XA-Welle mit einer Extension zwischen 1.618 und 2.618 der B-C-Welle zusammenfällt — oft auch mit einer AB=CD-Struktur. Du steigst jedoch nicht blind auf dem Fibonacci-Niveau ein: Warte auf eine Bestätigung durch das Preisverhalten, etwa eine Umkehrkerze oder eine Oszillator-Divergenz in der D-Zone. Der Stop Loss kommt knapp hinter Punkt D, dem Extrem der gesamten Struktur, mit etwas Puffer für den Docht, der dieses Niveau gerne testet. Ziele setzt du konservativ entlang der C-D-Welle: Der erste Take Profit liegt beim 38.2-Prozent-Retracement dieser Welle, der zweite um das 61.8-Prozent-Niveau. Da das Risiko ab Punkt D oft klein und der Rückprall groß ist, ergibt sich in der Regel ein günstiges Chance-Risiko-Verhältnis (CRV). Alle Zahlen sind ausschließlich illustrativ, keine Kursprognose.

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