Gartley-Muster — die ursprüngliche harmonische Formation mit Einstieg bei 0,786 der XA-Welle
Das Gartley-Muster ist der Ursprung aller harmonischen Formationen — von ihm nahm die gesamte Schule dieser Analysemethode ihren Anfang. H.M. Gartley skizzierte die Grundform bereits 1935, doch die konkreten Fibonacci-Verhältnisse legte Scott Carney erst Jahrzehnte später fest. Im Chart zeichnet es ein fünfpunktiges M oder W, und sein Erkennungsmerkmal ist ein einziger Schlüssellevel: die Einstiegszone bei der 0,786-Retracement der XA-Welle, noch innerhalb der initialen Bewegung. Im Folgenden erkläre ich, wie du es erkennst und wie du damit handelst.
Was das Gartley-Muster ist und woher es stammt
Das Gartley-Muster ist eine fünfpunktige Umkehrformation mit der Bezeichnung X-A-B-C-D, die Harold McKinley Gartley 1935 in seinem Buch „Profits in the Stock Market" vorstellte. Wichtig: Gartley selbst zeichnete damals nur die allgemeine Anordnung der fünf Punkte — ohne konkrete Zahlen. Es war Scott Carney, der der Formation Ende der 1990er Jahre strenge Fibonacci-Verhältnisse zuwies und sie in seine Familie harmonischer Muster eingliederte. Deshalb spricht man heute vom „Gartley 222" oder einfach vom klassischen Gartley-Muster, womit die Version mit spezifischen Retracements gemeint ist.
Carney behandelt es als Fortsetzungsmuster nach einem Pullback: Es erscheint, wenn ein Markt im Rahmen eines bestehenden Trends zurücksetzt und dann in die dominante Richtung zurückkehrt. Wer mit harmonischen Mustern noch nicht vertraut ist, sollte sich zuerst den Überblick über harmonische Trading-Strategien erarbeiten — alle beruhen auf denselben Verhältnissen zwischen Wellen und unterscheiden sich nur in den konkreten Retracement- und Extension-Levels.
Struktur und Fibonacci-Levels
„Harmonische Muster identifizieren Kursbeziehungen mithilfe der Fibonacci-Verhältnisanalyse, um präzise Wendepunkte im Markt zu bestimmen." — Scott M. Carney, Harmonic Trading, Volume One, Pearson, 2010
Die Formation besteht aus fünf Punkten, die durch vier Wellen verbunden sind: X-A, A-B, B-C und C-D. Die XA-Welle ist die längste initiale Bewegung, die den gesamten Spannbereich des Musters definiert. Die AB-Welle ist ein Pullback, der Punkt B genau beim 0,618-Retracement der XA-Welle beendet — und das ist nach Carney das wichtigste Element des gesamten Gartley-Musters. Landet Punkt B woanders, handelt es sich in der Regel um eine andere harmonische Formation.
Dann folgt die BC-Welle, die eine Extension von 1,27 oder 1,618 der AB-Welle ergibt. Das letzte Segment, die CD-Welle, führt zur Einstiegszone: Punkt D schließt beim 0,786-Retracement der XA-Welle ab. An derselben Stelle sollte ein AB=CD konvergieren — eine Gleichheit der Wellenlängen gemessen vom Ende — zusammen mit der BC-Extension. Diese dreifache Konvergenz markiert die potenzielle Umkehrzone. Für die technische Analyse mit Fibonacci-Tools und die Projektion dieser Level verwendest du dieselben Werkzeuge wie bei anderen harmonischen Formationen.
So erkennst du die Formation Schritt für Schritt
Schritt 1 — finde die XA-Welle und den Trendkontext
Beginne mit einer klar impulsiven Bewegung, die die XA-Welle definiert. Punkt X ist der Startpunkt der gesamten Struktur, Punkt A ihr Hoch oder Tief. Das Gartley-Muster funktioniert am besten im Einklang mit dem dominanten Trend — als Signal einer Rückkehr zu diesem nach einem Pullback. Beurteile daher zuerst die Richtung auf einem höheren Zeitrahmen.
