Broker-Kontotypen: Standard, ECN, Raw — welchen wählen?

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Risikohinweis · YMYL Dieser Artikel dient ausschließlich zu Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel am Forex-Markt birgt ein hohes Risiko des Kapitalverlusts — die ESMA berichtet, dass zwischen 74 % und 89 % der Privatanlegerkonten Verluste erleiden.

Christoph eröffnete sein erstes Konto, weil er die größte Anzeige auf der Seite angeklickt hatte: „Spreads ab 0,0 Pips". Einen Monat später stellte er fest, dass für jeden Trade eine separate Kommission abgebucht wurde, von der er nirgends gelesen hatte — der Gesamtkostenaufwand lag höher als beim schlichten Konto seines Nachbarn. Das war kein Broker-Trick: Christoph hatte einfach eine einzige Zahl verglichen statt das Gesamtbild. Derselbe Broker bietet typischerweise mehrere Kontotypen an: Standard, ECN oder Raw, manchmal Cent oder Swap-free. Sie unterscheiden sich nicht in der „Qualität", sondern nur darin, wo die Kosten versteckt sind. In diesem Artikel vergleiche ich diese Varianten nach Kosten und Einfachheit, damit du den Typ wählen kannst, der zu deinem Profil passt.

Das Standard-Konto — Kosten im Spread verborgen

Das Standard-Konto ist das einfachste Abrechnungsmodell. Der Broker erhebt keine separate Kommission auf einen Trade — seinen gesamten Ertrag rechnet er über den Spread ab, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Auf EUR/USD bedeutet das typischerweise einen Spread von etwa ein bis zwei Pips statt des rohen Marktwertes nahe null. Für dich ergibt sich daraus eine einzige praktische Konsequenz: Die Kosten jedes Trades betragen schlicht den Spread multipliziert mit dem Pip-Wert deiner Position. Es gibt keine zweite Zahl, die du hinzuaddieren musst, keine separate „Kommission"-Zeile auf dem Kontoauszug.

Diese Einfachheit ist am Anfang ein echter Vorteil. Wenn du gerade erst lernst, Aufträge zu platzieren, einen Stop Loss zu setzen und einen Kontoauszug zu lesen, ist eine einzige Kostenzahl leichter zu überblicken als zwei. Bei niedrigem Volumen — einige Trades pro Woche auf Mikro-Lots — ist der breitere Spread in absoluten Zahlen immer noch Kleingeld, der Kostendruck also gering. Deshalb rate ich Einsteigern in den ersten Monaten gewöhnlich davon ab, dem „rohen Spread" hinterherzujagen: Der Unterschied ist ohnehin marginal, und ein einfacheres Kostenmodell hilft dir, dich auf das zu konzentrieren, was den Ausschlag wirklich gibt — Einstiegsselektion und Risikomanagement.

ECN-, Raw- und Pro-Konten — Rohspread plus Kommission

Konten mit der Bezeichnung ECN, Raw oder Pro funktionieren umgekehrt. Der Broker zeigt dir einen Spread sehr nahe null — den Rohpreis von Liquiditätsanbietern — und holt seinen Ertrag als separate, sichtbare Kommission für jedes umgesetzte Lot. Auf EUR/USD kann der Spread auf ein Zehntel eines Pips fallen, während die Kommission bei einem typischen Broker etwa 3.50 USD pro Lot pro Seite beträgt, also rund 7 USD für einen vollständigen Round Turn. Die Bezeichnungen können irreführen, und in der Praxis behandle ich sie austauschbar: „Raw" betont den rohen Spread, „ECN" impliziert ein No-Dealing-Desk-Ausführungsmodell, „Pro" ist schlicht ein Marketinglabel für dieselbe Idee.

Für wen lohnt sich das? Für aktive Trader mit höherem Volumen — Scalper oder Day Trader, die täglich viele Positionen schließen. Je mehr Lots du umsetzt und je enger der tatsächliche Spread ist, desto deutlicher sinken die Gesamtkosten unter das, was du über den breiten Spread eines Standard-Kontos zahlen würdest. Wenn du Scalping in Betracht ziehst, habe ich den Kostenunterschied im Bereich Broker wählen detailliert aufgeschlüsselt. Die Wahl zwischen diesem Modell und einem Standard-Konto ist ein enger Ausschnitt der breiteren Frage nach Spread versus Kommission — denn entscheidend ist die Summe beider Komponenten, nie nur eine davon.

