Long- vs. Short-Position — Kaufen und Verkaufen im Forex erklärt

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Risikohinweis · YMYL Dieser Artikel dient ausschließlich zu Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel am Forex-Markt birgt ein hohes Risiko des Kapitalverlusts — die ESMA berichtet, dass zwischen 74 % und 89 % der Privatanlegerkonten Verluste erleiden.

Jede Handelsplattform zeigt im Orderfenster zwei Schaltflächen: ein grünes „Buy" und ein rotes „Sell". Ein Klick auf „Buy" öffnet eine Long-Position — du profitierst, wenn der Kurs steigt. Ein Klick auf „Sell" öffnet eine Short-Position — du profitierst, wenn der Kurs fällt. Das ist tatsächlich die gesamte Mechanik, denn auf dem Forex-Markt ist Verkaufen genauso einfach wie Kaufen: Du leihst dir keine Währung, wartest nicht auf die Freigabe des Brokers und zahlst keine separate Gebühr fürs „Shorten". Dieser Artikel erklärt, was hinter jedem Klick technisch passiert, warum eine Short-Position im Forex einfacher ist als an der Börse, und wie du das Ergebnis sowie die Haltekosten in beiden Richtungen berechnest.

Was eine Long-Position und was eine Short-Position ist

Jedes Währungspaar hat zwei Seiten: eine Basiswährung (die erste im Paar) und eine Kurswährung (die zweite). Bei EUR/USD ist die Basis der Euro, die Kurswährung der Dollar. Die Zahl auf dem Chart — zum Beispiel 1.0850 — sagt genau eine Sache: wie viele Dollar ein Euro kostet. Der gesamte Trade läuft auf eine einzige Frage hinaus: Wird diese Zahl steigen oder fallen?

Eine Long-Position (Kaufposition) ist eine Wette auf einen Kursanstieg. Wenn du EUR/USD kaufst, kaufst du effektiv Euro und gibst dafür Dollar. Du profitierst, wenn der Euro gegenüber dem Dollar stärker wird — also wenn der Kurs von 1.0850 auf 1.0900 klettert. Eine Short-Position (Verkaufsposition) ist die entgegengesetzte Wette. Wenn du EUR/USD verkaufst, verkaufst du Euro und erhältst dafür Dollar, und du profitierst, wenn der Euro schwächer wird und der Kurs von 1.0850 auf 1.0800 fällt. „Long" und „Short" sind schlicht Branchen-Kurzform für „Ich halte es und warte auf den Anstieg" und „Ich habe es verkauft und warte auf den Rückgang" — wobei der zweite Teil im Forex automatisch geschieht.

Warum eine Short-Position im Forex so einfach ist

Darin liegt der größte Unterschied zwischen dem Devisenmarkt und der Aktienbörse — und genau das überrascht die meisten, die vom Aktienhandel kommen. Um auf einen fallenden Aktienkurs zu setzen, muss ein Investor einen mehrstufigen Prozess durchlaufen: Aktien von jemandem leihen, der sie besitzt, sie am Markt verkaufen, für die gesamte Haltedauer Leihzinsen zahlen und sie schließlich zurückkaufen und dem Verleiher zurückgeben. Das Verfahren kann teuer werden, und manche Unternehmen können schlicht nicht geshortet werden, weil der Broker keine Aktien zum Verleihen hat — im Jargon heißt das „hard-to-borrow".

Im Forex-Markt nach dem CFD-Modell (Differenzkontrakt) gibt es kein Leihen. Der Broker schließt mit dir einen synthetischen Kontrakt ab: Du rechnest schlicht die Differenz zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs ab. Du klickst „Sell" und der Kontrakt verdient, wenn der Kurs fällt. Du klickst „Buy", um zu schließen, und das Ergebnis landet auf deinem Konto. Die gesamte Operation dauert Millisekunden und ist aus Plattformsicht identisch mit dem Öffnen einer Long-Position. Verkaufen ist hier nichts Exotisches — es ist schlicht die andere Seite desselben Marktes.

Wie du das Ergebnis in beiden Richtungen berechnest

Am klarsten zeigt sich das an konkreten Zahlen. Angenommen: ein Mini-Lot EUR/USD (10.000 Einheiten), eröffnet bei 1.0850. Der Wert eines einzelnen Pips bei dieser Größe beträgt rund 1 USD. Die Tabelle zeigt, wie dieselbe Kursbewegung je nach Richtung zum entgegengesetzten Ergebnis führt.