Schritt 2 — bestätige Punkt B bei 0,618 der XA-Welle
Das ist die Messung, die über alles entscheidet. Verwende das Fibonacci-Tool und prüfe, ob der AB-Pullback Punkt B genau bei 0,618 der XA-Welle beendet. Liegt er flacher, bei 0,382 oder 0,500, siehst du wahrscheinlich einen Bat. Liegt er tiefer, handelt es sich um keine der beiden Formationen.
Schritt 3 — prüfe die BC-Welle und den Abschluss von Punkt D
Stelle zunächst sicher, dass die BC-Welle eine Extension von 1,27 oder 1,618 der AB-Welle ergibt. Dann kommt der entscheidende Teil: Das CD-Retracement sollte genau beim 0,786-Retracement der XA-Welle stoppen, wo auch das AB=CD abschließt. Die Konvergenz dieser Messungen markiert die Einstiegszone — und das ist dein Punkt D, kein früherer Level.
Einstieg, Stop und Ziele — ein hypothetisches Beispiel
Nehmen wir das Setup aus der Tabelle oben. Sobald der Kurs die D-Zone um 1.0843 erreicht, steigst du nicht blind beim 0,786-Level ein — warte auf eine Bestätigung durch die Preisbewegung: eine Umkehrkerze, einen Hammer oder eine bullische Engulfing-Kerze in der D-Zone, und erst dann öffnest du die Long-Position. Der Stop Loss kommt knapp hinter Punkt X, etwas unterhalb von 1.0800: Bricht der Markt das Extremum der XA-Welle, fällt die gesamte Struktur auseinander — das ist der natürliche Ungültigkeitslevel.
Die Ziele setzt du konservativ: Der erste Take Profit liegt beim 0,382-Retracement der AD-Welle, der zweite bei rund 0,618. Da der Einstieg beim Gartley höher als beim Bat liegt, weiter entfernt von Punkt X, ist der Stop etwas breiter, und das realistische Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) liegt meistens bei etwa 1:2. Denk daran: Die Zahlen oben sind rein illustrativ und zeigen die Logik der Formation, keine Kursprognose.
Die häufigsten Fehler beim Trading mit dem Gartley-Muster
- Punkt B weit entfernt von 0,618 der XA-Welle akzeptieren — das ist der häufigste Fehler, denn ohne diesen Level gibt es kein Gartley-Muster, sondern nur eine erzwungene Form.
- Einsteigen, bevor Punkt D abgeschlossen ist, also bevor der Kurs das 0,786-Retracement der XA-Welle erreicht hat — ein vorzeitiger Einstieg verschenkt den gesamten Vorteil der präzisen Einstiegszone.
- Die Preisbestätigung überspringen und direkt beim Fibonacci-Level einsteigen, ohne Umkehrkerze in der D-Zone.
- Gartley mit Bat verwechseln — fällt der Kurs bis zum 0,886-Retracement der XA-Welle, liegt kein Gartley mehr vor, und der Einstieg bei 0,786 erweist sich als verfrüht.
- Gegen den dominanten Trend handeln — das Gartley-Muster ergibt Sinn als Rückkehr zum Trend nach einem Pullback, nicht als Versuch, Hochs und Tiefs quer durch den Markt zu erwischen.
Wie sich das Gartley-Muster von anderen harmonischen Mustern unterscheidet
Der nächste Verwandte des Gartley-Musters ist das Bat-Muster — beide enden mit einem Einstieg auf einem Retracement der XA-Welle, aber der Bat geht tiefer, bis 0,886 statt 0,786, und verlangt einen flacheren Punkt B. Das Butterfly-Muster und das Crab-Muster gehören dagegen zur Gruppe der Extension-Muster: Ihr Punkt D fällt jenseits von Punkt X, bei 1,27 oder sogar 1,618 der XA-Welle. Das ist der grundlegende Unterschied — Gartley und Bat sind Retracement-Muster, bei denen D innerhalb der XA-Welle liegt, während Butterfly und Crab darüber hinaus reichen. Das Gartley-Muster ist das sanfteste der Familie: Der Markt muss kein neues Extremum erreichen, damit die Formation abschließt.
