In diesem Artikel
Nach diesem Artikel kannst du …
- Du unterscheidest Netzwerkantwort und vollständigen Fill.
- Du berechnest Slippage mit richtiger Kursseite und Währung.
- Du vergleichst erste, mittlere und letzte Teilausführung.
- Du dokumentierst Grenzen von Demo und eigenen Stichproben.
Begriffe direkt erklärt
Ausführungsabweichung (Slippage) Limit-Order Market-Order Last LookDie Plattform zeigt eine Reaktion nach 20 ms. Bedeutet das, dass deine komplette Order zu einem guten Preis ausgeführt wurde? Erst die Definition der Anzeige beantwortet diese Frage. Eine Netzwerkantwort, Annahmebestätigung und vollständige Ausführung sind verschiedene Ereignisse. Hier lernst du, Zeiten und Preise so zu dokumentieren, dass dein Vergleich tatsächlich dieselbe Leistung misst.
Was passiert zwischen Klick und tatsächlichem Fill?
Deine Plattform erstellt eine Anfrage und übermittelt sie an den Handelsserver. Dort können unter anderem Berechtigungen, Volumen, Margin und Auftragsbedingungen geprüft werden. Danach kann ein Auftrag ganz, teilweise oder gar nicht ausgeführt werden; die Antwort erreicht deine Oberfläche wiederum über eine Verbindung. Dieser Ablauf ist keine universelle Zusage einer bestimmten Reihenfolge aller internen Brokerprozesse.
Ein Klickzeitpunkt ist lokal gemessen. Ein Serverzeitpunkt, die sichtbare Bestätigung und ein Deal-Zeitstempel können andere Uhren und Genauigkeiten verwenden. Beschrifte daher Herkunft, Zeitzone und Auflösung, bevor du Zeiten voneinander abziehst. Eine Anzeige „20 ms“ ohne Messpunkte sagt weder, dass alle Teile erledigt wurden, noch welchen Preis du bekommen hast.
Auch Status zählt: angenommen, teilweise ausgeführt, vollständig ausgeführt und abgelehnt sind nicht austauschbar. Bei einem Limitauftrag kann eine kurze Bestätigung mit langem oder ausbleibendem Fill zusammengehen. Eine Begrenzung des zulässigen Preises schließt die Möglichkeit einer Nichtausführung nicht aus.
Welche Ausführungsarten kann MetaTrader verwenden?
MetaTrader 5 beschreibt Instant, Request, Market und Exchange Execution. Die konkrete Symbol- und Brokerkonfiguration bestimmt, welche Art verfügbar ist. Bei Instant kann etwa eine neue Preisbestätigung verlangt werden, während Market Execution ohne weitere Preisverhandlung nach den dafür geltenden Bedingungen erfolgt. Keine dieser Bezeichnungen allein garantiert den gewünschten Preis oder die vollständige Annahme.
ECN, Market Maker und STP betreffen andere Ebenen wie Technik, Gegenpartei und Weiterleitung beziehungsweise Absicherung. Ein Broker kann gegenüber dir Gegenpartei sein und dennoch externe Liquidität zur Absicherung nutzen. Aus einer schnellen Reaktion folgt deshalb kein bestimmter Vertragsweg. Auch Last Look ist vom nachträglichen Ändern eines bereits bestätigten Fills zu unterscheiden.
Ein VPS kann Verbindung und Laufzeit deiner eigenen Anwendung unterstützen. Er erzwingt weder Liquidität noch einen Ausführungspreis und entfernt nicht jede externe Verzögerung. Ein angeblicher Serverstandort oder eine niedrige Ping-Zahl beweist keine gemessene wirtschaftliche Verbesserung. Prüfe Systemausfälle und offene Aufträge weiterhin anhand der tatsächlichen Status- und Dealinformationen.
Wie rechnest du Slippage richtig?
Im hypothetischen EUR/USD-Kauf ist das dokumentierte Ask 1,08500, der tatsächliche Fill 1,08550. Die Differenz beträgt 0,00050; bei Pipgröße 0,0001 sind das fünf Pips ungünstige Abweichung. Für 100 000 EUR Basiswährungsmenge sind es 50 USD. Bei nur 10 000 EUR sind es fünf USD. Richtung, Kursseite und Menge gehören immer gemeinsam in die Rechnung.