Ein Mini-Lot EUR/USD, eröffnet bei 1.0850
Long-Position — Kurs steigt auf 1.0900+50 Pips = +50 USD
Long-Position — Kurs fällt auf 1.0800−50 Pips = −50 USD
Short-Position — Kurs fällt auf 1.0800+50 Pips = +50 USD
Short-Position — Kurs steigt auf 1.0900−50 Pips = −50 USD
Fazit: Kaufen und Verkaufen sind Spiegelbilder. Dieselbe Kursbewegung erzeugt das entgegengesetzte Ergebnis.

Eine Sache lohnt es sich zu merken, weil sie Anfängern viel Verwirrung erspart: Der Pip-Wert ist identisch für Kaufen und Verkaufen. Es gibt keine teurere oder günstigere Richtung. Spread und Provision sind dieselben, egal ob du „Buy" oder „Sell" klickst. Hast du den Pip-Wert für deine übliche Positionsgröße einmal berechnet, gilt diese Zahl in beide Richtungen ohne jede Anpassung. Das einzige Element, das sich zwischen Long-Position und Short-Position wirklich unterscheidet, ist der Swap — dazu gleich mehr.

„Es gibt keinen abstrakten Bullenmarkt oder Bärenmarkt — es gibt nur die richtige und die falsche Seite eines Trades." — Edwin Lefèvre, Reminiscences of a Stock Operator (Jesse Livermore zitierend), George H. Doran, 1923.

Der Swap — der einzige Kostenfaktor, der von der Richtung abhängt

Hier liegt die Asymmetrie, die Einsteiger häufig übersehen. Der Swap (Rollover / Übernachtfinanzierung) ist ein Abrechnungspunkt, der für das Halten einer Position über Nacht anfällt. Er ergibt sich aus dem Zinsdifferenzial zwischen Basis- und Kurswährung. Wenn du eine Long-Position hältst, „leihst" du dir im Grunde die Kurswährung, um die Basiswährung zu kaufen — bei einer Short-Position ist es umgekehrt. Deshalb kann derselbe Markt in einer Richtung einen positiven Swap berechnen und in der anderen einen negativen.

Das anschaulichste Beispiel ist USD/JPY im Jahr 2026. Der Leitzins der Federal Reserve liegt bei rund 4.25 Prozent, während der der Bank of Japan gerade mal 0.5 Prozent beträgt. Wenn du eine Long-Position auf USD/JPY hältst, besitzt du den höher verzinsten Dollar und finanzierst sie mit dem niedrig verzinsten Yen — das Zinsdifferenzial arbeitet zu deinen Gunsten, und der Swap tendiert ins Positive. Eine Short-Position auf dasselbe Paar kehrt das um: Du zahlst das Differenzial, und der Swap ist negativ. Das ist die Mechanik hinter dem Carry Trade, bei dem du aus dem Zinsdifferenzial selbst Ertrag ziehst. Bei EUR/USD ist die Lücke zwischen Fed und Europäischer Zentralbank (EZB) kleiner, sodass beide Swaps näher an null liegen — aber eine Richtung ist in der Regel noch etwas teurer zu halten.

Das praktische Fazit ist einfach: Im Intraday-Handel spielt der Swap meist keine Rolle, weil du die Position vor Mitternacht schließt. Bei einer Position, die du über Wochen hältst, können Swap-Punkte einen Teil des Gewinns aufzehren oder — in der günstigen Richtung — einige Prozent pro Jahr zum Ergebnis hinzufügen. Schau immer in die Swap-Tabelle deines Brokers, bevor du eine längerfristige Position eröffnest.

Ist eine Short-Position riskanter?

An der Aktienbörse ist sie es tatsächlich, und das folgt aus reiner Mathematik. Eine Aktie kann theoretisch unbegrenzt steigen, weshalb der mögliche Verlust einer Short-Position nach oben offen ist. Aus diesem Grund meiden viele erfahrene Aktieninvestoren Wetten auf fallende Kurse oder sichern sie konsequent ab.

Im Forex-Markt verschwindet diese Asymmetrie nahezu vollständig. Währungspaare bewegen sich in deutlich engeren Spannen als Einzelaktien — selten mehr als ein niedriger zweistelliger Prozentsatz pro Jahr. Entscheidender ist: Der maximale Verlust ist durch dein Einlageguthaben und den geltenden Hebellimit gedeckelt. Ein Retail-Kunde in der Europäischen Union unterliegt dem von ESMA (European Securities and Markets Authority) eingeführten Hebellimit von 1:30 und ist durch den Negativsaldoschutz abgesichert. Die BaFin als nationale Aufsichtsbehörde setzt diese EU-Vorgaben in Deutschland direkt um. Das Risiko einer Long-Position und einer Short-Position ist damit im Forex praktisch symmetrisch. Das ändert freilich nichts an der zugrundeliegenden Statistik: Laut ESMA-Daten verlieren zwischen 74 und 89 Prozent der Retail-Kundenkonten Geld beim CFD-Handel — und das gilt für Wetten auf steigende wie auf fallende Kurse gleichermaßen.