„Was dein Ergebnis am Devisenmarkt auffrisst, ist nicht ein einzelner schlechter Trade, sondern die Transaktionskosten, die sich hunderte Male wiederholen. Solange du sie nicht vollständig zusammenrechnest, handelst du im Dunkeln." — Kathy Lien, Day Trading and Swing Trading the Currency Market, Wiley, 2016

Cent-, Swap-free- und Demo-Konten — die Hilfskonten

Neben den zwei Hauptmodellen bieten Broker einige Konten mit engerem Anwendungsbereich. Ein Cent-Konto führt Guthaben und Ergebnis in Cent, sodass eine Einzahlung von 100 USD als 10.000 Cent erscheint und die Positionen entsprechend mikroskopisch sind. Es ist eine Brücke zwischen Demo und einem vollwertigen Live-Konto: Echte Ausführung und echte Slippage (Kursschlupf) gelten, doch ein einzelner Fehler kostet Pfennige. Ein Demo-Konto hingegen verwendet nur virtuelles Geld — ausgezeichnet zum Erlernen der Plattformmechanik, wertlos für das Psychologietraining, weil es nicht wehtut.

Ein Swap-free-Konto, auch islamisches Konto genannt, verzichtet auf die Swap-Punkte (Rollover / Übernachtfinanzierung), die für das Halten einer Position über Nacht anfallen — es wurde geschaffen, um den Regeln religionskonformer Finanzen zu entsprechen, die Zinsen verbieten. Der Broker kompensiert den entfallenden Swap auf andere Weise, am häufigsten durch einen breiteren Spread oder eine feste Gebühr bei längerer Haltedauer. Für Trader ohne religiösen Grund lohnt sich dieses Konto selten, weil die versteckten Kosten die Swap-Ersparnis üblicherweise überwiegen. Betrachte es als Lösung für einen spezifischen Bedarf, nicht als Weg zu günstigerem Trading.

Wie man die Gesamtkosten berechnet — ein Rechenbeispiel

Die gesamte Entscheidung läuft auf eine einzige Rechnung hinaus: Berechne die Gesamtkosten als Spread plus Kommission, umgerechnet auf dieselben Einheiten. Nehmen wir ein illustratives Beispiel zweier Konten beim selben Broker auf EUR/USD. Beim Standard-Konto beträgt der Spread 1.2 Pips, keine Kommission — die Kosten sind schlicht 1.2 Pips. Beim Raw-Konto liegt der Spread bei 0.2 Pips, und eine Kommission von 7 USD pro Lot Round Turn entspricht ungefähr 0.7 Pips des Positionswerts — zusammen rund 0.9 Pips. Die Zahlen sind illustrativ, die Proportion jedoch realistisch.

Die Schlussfolgerung hängt vom Maßstab ab. Bei einem vollen Lot ist das Raw-Konto günstiger — 0.9 Pips gegen 1.2 Pips ist eine Ersparnis, die sich bei häufigem Handel zu echtem Geld summiert. Bei einem Mikro-Lot von 0.01 ist dieselbe Differenz buchstäblich Pfennige pro Trade, und das Standard-Konto gewinnt durch seine Abrechnungseinfachheit. Es gibt also keine einzig „bessere" Antwort — nur eine Passgenauigkeit zu deinem Volumen und deiner Häufigkeit. Bevor du auf die beworbene Spread-Zahl klickst, führe dieselbe Rechnung für deine tatsächliche Positionsgröße durch.

Marketing-Fallen bei der Kontotyp-Wahl

„Raw" und „ECN" sind heute vor allem Marketingbegriffe und bedeuten nicht immer das, was sie nahelegen. Manche Broker werben mit einem „Rohspread ab 0.0", ohne die Höhe der Kommission zu nennen, oder geben sie „per Seite" an, in der Erwartung, dass du diese Zahl als Kosten des gesamten Trades liest. Andere nennen ein Konto „ECN", obwohl darunter die Aufträge intern gematcht werden, ohne echten Zugang zu externer Liquidität. Das Label auf dem Konto ist kein Beweis für niedrige Kosten oder ein bestimmtes Ausführungsmodell — entscheidend ist, was du tatsächlich zahlst und wie Aufträge ausgeführt werden. Den Unterschied zwischen einem echten Marktmodell und einem internen beschreibe ich separat im Bereich Technische Konzepte, denn das ist eine andere Frage als die Wahl des Kontotyps bei einem einzelnen Broker.

