Ein Aufsichtslogo schützt nicht automatisch jeden Vertrag unter derselben internationalen Marke. MiFID II gilt für bestimmte Wertpapierdienstleistungen und Finanzinstrumente. Welche Pflichten dein Konto betreffen, hängt von der vertragsschließenden Gesellschaft, ihrer Berechtigung, der Dienstleistung und deinem Kundenstatus ab. Die Regeln schaffen Prüfungen und Informationspflichten; sie versprechen keinen Anlagegewinn.

Richtlinie und Verordnung unterscheiden

MiFID II ist die Richtlinie 2014/65/EU und wird seit dem 3. Januar 2018 angewendet. Eine Richtlinie benötigt nationale Umsetzung. Die begleitende MiFIR ist dagegen eine Verordnung. Für den deutschen Zusammenhang sind unter anderem die Kundenschutzregeln im Wertpapierhandelsgesetz maßgeblich.

Eine Erlaubnis einer Konzerngesellschaft gilt nicht automatisch für eine andere. Gleiche die Gesellschaft im Vertrag mit dem offiziellen Register und den konkreten Berechtigungen für Deutschland ab. Das Vereinigte Königreich hat inzwischen einen eigenen nationalen Rahmen; eine FCA-Zulassung allein ist kein EU-Pass. Eine historische Beschreibung einer Reform ersetzt keine Prüfung der heute geltenden Fassung.

Was du als Kunde konkret prüfst

MiFID II ersetzte den früheren Rahmen und erweiterte dessen Regeln. Für dein Konto sind drei Fragen hilfreicher als ein allgemeines Sicherheitsversprechen: Welche Informationen muss die Firma liefern? Was muss sie über dich erfragen? Nach welchen Grundsätzen wird dein Auftrag ausgeführt? Die Antworten unterscheiden sich nach Dienstleistung und Instrument.

Eine verständliche Kosteninformation ist eine Grundlage für einen Vergleich, aber kein Beweis, dass Abrechnungsfehler unmöglich sind. Auch Produktüberwachung und Zielmarktprüfung ersetzen deine eigene Kenntnis der Vertragsrechte nicht. Trenne eine Erlaubnis zur Dienstleistung von der wirtschaftlichen Eignung einer konkreten Handelsidee.

Best Execution und Kosten sauber kontrollieren

Nach § 82 WpHG sind unter anderem Preis, Kosten, Geschwindigkeit sowie Wahrscheinlichkeit der Ausführung und Abwicklung relevant. Für Privatkunden orientiert sich das bestmögliche Ergebnis am Gesamtentgelt. Lies die Ausführungsgrundsätze und die Wirkung einer ausdrücklichen Weisung. Best Execution bedeutet keine Garantie, bei jedem Tick den günstigsten sichtbaren Preis zu erhalten.

Die ESMA-Erklärung von Februar 2024 trennt Änderungen der RTS-28-Veröffentlichung von der weiterbestehenden Pflicht zur bestmöglichen Ausführung. Alte Top-Fünf-Berichte sind deshalb weder eine universell aktuelle Jahrespflicht noch der einzige denkbare Nachweis. Prüfe die Ausführungsgrundsätze und einen konkreten Auftrag, statt das Fehlen eines alten Formats als Ende der Ausführungspflicht zu deuten.

Ein hypothetischer Kostenabgleich: Für einen klar definierten Zeitraum und eine feste Vergleichsbasis von 10.000 EUR wurden 80 EUR geschätzt, tatsächlich 100 EUR ausgewiesen. Die Differenz beträgt 20 EUR; der tatsächliche Betrag entspricht 1 % dieser Basis, die Schätzung 0,8 %. Das Modell verwendet keine Einzahlungen oder wechselnden Bezugsgrößen. Es ist weder eine Gebührenquote eines realen Anbieters noch eine steuerliche Berechnung.

Prüfe, welche Kosten bereits in deinem Preisresultat stecken. Ein Gewinn aus tatsächlichen Geld-/Brief-Ausführungspreisen enthält deren Spanne bereits; sie nochmals abzuziehen wäre eine Doppelzählung. Voraussichtliche Kosten, tatsächlich entstandene Kosten und deren prozentuale Bezugsbasis sind getrennte Angaben.

Angemessenheit, Geeignetheit und Einstufung

Angemessenheit nach Artikel 25 Absatz 3 betrifft relevante Kenntnisse und Erfahrungen. Geeignetheit für Anlageberatung oder Portfolioverwaltung nach Absatz 2 umfasst zusätzlich finanzielle Verhältnisse samt Verlusttragfähigkeit und Anlageziele einschließlich Risikotoleranz. Für bestimmte reine Ausführungsdienste und Instrumente gibt es bedingte Ausnahmen nach Absatz 4. Ein CFD-Wissenstest ist weder Identitätsprüfung noch Gewinnprognose.

Eine fiktive Kundin kann die CFD-Mechanik erklären, hat aber nichts zu ihrem finanziellen Spielraum oder einer geplanten Ausgabe in sechs Monaten mitgeteilt. Produktwissen beantwortet nur einen Teil des Beratungsprofils. Aus den fehlenden Informationen folgt hier kein fertiges Testergebnis; sie zeigen lediglich, warum bei einer anderen Dienstleistung weitere Fragen nötig sind.

