Abkürzungs-Glossar für Trader — SL, TP, BE, CRV und der Rest
Dein erster Abend in einem Trading-Forum kann sich anfühlen, als würdest du ein Telegramm in einem fremden Alphabet lesen. „Long auf dem S/R-Retest, SL unter dem letzten LL, TP am vorherigen HH, und bei einem BOS stocke ich auf." Wer zwei Wochen auf dem Markt ist, sieht nur eine Reihe von Buchstaben ohne Bedeutung — dabei steckt hinter jeder Abkürzung eine einfache Idee. Das Fachjargon ist eine echte Hürde, nicht weil er schwieriges Wissen verbirgt, sondern weil ihn niemand systematisch erklärt. Hier ordne ich die Abkürzungen in Schichten: Auftragsmanagement, Marktstruktur, Kennzahlen, Handelsstil, Makro und Forum-Slang.
Positionsmanagement — SL, TP, BE, Trailing Stop
Das ist die Schicht, der du am häufigsten begegnest, weil sie jeden offenen Trade berührt. Jede Abkürzung bezeichnet entweder eine Auftragsart oder eine Entscheidung über eine Position. Die U.S.-Marktaufsicht SEC und die MetaTrader-5-Dokumentation definieren sie übereinstimmend — nur die umgangssprachlichen Bezeichnungen weichen ab.
- SL — Stop-Loss
- Ein Schutzauftrag, der die Position zu einem vorab festgelegten Kurs schließt, sobald der Markt gegen dich läuft, und so den Verlust begrenzt.
- TP — Take-Profit (Gewinnmitnahme)
- Ein Auftrag, der den Gewinn realisiert und die Position automatisch schließt, sobald der Kurs ein gewähltes Niveau erreicht.
- BE / BU — Break-Even
- Der Break-Even-Punkt; „auf BE schieben" bedeutet, den Stop-Loss auf den Einstiegskurs zu verlegen — danach kann der Trade nicht mehr zu einem Verlust werden.
- TS — Trailing Stop
- Ein beweglicher Stop, der dem Kurs in Richtung Gewinn mit festem Abstand folgt und sich nie zurückbewegt.
- pending — Pending Order (Limit / Stop)
- Ein im Voraus auf einem bestimmten Niveau platzierter Auftrag; ein Limit wartet auf einen besseren Kurs, ein Stop löst bei einem Ausbruch aus.
- Partial Close (Teilschließung)
- Das Schließen eines Teils einer Position, während der Rest im Markt verbleibt — üblicherweise nach dem ersten Ziel.
Das Paar, das am meisten Verwirrung stiftet, sind SL und TP: Sie legen fest, wie viel du riskierst und wie viel du anstrebst, bevor du auf „Kaufen" klickst. Ihre Mechanik und die Funktionsweise des Trailing Stop erkläre ich ausführlich in der Kategorie Grundlagen des Marktes.
Marktstruktur — S/R, TF, HH/HL/LH/LL, BOS, ChoCh
Die zweite Schicht beschreibt, wie ein Trader ein Chart liest, bevor er einen Auftrag erteilt. Es sind Price-Action-Abkürzungen — sie klingen technisch, doch dahinter stecken einfache Beobachtungen über Hochs, Tiefs und Niveaus.
- S/R — Unterstützung und Widerstand (Support und Resistance)
- Kursniveaus, an denen die Bewegung wiederholt ins Stocken geriet; Unterstützung unterhalb des Kurses bremst Rückgänge, Widerstand oberhalb bremst Anstiege.
- TF — Timeframe (Zeitrahmen)
- Die Zeiteinheit einer einzelnen Kerze — von M1 (eine Minute) über H1 und H4 bis D1 (ein Tag); je höher der Zeitrahmen, desto stärker das Signal.
- HH / HL / LH / LL — aufeinanderfolgende Hochs und Tiefs
- Higher High (höheres Hoch), Higher Low (höheres Tief), Lower High (niedrigeres Hoch), Lower Low (niedrigeres Tief); HH mit HL kennzeichnet einen Aufwärtstrend, LH mit LL einen Abwärtstrend.
- BOS — Break of Structure (Strukturbruch)
- Der Moment, in dem der Kurs ein vorheriges Hoch oder Tief durchbricht und den bestehenden Trend bestätigt.
- ChoCh — Change of Character (Charakterwechsel)
- Das erste Anzeichen einer möglichen Umkehr — eine Reihe höherer Tiefs gefolgt von einem niedrigeren Tief, oder umgekehrt.