Die zweite Falle ist die Verwechslung von Günstigkeit und Ausführungsqualität. Der engste Spread bedeutet wenig, wenn Aufträge rund um Datenpublikationen mit hoher Slippage ausgeführt werden oder die Plattform sie bei News-Events ablehnt. Bevor du überhaupt damit anfängst, Konten zu vergleichen, lohnt es sich, die vollständige Liste der Broker-Auswahlkriterien durchzugehen. Der Kontotyp ist der letzte Schritt, nicht der erste: zuerst ein sicherer, regulierter Broker mit guter Ausführung — BaFin-regulierte Anbieter bieten deutschen Nutzern ein besonders klares Rechtsgerüst —, danach die zu deinem Volumen passende Kontovariante.

Was jetzt zu tun ist

  1. Stelle zwei Kontotypen deines Brokers nebeneinander. Öffne die Kontospezifikationsseite und notiere für das Standard- und das Raw-Konto drei Zahlen auf EUR/USD: den typischen Spread, die Kommission pro Seite und die Kommission für einen vollständigen Round Turn. Wenn der Broker nur „pro Seite" angibt, multipliziere mit zwei, um die Round-Turn-Kosten für ein Lot zu erhalten.
  2. Berechne die Gesamtkosten für deine tatsächliche Positionsgröße. Nimm die Größe, die du tatsächlich handelst — zum Beispiel 0.1 Lot —, und berechne für beide Konten Spread plus Kommission in deiner Kontowährung pro einzelnem Trade. Erst diese eine Zahl pro Trade sagt dir, welches Konto in deinem Fall günstiger ist.
  3. Multipliziere die Kosten mit deiner Trade-Anzahl aus dem letzten Monat. Öffne deine Handelshistorie beim Broker, zähle, wie viele Trades du im Monat geschlossen hast, und multipliziere mit den Kosten eines Trades. Die monatliche Differenz zwischen den Konten zeigt dir in echtem Geld, ob ein Wechsel überhaupt in Betracht kommt.
  4. Bleib beim Standard-Konto, wenn du gerade anfängst — und notiere das. Halte in den ersten zwei bis drei Monaten eine einzige Kostenzahl und fokussiere dich auf dein Handelsjournal und das Risikomanagement. Zum Raw-Konto kehrst du bewusst zurück, sobald Volumen und Häufigkeit so weit gewachsen sind, dass die Kommission die Gesamtkosten tatsächlich senkt.
Jarosław Wasiński
Über den Autor

Jarosław Wasiński

Chefredakteur bei MyBank.pl · Finanz- und Marktanalyst

Unabhängiger Analyst und Praktiker mit über 20 Jahren Erfahrung im Finanzsektor. Gründer und Chefredakteur des Portals MyBank.pl, aktiv seit 2004. Fundamentalanalyse der Devisen- und Makromärkte seit 2007. Schreibt aus europäischer Marktperspektive im regulatorischen Rahmen von ESMA und BaFin.

Quellen und Literatur

  1. IC Markets Raw Spread Trading Account · Oficjalna specyfikacja rachunku Raw Spread: spread od 0,0 pipsa i prowizja 3,50 USD od lota na stronę — wzorzec konta typu raw/ECN z kosztem rozbitym na spread i prowizję. www.icmarkets.com ↗
  2. IC Markets Standard Forex Trading Account · Oficjalna specyfikacja rachunku standardowego u tego samego brokera: koszt wbudowany w spread (narzut od 0,08 pipsa), bez osobnej prowizji — wzorzec konta standardowego. www.icmarkets.com ↗
  3. Pepperstone Compare our trading accounts · Porównanie kont Standard i Razor: Standard z kosztem w spreadzie i bez prowizji, Razor z surowym spreadem od 0,0 i prowizją od 3,50 USD od lota na stronę — przykład tej samej oferty w dwóch wariantach. pepperstone.com ↗
  4. XTB What types of accounts do you offer? · Strona pomocy XTB potwierdzająca model konta z kosztem ujętym w spreadzie i bez osobnej prowizji na CFD — przykład brokera oferującego pojedynczy typ rachunku standardowego. www.xtb.com ↗

Häufig gestellte Fragen

Ist ein ECN- oder Raw-Konto immer günstiger als ein Standard-Konto?