Wann Kaufen sinnvoll ist — und wann Verkaufen

Die Richtungswahl ist keine Frage des Bauchgefühls, sondern der Strategie. In der Praxis reduziert sie sich auf drei typische Situationen.

  • Trendfolge. Wenn der Kurs auf dem Tageschart eine Serie aus höheren Tiefs und höheren Hochs bildet, liegt ein Aufwärtstrend vor — die natürliche Richtung ist Kaufen. Eine Serie aus tieferen Hochs und tieferen Tiefs ist ein Abwärtstrend, bei dem Verkaufen die bessere Ausgangslage bietet. Die Grundlagen der Handelsstrategien helfen dir dabei, Trends sauber zu identifizieren.
  • Mean Reversion (Mittelwertrückkehr). In einem seitwärts laufenden Markt innerhalb einer Range suchst du einen Rückpraller von der Unterstützung zum Kaufen oder einen Rückpraller vom Widerstand zum Verkaufen. Ein Setup ergibt dann eine Long-Position, das nächste eine Short-Position — auf demselben Paar, wenige Tage später.
  • Zinsdifferenzial nutzen. Beim Carry Trade wählst du die Richtung, die einen positiven Swap einbringt, weil du die höher verzinste Währung hältst. Das ist ein Ansatz für Positionen über Monate, bei denen das Zinsdifferenzial selbst zum Ergebnis beiträgt.

Für Einsteiger gilt eine einzige wichtigste Regel: Werde nicht an eine Richtung gebunden. Wenn du eine Woche lang ausschließlich Long-Positionen eröffnet hast und alle ins Minus liefen, ist das kein Zeichen, eine „schlechte Phase auszusitzen". In der Regel bedeutet es, dass der Markt im Abwärtstrend ist und Verkaufen als gleichwertig gültiges Werkzeug behandelt werden sollte.

Was jetzt zu tun ist

  1. Öffne ein Orderfenster und such beide Schaltflächen. Melde dich auf deiner Plattform in einem Demo-Konto an, öffne „New Order" bei EUR/USD und finde „Sell" zum Bid-Preis sowie „Buy" zum Ask-Preis. Achte darauf, dass es keine dritte Schaltfläche zum Leihen von Währung gibt — allein das reicht aus, um ein für alle Mal zu verstehen, dass Verkaufen im Forex eine ganz gewöhnliche Operation ist.
  2. Eröffne zwei entgegengesetzte Demo-Positionen und vergleiche sie. Öffne auf einem Übungskonto gleichzeitig eine minimale Long-Position und eine minimale Short-Position auf demselben Paar und beobachte, wie bei jeder Kursbewegung das eine Ergebnis exakt so weit steigt, wie das andere fällt. In einer halben Stunde festigt das die Spiegelbild-Regel besser als jede Tabelle — eine konkrete Erfahrung, die kein Text ersetzen kann.
  3. Schau dir die Swap-Tabelle deines Brokers an. Suche in deiner Plattform die Instrumentenspezifikation für EUR/USD und USD/JPY, lies die Swap-Punkte separat für die Long- und die Short-Seite und notiere, welche Richtung positiv ist. So weißt du vor deiner ersten Position mit mehr als einem Tag Haltedauer, was es tatsächlich kostet, sie offen zu lassen.
  4. Berechne den Pip-Wert für deine Standardgröße. Ermittle mit dem Rechner der Plattform, wie viel ein Pip bei der Größe wert ist, mit der du üblicherweise handelst, und merk dir, dass dieselbe Zahl sowohl für Kaufen als auch für Verkaufen gilt. Das ist die Grundlage dafür, das Risiko in beiden Richtungen bewusst zu messen — ein unverzichtbarer Schritt, bevor du echtes Kapital einsetzt.

Weiterführende Themen: Was ein Pip ist — wie du eine Kursbewegung in beiden Richtungen misst; Lot-Größen (Micro, Mini, Standard) — was die Positionsgröße bestimmt; Positionsgröße und die Ein-Prozent-Regel — wie du die Lot-Größe an dein Kapital anpasst.

Jarosław Wasiński
Über den Autor

Jarosław Wasiński

Chefredakteur bei MyBank.pl · Finanz- und Marktanalyst

Unabhängiger Analyst und Praktiker mit über 20 Jahren Erfahrung im Finanzsektor. Gründer und Chefredakteur des Portals MyBank.pl, aktiv seit 2004. Fundamentalanalyse der Devisen- und Makromärkte seit 2007. Schreibt aus europäischer Marktperspektive im regulatorischen Rahmen von ESMA und BaFin.