- Setup / Pullback / Retest
- Ein Setup erfüllt die Bedingungen der Strategie, ein Pullback ist eine Gegenbewegung innerhalb eines Trends, ein Retest ist die Rückkehr zu einem gebrochenen Niveau.
Ehrlich gesagt: BOS und ChoCh stammen aus einer in den letzten Jahren populären Marktstrukturschule und werden oft unscharf verwendet, ohne eine verbindliche Definition. Das Fundament ist dennoch klassisch — Unterstützung, Widerstand und die Abfolge von Hochs und Tiefs. Die vollständige Methode zeige ich im Leitfaden über das Zeichnen von Unterstützungs- und Widerstandsniveaus in der Technischen Analyse.
„Das Ziel eines erfolgreichen Traders ist es, die besten Trades zu machen. Geld ist zweitrangig." — Alexander Elder, Trading for a Living, Wiley, 1993.
Kennzahlen und Risiko — CRV, DD, P/L, Equity
Die dritte Schicht sind die Zahlen, mit denen du Ergebnisse misst. Hier ist Notationspräzision am wichtigsten, weil diese Abkürzungen im Handelstagebuch und in Steuerunterlagen landen.
- CRV — Chance-Risiko-Verhältnis (reward-to-risk ratio)
- Der geplante Gewinn im Verhältnis zum eingesetzten Risiko; schreibe es als Proportion, z. B. „CRV von 1:2", nie als einzelnen Multiplikator.
- DD — Drawdown (Kapitalrückgang); ATH — All-Time High
- DD ist der Rückgang des Kontostands vom letzten Hoch (dem ATH) bis zum Tiefpunkt als Prozentsatz; er zeigt, wie tief eine Verlustserie das Konto getroffen hat.
- P/L — Gewinn und Verlust (Profit and Loss)
- „Floating P/L" ist das unrealisierte Ergebnis einer offenen Position, „realized P/L" ist bereits nach dem Schließen gebucht.
- Pip / Lot
- Ein Pip ist die kleinste Standardeinheit der Kursveränderung eines Paares, ein Lot die Einheit der Positionsgröße.
- Equity / Balance (Guthaben)
- Balance ist der Kontostand ohne offene Positionen; Equity passt diesen Betrag um das Ergebnis offener Positionen an.
Woher ein Pip kommt, erkläre ich im Beitrag über den Begriff Pip, und die Unterschiede zwischen Positionsgrößen im Artikel über Micro-, Mini- und Standard-Lots — beides findest du in den Technischen Konzepten. Wie tief ein Drawdown noch normal ist, behandle ich im Artikel über den maximalen Drawdown.
Handelsstil und Makro — Scalping, Swing, NFP, CPI, FOMC
Die vierte und fünfte Schicht sind zwei Kontextvokabulare: Das erste beschreibt, wie lange du eine Position hältst, das zweite nennt die Ereignisse, die sie erschüttern können.
- Scalping
- Handel auf sehr kurzem Zeithorizont — Positionen dauern Sekunden bis wenige Minuten, mit vielen Trades pro Tag.
- Day Trading (Intraday-Handel)
- Öffnen und Schließen von Positionen innerhalb einer einzelnen Session, ohne sie in den nächsten Tag zu tragen.
- Swing (Swing-Trading)
- Mittelfristiger Handel — Positionen werden von einigen Tagen bis zu einigen Wochen gehalten.
- Position (Positions-Trading)
- Handel auf dem längsten Zeithorizont — Wochen und Monate, oft mit einem fundamentalen Trend im Blick.
- Hawkish / Dovish
- Hawkish beschreibt eine Zentralbank, die bereit ist zu straffen und die Zinsen zu erhöhen; dovish eine, die bereit ist zu lockern und sie zu senken.
- NFP — Non-Farm Payrolls
- Der monatliche US-Beschäftigungsbericht außerhalb der Landwirtschaft; einer der stärksten Markttreiber.
- CPI — Consumer Price Index (Verbraucherpreisindex)
- Ein Maß für die Inflation; ein Wert über den Erwartungen verschiebt üblicherweise die Zinserwartungen und den US-Dollar.
- FOMC — Federal Open Market Committee
- Der Ausschuss der Federal Reserve, der die US-Zinsen festlegt; er trifft sich acht Mal pro Jahr.
Auch wenn du rein technisch handelst, lohnt es sich zu wissen, wann NFP, CPI oder eine FOMC-Sitzung ansteht. Die Reaktion auf diese Daten kann das sauberste Chart-Setup in Sekunden zunichtemachen.