Nein. Günstiger wird es in der Regel erst, wenn du mit einem nennenswerten Volumen handelst. Bei einem Raw-Konto zahlst du zwei Komponenten — einen engen Spread nahe null sowie eine separate Kommission pro Lot. Bei einem vollen Lot verteilt sich diese Kommission auf einen großen Positionswert, sodass die Gesamtkosten oft unter dem breiten Spread eines Standard-Kontos landen. Bei einem Mikro-Lot von 0.01 ist die Kommission in absoluten Zahlen jedoch so klein, dass der Unterschied gegenüber einem Standard-Konto auf Pfennige schrumpft, und das Standard-Konto kann bequemer sein, weil du nur eine Zahl im Blick hast. Die Regel ist einfach: Vergleiche die Gesamtkosten aus Spread plus Kommission für deine tatsächliche Positionsgröße und Handelsfrequenz — nicht die beworbene Spread-Zahl allein.

Was bedeuten „Round-Turn"- und „Per-Side"-Kommission beim Raw-Konto?

Das sind zwei Arten, dieselbe Gebühr anzugeben — und sie lassen sich leicht verwechseln. Eine „Per-Side"-Kommission gilt für eine Richtung des Trades: Sie wird beim Öffnen und nochmals beim Schließen separat berechnet. Eine „Round-Turn"-Kommission deckt den vollständigen Zyklus ab, Öffnen und Schließen zusammen. Gibt ein Broker 3.50 USD pro Lot pro Seite an, kostet ein vollständiger Round Turn eines Lots 7 USD. Manche Broker werben mit der niedrigeren Per-Side-Zahl in der Hoffnung, dass man sie als Kosten des gesamten Trades liest. Prüfe vor der Kostenberechnung, welche Konvention dein Broker verwendet, und rechne alles auf die Round-Turn-Kosten eines Lots um — erst dann ergibt der Vergleich mit einem Standard-Konto Sinn.

Eignet sich ein Cent-Konto zum echten Handelslernen?

Ein Cent-Konto ist eine sinnvolle Brücke zwischen Demo und einem vollwertigen Live-Konto, ersetzt aber keines der beiden. Guthaben und Ergebnis werden in Cent gezählt, sodass eine Einzahlung von 100 USD als 10.000 Cent erscheint, mit entsprechend mikroskopischen Positionen. Echte Ausführung, echter Spread und echte Slippage (Kursschlupf) gelten, weshalb deine Psychologie anders reagiert als auf einem Demo-Konto, auf dem das Geld virtuell ist. Gleichzeitig ist der Einsatz gering genug, dass ein einzelner Fehler keinen echten finanziellen Schaden anrichtet. Behandle ein Cent-Konto als die Phase, in der du testest, ob du deinem Plan treu bleiben kannst, wenn echtes, wenn auch winziges Geld auf dem Spiel steht — nicht als Weg zum Geldverdienen.

Lohnt sich ein Swap-free-Konto für einen Trader, der nicht Muslim ist?

Selten. Ein Swap-free-Konto, auch islamisches Konto genannt, wurde geschaffen, um den Regeln religionskonformer Finanzen zu entsprechen, die Zinsen verbieten — daher werden keine Swap-Punkte (Rollover / Übernachtfinanzierung) für das Halten einer Position über Nacht berechnet. Broker kompensieren den entfallenden Swap auf andere Weise: einen breiteren Spread, eine feste Verwaltungsgebühr bei längerer Haltedauer oder ein Tages-Limit, nach dem das Konto seinen Swap-free-Status verliert. Für einen Trader ohne religiösen Grund überwiegen diese versteckten Kosten üblicherweise die Swap-Ersparnis, besonders bei kurzfristigen Strategien, bei denen Positionen ohnehin nicht über Nacht gehalten werden. Wähle dieses Konto nur, wenn es dein Glaube erfordert, oder nachdem du sorgfältig bestätigt hast, dass die Gesamtkosten in deinem konkreten Fall tatsächlich niedriger ausfallen.

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