Mehr Fragen bei einer anderen DienstleistungVereinfachte Bereiche nach MiFID II Artikel 25, keine individuelle Fragebogenauswertung.RECHEN- UND LERNBEISPIELAngemessenheitKenntnisse undErfahrungenGeeignetheitZusätzlich finanzielleLage undVerlusttragfähigkeitGeeignetheitZusätzlich Anlagezieleund Risikotoleranz
Mehr Fragen bei einer anderen Dienstleistung. Vereinfachte Bereiche nach MiFID II Artikel 25, keine individuelle Fragebogenauswertung.

CFD-Wissen ersetzt bei Beratung oder Portfolioverwaltung keine Angaben zu Verlusttragfähigkeit und Zielen.

Angemessenheit
Kenntnisse und Erfahrungen – Artikel 25 Absatz 3; relevante Dienstleistung und Produkt.
Geeignetheit
Zusätzlich finanzielle Lage und Verlusttragfähigkeit – Artikel 25 Absatz 2 bei Beratung oder Portfolioverwaltung.
Geeignetheit
Zusätzlich Anlageziele und Risikotoleranz – Fiktives Profil unvollständig; kein fertiges Ergebnis.

Bei einer möglichen Einstufung eines Privatkunden als professionell verlangt § 67 WpHG Bewertung und Verfahren. Mindestens zwei von drei Kriterien sind erforderlich: durchschnittlich zehn Geschäfte von erheblichem Umfang je Quartal im relevanten Markt während des letzten Jahres; Bankguthaben und Finanzinstrumente von mehr als 500.000 EUR; oder mindestens ein Jahr einschlägige berufliche Kapitalmarkttätigkeit. Das Unternehmen muss schriftlich auf den Verlust privater Schutzvorschriften hinweisen, der Kunde dies schriftlich bestätigen.

Ein eigener Schwellentest: Genau 500.000 EUR erfüllen „mehr als“ nicht. Zehn Geschäfte je Quartal wären zudem nur dann relevant, wenn Markt und erheblicher Umfang passen. Die fiktiven Quartalszahlen acht, zwölf, neun und elf ergeben zwar im Mittel zehn; sie belegen allein weder die übrigen Voraussetzungen noch eine abgeschlossene Einstufung. Zwei erfüllte Kriterien ändern das Konto nicht automatisch und gewähren keinen festen Hebel.

CFD-Schutzregeln sind eine separate Ebene

Die ESMA nutzte 2018 Produktinterventionsbefugnisse der MiFIR für vorübergehende Retail-CFD-Maßnahmen. Für Deutschland prüfst du die einschlägige nationale Maßnahme und Kundenkategorie. Eine erlaubte Hebelgrenze unterscheidet sich von tatsächlicher Exposition, Margin-Close-out und Schutz vor negativem Saldo. Diese Schutzmechanismen sind keine Garantie einer Stopausführung oder einer profitablen Position.

Keine pauschalen Schlüsse aus Sitz oder Status

Ein ausländischer Sitz beweist weder die Erlaubnis, deutsche Kunden anzusprechen, noch das automatische Fehlen sämtlicher vertraglicher Schutzrechte. Prüfe die konkrete Berechtigung und Vertragslage. Professionelle Behandlung kann gesetzliche Retailschutzregeln entfallen lassen; ein Anbieter kann daneben eigene vertragliche Zusagen machen. Bei Brokerinsolvenz sind operative Vorkehrungen und Entschädigungsberechtigung ebenfalls verschiedene Fragen. Der Kundenstatus verdient deshalb eine eigenständige Prüfung.

Vier Prüfungen vor einem Vertragsvergleich

  1. Entnimm in zehn Minuten deinem Mustervertrag den vollständigen Gesellschaftsnamen und gleiche ihn mit dem offiziellen Aufsichtsregister ab. Notiere Dienstleistung und Berechtigung für Deutschland neben der Marke; dein Ergebnis soll zeigen, welche juristische Person tatsächlich verpflichtet ist und welche Angaben noch fehlen.
  2. Vergleiche eine Kosteninformation mit dem passenden Kontoauszug für denselben Zeitraum und dieselbe Bezugsbasis. Rechne den hypothetischen Unterschied zwischen 80 und 100 EUR nach und markiere bereits enthaltene Spreads; eine konkrete Abweichung soll geprüft werden, ohne denselben Kostenposten doppelt abzuziehen.
  3. Ordne die Fragen eines fiktiven Kundenprofils in Produktwissen, finanzielle Verhältnisse und Anlageziele ein. Halte daneben fest, ob Ausführung, Beratung oder Verwaltung beschrieben ist; dein Ergebnis soll erklären, weshalb zusätzliche Informationen nötig sein können, ohne eine individuelle Geeignetheit zu behaupten.
  4. Prüfe schließlich den dokumentierten Kundenstatus und lies jede Warnung zu entfallenden Schutzrechten vollständig. Vergleiche gesetzliche Regeln und vertragliche Zusagen getrennt, bevor du einen höheren Hebel bewertest; zwei Kriterien oder ein professionelles Etikett ersetzen weder die vorgeschriebene Bewertung noch das schriftliche Verfahren.