In diesem Artikel
Nach diesem Artikel kannst du …
- Du trennst Anfrage, Quote und Fill.
- Du rechnest Slippage gegen die richtige Referenz.
- Du prüfst kompatible Zeitbasen.
- Du unterscheidest Wholesale-Code und deutsche Vertragspflichten.
Begriffe direkt erklärt
Ausführungsabweichung (Slippage) Requote Liquiditätsanbieter OrderausführungDu klickst auf Kauf und erhältst keine Ausführung, sondern eine Ablehnung. Zwischen sichtbarem Quote und bestätigtem Trade liegen Annahmebedingungen. Frage zuerst nach dem Status und dokumentierten Grund. Weder langsames Internet noch ein absichtlich missbrauchtes Prüfungsfenster darf ohne weitere Belege als sichere Ursache behauptet werden.
Was wird beim Last Look geprüft?
Ein kursstellender Liquiditätsanbieter reserviert nach seinen offengelegten Bedingungen eine abschließende Prüfung, bevor er die Anfrage akzeptiert oder ablehnt. Validität betrifft die zulässige Anfrage, Preisprüfung die verwendete Kursreferenz und Toleranz. Das sichtbare Angebot ist unter diesem Mechanismus keine bedingungslose Ausführungszusage. Die Dauer muss zum tatsächlichen Anbieterprozess passen; hier wird keine marktweite typische Millisekundenrange behauptet.
Auch eine Börse führt nicht jeden Klick sofort und bedingungslos aus. Matching folgt ihren Regeln, Auftragsart und verfügbaren Gegenorders. Der strukturelle Unterschied betrifft die vorbehaltene Anbieterprüfung, nicht eine universelle Börsengarantie. Ein ECN- oder Market-Maker-Label verrät seinerseits nicht, welche Stufe einer bestimmten Retail-Anfrage Last Look verwendet.
Warum gibt es diese Prüfung?
Ein Anbieter stellt auf mehreren elektronischen Wegen Kurse, während Informationen und Systeme unterschiedlich schnell reagieren. Ein inzwischen veralteter Quote kann ihn Latenzarbitrage aussetzen. Die abschließende Prüfung kann dieses Risiko begrenzen. Daraus folgt kein garantierter engerer Spread und keine bessere Ausführung für jeden Kunden. Eine abgelehnte Anfrage lässt den Kunden möglicherweise weiterhin einem anderen Preis ausgesetzt.
Bewerte daher Quote, Annahmequote, Wartezeit und anschließende Ausführung gemeinsam. Ein eigenständiger Diagnosefall enthält zwei Anfragen gleicher Größe: eine Annahme und eine Ablehnung. Du besitzt nur den Fill der Annahme, aber keine kompatible Referenz für die Ablehnung. Eine Slippage-Auswertung darf diese fehlende Vergleichsgröße nicht mit null ersetzen. Markiere stattdessen den ungefüllten Status und die fehlende Referenz; berichte Annahmen, Ablehnungen und tatsächlich auswertbare Fills als getrennte Zähler. So zeigt die Dokumentation ausdrücklich, welche Frage deine Daten beantworten und welche offen bleibt. Eine günstige Werbezahl beantwortet nicht, wie viel tatsächlich handelbare Menge zustande kam. Der Begriff toxischer Flow beschreibt in diesem Zusammenhang das Anbieterproblem; er ist weder ein moralisches Urteil über jeden Kunden noch Beweis eines konkreten Missbrauchs.
Wie wirkt die Richtung im hypothetischen Ask-Beispiel?
Das ausdrücklich erfundene Modell verlangt einen EUR/USD-Kauf am Ask 1,0850 und nimmt 50 Millisekunden Prüfung an. Steigt der relevante Ask auf 1,0851, lehnt unsere einseitige Regel die alte Anfrage ab. Ein neuer Kauf müsste einen neuen verfügbaren Quote und eine weitere Annahme verwenden. Es entstand noch kein Fill und damit nicht automatisch ein realisierter Ein-Pip-Verlust.
Fällt Ask dagegen auf 1,0849, akzeptiert dieselbe Modellregel den ursprünglichen Preis 1,0850. Der Fill liegt einen Pip über dem späteren Ask, aber genau auf dem verlangten Preis. Gegenüber diesem Anfragepreis ist Slippage null. Vergleiche nicht stillschweigend einen alten Fill mit einer anderen späteren Referenz, um daraus Slippage zu machen.
Für hypothetische 10.000 EUR Basisvolumen entspricht die Preisrelation 0,0001 USD/EUR einem USD beziehungsweise rund 0,91 EUR bei nur angenommener 1,10 USD/EUR. Das ist ein Referenzabstand, kein zusätzlicher gebuchter Verlust. Der modellierte volle Fill benötigt weiterhin Exit und Kosten für ein abgeschlossenes P/L. Die Regel ist keine Messung eines echten Brokers.