Für wen dieses Muster geeignet ist
Seien wir ehrlich: Obwohl das Gartley-Muster das älteste ist, eignet es sich nicht für Einsteiger. Es erfordert präzise Messungen von vier Wellen gleichzeitig, und auf einem historischen Chart ist es leicht, sich einzureden, dass die Verhältnisse „passen", obwohl sie in Wirklichkeit zu sehr gedehnt werden. Bevor du es einsetzt, solltest du solides Risikomanagement im Forex-Trading beherrschen und dir zunächst ein gutes Fundament in Unterstützung und Widerstand, Price Action sowie einfachen Fibonacci-Retracements aufbauen — ohne fließende Lesefähigkeit dieser Level sind die Messungen beim Gartley-Muster reines Raten. Betrachte es als ergänzendes Werkzeug, am besten kombiniert mit einer Oszillatordivergenz und klar erkennbarer Unterstützung oder Widerstand in der D-Zone, und nicht als eigenständiges System. Für weiterführende technische Hintergründe zu harmonischen Mustern bietet ForexMechanics.com ausführliche Analysen.
Was jetzt zu tun ist
- Öffne TradingView auf EUR/USD im Stunden-Chart und sieh dir die jüngsten klaren Pullbacks innerhalb eines Trends an — markiere dabei der Reihe nach die Punkte X-A-B-C. Diese Übung trainiert dein Auge dafür, den Formationskontext zu erkennen, noch bevor überhaupt ein handelbares Einstiegssignal bei Punkt D erscheint.
- Prüfe bei jedem Kandidaten mit dem Fibonacci-Tool, ob Punkt B genau bei 0,618 der XA-Welle liegt, und dann, ob das Retracement zu Punkt D beim 0,786-Level der XA-Welle stoppt — passen beide Messungen nicht, lass das Setup kommentarlos fallen.
- Lege ein einfaches Handelsjournal mit Spalten für die Verhältnisse der vier Wellen, den Einstiegspunkt, den Stop-Loss-Level knapp hinter Punkt X und das erzielte Chance-Risiko-Verhältnis an, und trage nach jedem Demo-Trade die Ergebnisse ein.
- Setze statt stundenlanges Chartbeobachten einen Kursalarm auf dem 0,786-Level der XA-Welle eines beobachteten Paares — sobald der Kurs die D-Zone erreicht, kannst du in Ruhe beurteilen, ob sich eine bestätigende Umkehrkerze bildet oder ob du das Signal übergehen solltest.
- Führe mindestens zwanzig Demo-Trades ausschließlich mit dem Gartley-Muster durch und dokumentiere jeden einzelnen mit dem Ergebnis — erst eine wiederholbare Trefferquote auf dieser präzisen Formation rechtfertigt den Wechsel auf ein echtes Konto.
Quellen und Literatur
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HarmonicTrader.com (Scott Carney) The Gartley Pattern — official definition · Carney's own definition: the B point as the most critical aspect at a 0.618 retracement of XA, point D completing at 0.786 of XA, and the BC projection of 1.27 or 1.618 converging with an AB=CD in the reversal zone harmonictrader.com ↗
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HarmonicTrader.com (Scott Carney) The Bat Pattern — official definition · Reference for the contrast: the Bat completes deeper at the 0.886 XA retracement with a shallower B point, the level against which the Gartley's 0.786 entry is measured harmonictrader.com ↗
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HarmonicTrader.com (Scott Carney) The Butterfly Pattern — official definition · Reference for the extension family: the Butterfly point D extends beyond X to the 1.27 XA projection with a mandatory 0.786 B point, contrasted with the Gartley as a retracement pattern harmonictrader.com ↗
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HarmonicTrader.com (Scott Carney) Harmonic patterns overview · Index of the full Carney harmonic family (Gartley, Bat, Butterfly, Crab, Deep Crab, Shark, 5-0) giving context for where the original Gartley sits among reversal patterns harmonictrader.com ↗