Mit ausdrücklich angenommener Umrechnung 1,10 USD je EUR entsprechen 50 USD rund 45,45 EUR und fünf USD rund 4,55 EUR. Diese Rate ist keine historische Ausführungskursbehauptung. Ein Kauf-Fill von 1,08490 gegenüber demselben Ask von 1,08500 wäre dagegen ein Pip günstiger. Beim Verkauf ist ein höherer Fill gegenüber dem dokumentierten Bid günstig.
Verwende als Referenz keine Bid-Linie für einen Kauf, wenn du Preisabweichung gegenüber Ask bestimmen willst. Sonst vermischst du Spread und Slippage. Gewinn aus tatsächlichen Fills enthält die realisierten Preisbestandteile bereits; ziehe eine separate Slippage- und Spreadschätzung nicht nochmals davon ab. Ein Benchmarkvergleich und die Abstimmung eines gebuchten Ergebnisses sind verschiedene Auswertungen.
Was zeigen Teilabschlüsse über Geschwindigkeit?
Eine fiktive Ein-Lot-Order wird ab einem gemeinsamen, abgeglichenen Startzeitpunkt in drei Teilen ausgeführt: 0,50 Lot nach 50 ms, 0,30 Lot nach 80 ms und 0,20 Lot nach 900 ms. Die erste erfolgreiche Ausführung liegt bei 50 ms. Vollständig ist die Order erst nach 900 ms. Bei 80 ms bleiben noch 0,20 Lot offen.
50 ms erster Fill, 900 ms vollständig, 229 ms mengenbezogener Mittelwert.
- Erster Teil
- 0,50 Lot nach 50 ms – Erste Ausführung, Rest 0,50 Lot
- Zweiter Teil
- 0,30 Lot nach 80 ms – Gesamt 0,80 Lot, Rest 0,20 Lot
- Letzter Teil
- 0,20 Lot nach 900 ms – Jetzt vollständig
- Mengenmittel
- 229 ms – Kein Vollständigkeitszeitpunkt
Der mengenbezogene Zeitmittelwert beträgt 0,50 mal 50 plus 0,30 mal 80 plus 0,20 mal 900 gleich 229 ms. Er beschreibt die Verteilung der ausgeführten Menge, nicht den Zeitpunkt der Vollständigkeit. Ein Anbieter könnte einen Mittelwert veröffentlichen, obwohl für deine Anwendung der langsamste Rest entscheidend ist. Prüfe deshalb genau, welche statistische Größe eine Anzeige nennt.
Das Beispiel unterstellt vollständige Ausführung am Ende und eine gemeinsame Uhr. Bliebe der letzte Teil offen oder würde abgelehnt, dürfte er nicht mit erfundenen 900 ms als erfolgreich gefüllt eingehen. Auch eine mengenbezogene Durchschnittspreisrechnung braucht die tatsächlichen Teilpreise. Eine hübsche Gesamtzeile ersetzt nicht den Abgleich von Mengen, Status und Zeiten.
Was verlangt beste Ausführung für deutsche Retail-Kunden?
MiFID II Artikel 27 nennt mehrere Faktoren, darunter Preis, Kosten, Geschwindigkeit, Wahrscheinlichkeit der Ausführung und Abwicklung sowie Umfang und Art des Auftrags. Bei Kleinanlegern hat die Gesamtbetrachtung aus Preis und ausführungsspezifischen Kosten eine besondere Rolle. Das ist keine Verpflichtung, Geschwindigkeit in jedem Vorgang über alle anderen Faktoren zu stellen.
Konkrete Kundenanweisungen können beeinflussen, welche Elemente nach diesen Anweisungen behandelt werden. Lies die Ausführungsrichtlinie für Gesellschaft, Instrument und Handelsplatz beziehungsweise OTC-Ablauf. Eine Verfahrenspflicht ist kein Versprechen des besten denkbaren Preises bei jeder einzelnen Order. Auch ein Verlust oder eine Verzögerung allein beweist deshalb noch keinen Verstoß.