Was bedeuten symmetrisch und asymmetrisch?
Eine symmetrische Prüfung verwendet vergleichbare Toleranzen für beide Preisrichtungen, eine asymmetrische unterschiedliche Behandlung. Die konkrete Referenz, Richtung und mögliche Preisverbesserung sind mitzulesen. Keines der Wörter beweist allein Fairness, Betrug oder bestimmte Kosten. Frage nicht nur nach dem Etikett, sondern nach Kriterien, Schwellen und Annahmebedingungen.
Eine Häufung ungünstiger Ablehnungen kann weitere Untersuchung begründen, identifiziert aber nicht jede Ursache. Fehlende Quotes, unterschiedliche Größen, Anfragearten oder Zeitmessungen können den Vergleich verändern. Trenne ungefüllte Anfrage, späteres Angebot und tatsächlich ausgeführten Preis. Mutmaßliches Stop Hunting betrifft andere Behauptungen über Schutzorders und Kursverhalten.
Warum lassen sich zwei Uhren nicht direkt abziehen?
Unser Modell protokolliert Client-Senden bei 100 Millisekunden ab dessen Ursprung, Server-Eingang bei 96 Millisekunden ab einem anderen Ursprung und Client-Antwort bei 116 Millisekunden auf der ersten stabilen Uhr. Zulässige Antwortdauer auf derselben Clientskala: 116 minus 100 gleich 16 Millisekunden. Die Differenz zu 96 mischt nicht synchronisierte Zeitbasen. 16 ms ist Antwortdauer; Server 96 allein bestimmt kein Prüfungsfenster.
Daraus folgt weder negative Transportdauer noch ein isoliertes 16-Millisekunden-Last-Look-Fenster. Transport, Validierung, Preisprüfung, weitere Verarbeitung und Antwort sind hier nicht getrennt gemessen. Für das eigentliche Fenster brauchst du dessen beide Grenzen auf einer vergleichbaren Skala. Dokumentiere Uhrquelle, Synchronisation und Messfehler, bevor Client- und Serverwerte ein angebliches Verhalten belegen sollen.
Auch zwei sauber datierte Antworten können Annahme und Ablehnung sein. Unser zweites Modell enthält acht Annahmen nach fünf und zwei Ablehnungen nach 80 Millisekunden: Gesamtdurchschnitt 20 Millisekunden, Durchschnitt der Annahmen fünf. Zwanzig ist mittlere Antwortzeit aller zehn, keine mittlere Fill-Dauer. Zeige beide Gruppen, Stichprobengröße und fehlende Fälle.
Was sagt der Code, was gilt für Deutschland?
Der FX Global Code ist ein freiwilliger Wholesale-Rahmen guter Praxis. Principle 17 behandelt offenlegte Validitäts-/Preisprüfung und die Verwendung von Informationen während des Fensters. Er beschreibt zudem eine eng begrenzte dokumentierte Cover-and-Deal-Konstellation, bei der das vollständig gehandelte Volumen an den Kunden weitergegeben wird. Eine allgemeine pauschale Ausnahme für beliebigen Eigenhandel folgt daraus nicht.
Der Code selbst ersetzt ausdrücklich kein örtliches Recht. Die FCA-Stellungnahme von 2021 erklärt zusätzlichen Hold zur Beobachtung künftig günstiger Preise als unvereinbar mit den Codes. Das ist eine datierte britische Bewertung guter Praxis, keine neue deutsche Erlaubnisregel für jeden Retail-CFD-Broker. Bei deinem deutschen Vertrag sind anwendbare Pflichten und tatsächlicher Dienstleistungsweg separat maßgeblich.
Eine Code-Verpflichtung des Anbieters ist ein prüfbarer Hinweis auf dessen erklärten Rahmen, keine Aufsichtsempfehlung oder Beweis korrekter Einzelausführung. Für Retail-Ausführung ist auch die einschlägige Ausführungspolitik relevant. Ausführungszeit und Preisqualität bleiben verschiedene Kennzahlen.
Welche drei Unterlagen verbessern deine Diagnose?
- Stelle die konkrete Prozessfrage. Frage nach der Stufe deines Anfragewegs, verwendeter Referenz, Toleranzen in beiden Richtungen, erwarteter Prüfdauer und Ablehnungsgrund. Sichere Antwort und passende Ausführungspolitik mit Gesellschaft, Produkt und Version, statt eine allgemeine ECN-Werbeaussage als Erklärung zu verwenden.