Quellen und Literatur

  1. ESMA Decision renewing restrictions on contracts for differences (CFDs) for retail clients · limit dźwigni 1:30 dla klientów detalicznych i ochrona przed saldem ujemnym www.esma.europa.eu ↗
  2. CFA Institute Currency Exchange Rates — long and short positions in forward and CFD markets · definicja długiej i krótkiej pozycji oraz mechaniki rozliczenia różnicy kursowej www.cfainstitute.org ↗
  3. Bank for International Settlements Triennial Central Bank Survey — Global foreign exchange market turnover in 2022 · skala i struktura globalnego rynku walutowego (kontekst płynności obu kierunków) www.bis.org ↗
  4. Investopedia Carry Trade Definition · wyjaśnienie zarabiania na różnicy stóp procentowych i swapu dodatniego/ujemnego www.investopedia.com ↗

Häufig gestellte Fragen

Kann ich im Forex auf fallende Kurse setzen, ohne Währung zu leihen?

Ja, und das ist einer der wichtigsten Unterschiede zwischen dem Devisenmarkt und der Aktienbörse. Im CFD-Modell (Differenzkontrakt) schließt der Broker mit dir einen synthetischen Kontrakt ab, bei dem ihr schlicht die Differenz zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs abrechnet. Du leihst dir keine echte Währung, weshalb die vom Aktienhandel bekannten Leerverkaufsbeschränkungen — etwa die Notwendigkeit, Aktien zum Leihen zu finden — für dich nicht gelten. Du klickst „Sell" und die Short-Position (Verkaufsposition) ist offen; du klickst „Buy", um sie zu schließen. Die gesamte Operation ist genauso einfach wie das Öffnen einer Long-Position (Kaufposition).

Hat Verkaufen dieselben Kosten wie Kaufen?

Spread und Provision sind identisch, egal ob du „Buy" oder „Sell" klickst — es gibt keine teurere Handelsrichtung. Der Pip-Wert ist ebenfalls in beide Richtungen gleich, weshalb die einmal berechnete Zahl für Kaufen und Verkaufen ohne jede Anpassung gilt. Einzig der Swap (Rollover / Übernachtfinanzierung) unterscheidet sich: das ist der Punkt, der für das Halten einer Position über Nacht anfällt. Er ergibt sich aus dem Zinsdifferenzial zwischen den Währungen des Paares — deshalb kann eine Richtung positiv und die andere negativ sein. Im Intraday-Handel ist der Swap unerheblich, bei einer über Wochen gehaltenen Position lohnt es sich aber, die Swap-Tabelle vor der Eröffnung zu prüfen.

Ist eine Short-Position riskanter als eine Long-Position?

Im Forex-Markt praktisch nicht. Der maximale Verlust ist in beiden Richtungen gleich, weil er durch dein Einlageguthaben und das geltende Hebellimit gedeckelt ist; ein Retail-Kunde in der Europäischen Union ist darüber hinaus durch den Negativsaldoschutz abgesichert. Das ist ein grundlegender Unterschied zum Leerverkauf von Aktien, bei dem der Verlust theoretisch unbegrenzt ist, weil eine Aktie ohne Obergrenze steigen kann. Währungspaare bewegen sich in deutlich engeren Spannen, selten mehr als ein niedriger zweistelliger Prozentsatz pro Jahr, sodass das Risiko extremer Bewegungen begrenzt ist. Zu beachten bleibt jedoch: Laut ESMA-Daten verlieren zwischen 74 und 89 Prozent der Retail-Kundenkonten Geld beim CFD-Handel — unabhängig von der Richtung.

Was bedeutet EUR/USD kaufen — kaufe ich Euro oder Dollar?

Du kaufst die Basiswährung — die zuerst genannte — und bezahlst dafür mit der Kurswährung, der zweiten. Bei EUR/USD bedeutet das: EUR/USD kaufen heißt, Euro gegen Dollar zu erwerben; EUR/USD verkaufen heißt, Euro gegen Dollar zu veräußern. Dieselbe Regel gilt für jedes Paar: Die erste Währung ist die, die du bei einer Long-Position (Kaufposition) tatsächlich erhältst, die zweite ist die, mit der du zahlst. Die Richtung lässt sich so einfach merken: Wenn du erwartest, dass die Basiswährung stärker wird, öffnest du eine Kaufposition; wenn du erwartest, dass sie schwächer wird, öffnest du eine Verkaufsposition.

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