PFOF ist gesondert definiert und reguliert; es ist nicht dasselbe wie Last Look, Spread oder externe Absicherung. Verwende diese Begriffe nicht als pauschale Erklärung eines schlechten Fills. Ebenso ist eine kurzzeitige Preisspitze kein ausreichender Nachweis gezielter Stop-Manipulation. Du brauchst die passende Kursseite, Spezifikation, Zeit und Gegenbelege.
Wie untersuchst du deinen Verlauf ohne falsche Schlussfolgerung?
Ein kostenloses Demo hilft beim Verständnis von Orders und Status. IG erläutert auf seiner deutschen Demoseite Unterschiede gegenüber dem realen Handel. Simulierte Fills liefern keine belegte Live-Liquidität oder Slippage-Verteilung. Kennzeichne jede Beobachtung als Demo und jeden unbekannten Live-Faktor ausdrücklich, statt eine echte Einzahlung als notwendige Testbedingung anzusehen.
Eine eigene Auswertung sollte alle betrachteten Anfragen einbeziehen: erfolgreiche und teilweise Fills, Ablehnungen, ausbleibende Antworten und offene Restmengen. Sonst misst du nur den ausgewählten erfolgreichen Teil. Halte außerdem Handelszeitfenster, Symbol, Volumen, Netzwerkausfälle und Nachrichtenbedingungen fest. Unterschiedliche Ausgangslagen dürfen nicht als gleicher Brokervergleich erscheinen.
Untersuche Median, langsamere Fälle und Vollständigkeit getrennt. Wenige Dutzend eigene Vorgänge sind keine repräsentative Branchenstudie. Ein Ausreißer verdient eine belegte Nachfrage, aber keine erfundene Erklärung über absichtliche Verzögerung. Der praktische Gewinn ist eine präzisere Frage: Welche Menge war wann zu welchem Preis unter welcher dokumentierten Bedingung tatsächlich erledigt?
Was solltest du für die nächste Analyse vorbereiten?
- Definiere Messpunkte und Uhren. Beschreibe Anfrage, Bestätigung, ersten Fill und Vollständigkeit mit Quelle, Zeitzone und Genauigkeit. Kennzeichne unbekannte Werte und rechne nur Zeitdifferenzen, deren Uhren nachweislich zueinander passen und denselben Vorgang betreffen.
- Sichere Preise und Teilmengen. Notiere beim Kauf Ask, beim Verkauf Bid sowie jeden tatsächlichen Fill und seine Menge. Rechne Preisabweichung zuerst in der Quotierungswährung und ergänze eine klar benannte Kontowährungsumrechnung für den Vergleich.
- Erfasse den vollständigen Anfragesatz. Dokumentiere abgelehnte und offene Teile neben erfolgreichen Ausführungen. Trenne erstes Ereignis, vollständiges Ende und mengenbezogene Kennzahl; ein Mittelwert darf keinen noch offenen Rest als bereits erledigt darstellen.
- Prüfe Vertrag und Kostenbasis. Vergleiche die passende Ausführungsrichtlinie und Gebührenbestandteile mit deinen Belegen. Formuliere eine konkrete Nachfrage mit Kennungen und Zeitpunkt, ohne Simulation oder einzelne Abweichung schon als allgemeine Leistungs- oder Manipulationsaussage zu behandeln.
Prüfe dein Verständnis
Etwa 2 Minuten Übung.
Antwort und Erklärung anzeigen
Der letzte erforderliche Teil kommt bei 900 ms; der gewichtete Mittelwert ist eine andere Kennzahl.
Weitere Fragen
Ist eine angezeigte Verzögerung von 20 ms meine komplette Ausführungszeit?