- Bewahre vorhandene Logs getrennt nach Status. Ordne Senden, Antwort, Annahme, Ablehnung und Fill dem richtigen Auftrag zu. Dokumentiere Zeitquelle, Zone und Synchronisation; eine direkte Differenz unsynchronisierter Server-/Clientzahlen kann weder Prüfungsdauer noch unerlaubte Verzögerung bestimmen.
- Vergleiche passende Gruppen und Referenzen. Trenne alle Antworten von akzeptierten Fills sowie ursprünglichen Anfragepreis vom späteren Quote. Erhalte ungünstige und günstige Fälle, Größen und fehlende Werte; nutze bestehende Daten und eröffne keine Echtgeldposition nur als Infrastrukturtest.
Prüfe dein Verständnis
Etwa 2 Minuten Übung.
Antwort und Erklärung anzeigen
116−100=16 auf gleicher Skala; Serveruhr und isolierte Phasen sind nicht bestimmt.
Weitere Fragen
Beweist ein Requote, dass Last Look verwendet wurde?
Nein. Eine Ablehnung oder ein neues Angebot zeigt zunächst diesen Auftragsstatus. Prüfe dokumentierten Prozess, konkrete Stufe und Grund. Ein Plattformlabel oder einzelner Kursverlauf identifiziert keine bestimmte Prüfung. Vergleichbare vorhandene Logs können sinnvolle Fragen begründen, aber nicht jede Ursache entscheiden. Bei einer Retail-CFD-Anfrage sind der tatsächliche Vertrag und anwendbare Pflichten separat relevant; ein Wholesale-Rahmen ersetzt keine produktbezogene Ausführungsregel.
Ist ein Fill am ursprünglichen Ask trotz später besserem Ask Slippage?
Gegen den ursprünglich verlangten Preis nicht: Im Modell sind Anfrage und Fill beide 1,0850, spätere Ask-Referenz 1,0849. Der Ein-Pip-Abstand ist ein Unterschied zu diesem späteren Quote. Bei 10.000 EUR wären das rechnerisch ein USD, keine neu gebuchte Kostenposition. Nenne die Referenz ausdrücklich. Ein realisiertes Ergebnis benötigt außerdem Exit und übrige Kosten; ein ungefüllter abgelehnter Auftrag ist noch kein solcher Tradeverlust.
Wie misst du das Last-Look-Fenster aus Client- und Serverlogs?
Seine beiden Grenzen müssen auf vergleichbaren Zeitbasen vorliegen. Im Modell zeigt die stabile Clientuhr 100 bis 116 Millisekunden, also 16 Millisekunden Antwortdauer. Der Serverwert 96 stammt aus anderem Ursprung und ist nicht direkt abziehbar. Die Antwortdauer enthält hier nicht getrennte Phasen und beweist weder Last Look noch Missbrauch. Dokumentiere Synchronisation, Messfehler und Ereignistypen statt einen scheinbar präzisen falschen Zeitabstand zu berichten.
Erklärt der FX Global Code jede Anwendung für legal?
Nein. Er beschreibt freiwillige Wholesale-Good-Practice und ersetzt keine örtlichen Rechtsvorschriften. Principle 17 behandelt Transparenz, Preis-/Validitätsprüfung und eng definierte Informationsverwendung. Die FCA-Stellungnahme 2021 kritisiert zusätzliche Wartezeit zum Beobachten günstiger Zukunftspreise als codewidrig. Diese Einordnung ist keine pauschale deutsche Erlaubnis oder Einzelfallentscheidung. Prüfe tatsächlichen Prozess, Vertrag und anwendbare Dienstleistungspflichten; Code-Verpflichtung und korrekte Einzelausführung sind getrennte Nachweise.
Quellen und Nachvollziehbarkeit
- GFXC: FX Global Code, Principle 17
Wholesale-Good-Practice, keine gesetzliche Erlaubnis; Validitäts-/Preisprüfung, Offenlegung und eingeschränkter dokumentierter Cover-and-Deal-Fall.
- GFXC: Last-Look-Bericht
Anfragephasen, symmetrische/asymmetrische Prüfung und Offenlegung; Antwortzeit nicht identisch mit isoliertem Prüfungsfenster.
- FCA: Anerkennung der Codes,2021
Datierte britische Stellungnahme: zusätzlicher Hold zur Beobachtung günstiger zukünftiger Preise unvereinbar mit Codes; kein deutsches pauschales Legalitätsurteil.
- ESMA: MiFID II Artikel 27
Preis, Kosten, Geschwindigkeit und Ausführungswahrscheinlichkeit zusammen; keine universelle Null-Slippage-Regel oder Kostenamortisationspflicht.
Rechenfälle sind ausdrücklich angenommene Beispiele. Sie ersetzen weder aktuelle Marktdaten noch die Spezifikation deines Anbieters.