Forum-Slang — Bull, Bear, Longs, Shorts, bp
Die letzte Schicht ist die trügerischste: Sie sieht aus wie Terminologie, ist aber umgangssprachliche Kurzform, die aus Bequemlichkeit im Gespräch entstanden ist. Du musst sie verstehen, um Diskussionen zu folgen, aber in deinen eigenen Texten solltest du sie besser vermeiden.
- Long / Short
- Eine Long-Position (Kaufposition) gewinnt bei steigendem Kurs, eine Short-Position (Verkaufsposition) bei fallendem; ein einzelner Buchstabe im Chat lässt sich leicht mit einem Stop oder einem Lot verwechseln.
- Bull / Bear
- Eine Bullen-Haltung setzt auf steigende Kurse, eine Bären-Haltung auf fallende; daher „Bullenmarkt" und „Bärenmarkt".
- Longs / Shorts
- Slang-Bezeichnungen für Positionen: „Longs" sind Long-Positionen, „Shorts" sind Short-Positionen — informell und für sich allein mehrdeutig.
- bp — Basispunkte (basis points)
- Hundertstel eines Prozentpunkts; hundert Basispunkte entsprechen einem Prozent, also bedeutet „um 25 bp erhöht" eine Viertelprozentpunkt-Erhöhung.
Ich sage das offen, weil es für Einsteiger wichtig ist: Diese Abkürzungen sind informell und mehrdeutig. Ein einzelner Buchstabe wird manchmal als Short, manchmal als Stop interpretiert; Slang-Bezeichnungen für Positionen vermischen sich mit Lots. Unter Freunden schadet das nicht, aber in der Analyse, im Handelstagebuch und in einer Frage an einen erfahreneren Trader schreibe besser „Long-Position auf EUR/USD" oder „Short-Position auf GBP/USD". Klar ausgedrückte Sprache ist keine Pedanterie — ein Missverständnis kostet echtes Geld.
Was jetzt zu tun ist
- Erstelle deine eigene Dreispalten-Kurzreferenz. Schreibe nur die Abkürzungen auf, denen du diese Woche auf dem Chart und im Chat tatsächlich begegnet bist; in die zweite Spalte kommt die Bedeutung im Klartext, in die dritte ein Satz in deinen eigenen Worten. Das Aufschreiben aus dem Gedächtnis verankert die Begriffe weit besser als das Lesen einer fremden Liste.
- Überprüfe dein Handelstagebuch auf die Notation des Risikos. Kontrolliere, ob du das Chance-Risiko-Verhältnis als lesbare Proportion einträgst, zum Beispiel „CRV 1:2", anstatt als einzelnen Multiplikator. Ersetzt du umgangssprachliche Kurzformen durch eindeutige Formulierungen, wirst du dir in sechs Monaten dafür danken.
- Setze beim nächsten Demo-Trade SL und TP fest. Bevor du auf „Kaufen" oder „Verkaufen" klickst, trage konkrete Stop-Loss- und Take-Profit-Niveaus ein und zähle, wie viele Pips sie jeweils vom Einstieg trennen. Das verwandelt abstrakte Abkürzungen in echte Zahlen auf dem Konto und zwingt dich, vor dem Trade über das Risiko nachzudenken.
- Prüfe einmal pro Woche den Makrokalender. Schlage die Termine der nächsten NFP-, CPI- und FOMC-Veröffentlichung nach und trage sie in deinen Wochenplan ein — auch wenn du rein technisch handelst. Es geht darum, keine offene Position im volatilsten Moment der Woche zu halten.
- Frage nach jeder unbekannten Forum-Abkürzung, anstatt zu raten. Wenn jemand ein Kürzel verwendet, das du nicht kennst, stelle eine kurze Rückfrage nach dem vollständigen Begriff — die meisten Trader erklären es gerne, und du vermeidest ein kostspieliges Missverständnis aus dem Erraten informellen Slangs.