Das lässt sich ohne Definition der Messpunkte nicht sagen. Die Anzeige kann etwa eine Netzwerkantwort betreffen, während Ordervalidierung oder Teilabschlüsse andere Ereignisse sind. Prüfe Start, Ende, Uhr, Zeitzone und Genauigkeit. Im fiktiven Teilmengenmodell liegt der erste Fill bei 50 ms, die Vollständigkeit erst bei 900 ms und der mengenbezogene Mittelwert bei 229 ms. Diese drei Werte beschreiben unterschiedliche Eigenschaften desselben Vorgangs und dürfen nicht als eine universelle Geschwindigkeit verwendet werden.
Wie viel kosten fünf Pips ungünstige Abweichung bei 0,10 Lot EUR/USD?
Unter der hypothetischen Spezifikation von 100 000 EUR je Lot und Pipgröße 0,0001 sind 0,10 Lot gleich 10 000 EUR. Ein Pip ist dann ein USD, fünf Pips sind fünf USD. Mit ausdrücklich angenommener 1,10-USD/EUR-Umrechnung wären es rund 4,55 EUR. Vergleiche beim Kauf den dokumentierten Ask mit dem tatsächlichen Fill. Die Rechnung beschreibt eine Preisabweichung gegenüber dem Benchmark; ein bereits aus tatsächlichen Fills berechnetes Ergebnis darf nicht nochmals damit belastet werden.
Macht ein VPS meinen Stoppreis garantiert?
Nein. Ein VPS kann deine eigene Anwendung und Verbindung unterstützen, garantiert aber weder verfügbare Liquidität noch Annahme oder Fillpreis einer Order. Ein gewöhnlicher Stop ist nicht allein dadurch ein garantierter Stop. Prüfe Ausführungsart, Instrument, Vertragsbedingungen und tatsächlichen Status. Ein niedriger Ping und ein beworbener Serverstandort sind ebenfalls kein Beleg gemessener Preisverbesserung. Bei einer Störung bleiben Orderkennungen, Zeitquellen, offene Restmengen und der konkrete Handelsserver wichtige Elemente für die Nachprüfung.
Beweist ein guter Demo-Test die Live-Slippage des Brokers?
Er zeigt zunächst die simulierte Bedienung und den beobachteten Demo-Ablauf. Daraus folgt keine gleiche reale Liquidität, Annahmerate oder Preisverteilung. Die deutsche IG-Demobeschreibung nennt eigene Unterschiede zum Live-Handel. Dokumentiere deshalb den Testtyp und die noch unbekannten Faktoren. Für eine eigene Auswertung brauchst du zudem alle betrachteten Anfragen einschließlich Ablehnungen und Teilfills. Eine kleine Auswahl erfolgreicher Vorgänge ist weder eine repräsentative Brokerstudie noch ein Nachweis universell schneller Ausführung.
Quellen und Nachvollziehbarkeit
- Meta Quotes: Grundprinzipien des Handels
Kontogrößen, Order/Deal/Position und unterschiedliche Kontenmodelle; keine Garantie einer Brokerleistung.
- Meta Quotes: Deal Properties
Canceled buy/sell, Nullstellung eines revidierten Ergebnisses und getrennte Saldenoperation; technische Form, keine rechtliche Bewertung.
- Meta Quotes: Trades ausführen
Symbolabhängige Ausführungsmodi, Requotes und Handelsberichte; Softwaremodus garantiert weder Annahme noch einen bestimmten Preis.
- ESMA Single Rulebook: MiFIR Artikel 39a
PFOF-Verbot im definierten Retail-/opt-in-professionellen Umfang, Ende der befristeten nationalen Ausnahme am 30.06.2026 und eng abgegrenzte kundenzugute kommende Handelsplatzrabatte.
- IG Deutschland: Demokonto
Anbietereigene Angaben zu Simulation und Unterschieden gegenüber Live-Handel; kein unabhängiger Ausführungsnachweis.
- GFXC: FX Global Code, Dezember 2024
Prinzip 17 zu Last Look vor Annahme oder Ablehnung; freiwillige gute Praxis im Großhandels-FX, keine universelle Erlaubnis nachträglicher Retail-Korrekturen.
Rechenfälle sind ausdrücklich angenommene Beispiele. Sie ersetzen weder aktuelle Marktdaten noch die Spezifikation deines Anbieters.