Quellen und Literatur
-
U.S. Securities and Exchange Commission (Investor.gov) Types of Orders · Oficjalne definicje zlecenia rynkowego, zlecenia z limitem i zlecenia stop-loss — baza do wyjaśnienia skrótów SL, TP oraz zleceń oczekujących (limit/stop). www.investor.gov ↗
-
U.S. Securities and Exchange Commission (Investor.gov) Stop Order · Hasło słownikowe SEC definiujące zlecenie stop i pojęcie ceny aktywacji (stop price) — potwierdza mechanikę skrótu SL. www.investor.gov ↗
-
MetaQuotes (MetaTrader 5 Help) Basic Principles — Trading Operations · Dokumentacja platformy MT5: sześć typów zleceń oczekujących (Buy/Sell Limit, Buy/Sell Stop, Stop Limit) oraz pola Stop Loss i Take Profit — źródło dla skrótów TP, SL, pending i TS. www.metatrader5.com ↗
-
Board of Governors of the Federal Reserve System Federal Open Market Committee · Oficjalny opis FOMC i kalendarza ośmiu posiedzeń w roku — kontekst dla makroskrótów FOMC oraz języka jastrzębi/gołębi (hawkish/dovish). www.federalreserve.gov ↗
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen BE und einem Trailing Stop?
BE, also Break-Even, ist eine einmalige Verschiebung des Stop-Loss auf den Einstiegskurs — danach kann der Trade nicht mehr zu einem Verlust werden, weil das schlechteste Ergebnis ein Schließen zum Einstiegskurs ist. Ein Trailing Stop (TS) funktioniert anders: Er ist ein beweglicher Stop, der dem Kurs automatisch in Richtung Gewinn mit festem Abstand folgt — etwa dreißig Pips — und sich nie zurück in Richtung Verlust bewegt. Kurz: BE ist eine einzige Entscheidung in einem Moment, während ein Trailing Stop ein Mechanismus ist, der während der gesamten Laufzeit der Position aktiv ist. Viele Trader kombinieren beides: Sie schieben den Stop nach dem ersten Ziel auf Break-Even und schalten dann den Trailing Stop ein, um den weiteren Kursanstieg zu verfolgen.
Warum sollte ich das Chance-Risiko-Verhältnis als Proportion und nicht als einzelnen Multiplikator notieren?
Weil ein einzelner Multiplikator Information verliert und irreführen kann. Das Chance-Risiko-Verhältnis beschreibt zwei Größen zugleich: wie viel du riskierst und wie viel du anstrebst. „CRV 1:2" zu schreiben ist eindeutig — du riskierst eine Einheit, um zwei zu gewinnen. Eine einzelne „2" sagt nicht, ob damit das Doppelte des Risikos oder vielleicht zwei Prozent des Kapitals gemeint ist; im Chat wird sie leicht mit einer Positionsanzahl oder einem Kursniveau verwechselt. In Lehrartikeln und im Handelstagebuch verwende die Form „CRV 1:2" oder „Verhältnis 1 zu 3". Die vollständige Mechanik der Berechnung dieses Verhältnisses und seine Verbindung zur Trefferquote behandle ich in einem eigenen Beitrag über Risikomanagement.
Was bedeuten Forum-Ausdrücke wie „long" oder „short" im Trading-Jargon?
Es ist umgangssprachlicher Slang. In Trading-Foren bezeichnet „Long" eine Long-Position (Kaufposition) und „Short" eine Short-Position (Verkaufsposition). Du wirst auch „Bull" und „Bear" als Bezeichnungen für die Marktausrichtung antreffen sowie „bp" für Basispunkte. Das Problem: Diese Kurzformen sind mehrdeutig — ein einzelner Buchstabe kann mit einem Stop oder einem Lot verwechselt werden. In der schnellen Unterhaltung unter Bekannten schadet das nicht, aber in der Analyse, im Handelstagebuch und bei einer Frage an einen erfahreneren Trader schreib besser „Long-Position auf EUR/USD" oder „Short-Position auf GBP/USD". Klare Sprache vermeidet Missverständnisse, die auf dem Markt echtes Geld kosten.
Muss ich Hawkish und Dovish kennen, wenn ich rein technisch handle?
Es lohnt sich, auch wenn du nie Fundamentaldaten analysierst. Hawkish beschreibt eine Zentralbank, die bereit ist, die Zinsen zu erhöhen oder hoch zu halten; dovish eine, die bereit ist, sie zu senken oder die Geldpolitik zu lockern. Diese beiden Begriffe bestimmen, wie der Markt auf Mitteilungen von FOMC, EZB oder anderen Zentralbanken reagiert — und die Reaktion kann heftig genug sein, um ein sauberes Chart-Setup in Sekunden zu entwerten. Ein technischer Trader muss die Entscheidung nicht vorhersagen, sollte aber wissen, wann eine Veröffentlichung ansteht und welcher Ton erwartet wird, damit er keine offene Position im schlechtesten Moment hält. Das ist eine Frage des Ereignisrisiko-Managements, nicht der Fundamentalanalyse im eigentlichen Sinne.