In diesem Artikel
Nach diesem Artikel kannst du …
- Du unterscheidest historische Tatsachen und hypothetische Fills.
- Du berechnest Gapverlust und Zusatzkosten in EUR.
- Du erkennst fehlende Wahrscheinlichkeiten im Stresstest.
- Du trennst deutschen Kontoschutz und Stopgarantie.
Begriffe direkt erklärt
Risiko extremer Verluste (Tail Risk) Ausführungsabweichung (Slippage) Negativsaldoschutz HebelobergrenzenDie SNB hob am 15. Januar 2015 den Mindestkurs von 1,20 CHF je EUR auf. Das ist durch ihre Mitteilung belegt. Ein bestimmter Kurssturz in Prozent oder der individuelle Fill eines Traders braucht dagegen Marktplatz- oder Brokerdaten. Ersetze diese Belege nicht durch die Behauptung, alle Stops hätten am gleichen ersten Preis ausgeführt.
Was bedeutet Schwarzer Schwan für deine Annahmen?
Talebs Begriffsrahmen verbindet Überraschung, starke Wirkung und Erklärungen im Rückblick, die das Ereignis vorhersehbarer erscheinen lassen. Überraschung hängt vom Wissen des Beobachters ab. Eine volatile Sitzung ist deshalb nicht automatisch für jeden Marktteilnehmer ein Schwarzer Schwan; das Etikett benennt auch keine Eintrittswahrscheinlichkeit.
Für eine Währungsposition prüfst du, welche Annahmen bei Preisen außerhalb deiner bisherigen Daten scheitern. Dass eine Zentralbank ihre Politik ändern kann, verrät weder Zeitpunkt noch Bewegung noch ausführbare Quotes. Ein Stresstest darf Folgen berechnen, ohne erfundene Häufigkeiten als Prognose auszugeben.
Warum garantiert ein gewöhnlicher Stop weder Preis noch Sofortschluss?
Ein gewöhnlicher Stop löst nach den konkreten Produktregeln einen Ausführungsauftrag aus. Triggerkonvention, Orderart, zulässige Abweichung und Ausführung hängen von Instrument, Handelsplatz und Broker ab. Eine Kurslücke kann einen erheblich schlechteren Fill erzeugen; je nach Regeln kommen Verzögerung, Teilausführung oder Ablehnung hinzu.
Ein angezeigter erster Quote beweist nicht, dass jede Menge dort sofort vollständig geschlossen wird. Prüfe den angenommenen Stop, tatsächliche Deals und verbleibendes Volumen. Ein noch sichtbarer Stopauftrag ist auch nicht dasselbe wie ein erfolgreich geschlossener Trade.
Im erhaltenen rein hypothetischen Fall liegen beabsichtigter Stop 50 Pips und tatsächlicher Exit 200 Pips unter Einstieg. Bei unverändertem Pipwert ist der Preisverlust viermal so groß. Das ist keine Rekonstruktion eines SNB-Trades. Gebühren und andere Kontoereignisse sind darin noch nicht enthalten.
Welche historischen Ereignisse zeigen verschiedene Mechanismen?
Die SNB-Mitteilung dokumentiert die Aufhebung des EUR/CHF-Mindestkurses im Januar 2015. Der Marktbericht der Bank of England beschreibt Sterlingvolatilität und Abwertung nach dem Referendum vom 23. Juni 2016. Beide Quellen geben historischen Kontext, keine individuellen Kundenschäden und keinen Beweis völliger Unvorhersehbarkeit für sämtliche Teilnehmer.
Für März 2020 beschreibt die BIS eine Nachfrage nach US-Dollar und Spannungen in der Dollarfinanzierung. Die CFTC dokumentiert separat negative Preise des im Mai 2020 auslaufenden NYMEX-WTI-Kontrakts am 20. April. Es handelt sich um einen bestimmten Futureskontrakt, nicht um jeden Ölpreis oder automatisch denselben Preis eines Retail-CFD.
Der BIS-Bericht zum Sterling-Flash-Ereignis am 7. Oktober 2016 hebt unter anderem Tageszeit und mechanische Verstärker hervor. Diese unterschiedlichen Vorgänge lassen sich nicht durch eine pauschale Erklärung wie „nirgends gab es Käufer“ ersetzen. Welche Annahme bei deinem Produkt ausfällt, musst du gesondert prüfen.
Wie rechnest du einen Gap in EUR?
Unser eigenes hypothetisches EUR/USD-Modell nimmt 100.000 EUR je Lot, 0,10 Lot und Pipgröße 0,0001 an. Damit beträgt der Pipwert 1 USD. Bei angenommener konstanter Umrechnung von 1,10 USD je EUR kosten 50 Pips 45,45 EUR; 200 Pips kosten 181,82 EUR. Die vierfache Preisdifferenz bleibt erhalten.
Zusätzlich angenommene 2 EUR Gesamtkosten ergeben 47,45 EUR geplante und 183,82 EUR tatsächlich modellierte Belastung. Das Verhältnis der gesamten Geldbeträge beträgt nun rund 3,87 statt vier. Gebühren und Preisverluste brauchen getrennte Zeilen. Bei veränderter Umrechnungsrate ist auch diese Rechnung neu zu erstellen.
Für ein Konto von 5.000 EUR wären die modellierten Beträge etwa 0,9491% und 3,6764%. Das ist ein bezeichnetes Szenario, keine maximale mögliche Kurslücke oder allgemeine sichere Größenregel. Eine noch stärkere Bewegung oder gemeinsame andere Positionen können mehr Kapital beanspruchen.
Warum bestimmt eine Schwere-Tabelle keine Wahrscheinlichkeit?
Die drei erhaltenen hypothetischen Verlustfälle sind 100, 700 und 1.300 PLN, gemeinsam ausschließend und vollständig für einen einzigen Modellhorizont. Modell A gibt ihnen erfundene Gewichte von 80%, 15%, 5%; Modell B 20%, 30%, 50%. Beide Gewichtssätze addieren sich zu 100%.
Der gewichtete Mittelverlust beträgt in A 250 PLN, in B 880 PLN. Der ungewichtete Mittelwert von 700 PLN nimmt wiederum gleiche Gewichte an. Identische Verlustzeilen rechtfertigen keinen dieser Gewichtssätze. Das Beispiel vergleicht Mittelwerte, weder Va R noch Expected Shortfall.
Gewichtete Mittelwerte 250 und 880 PLN folgen den Gewichten; die Verlustzeilen allein ergeben keine Wahrscheinlichkeit.
- 100 PLN
- A 80% / B 20% – Unterschiedliche Modellgewichte
- 700 PLN
- A 15% / B 30% – Identische Schwere
- 1.300 PLN
- A 5% / B 50% – Kein erfundener Prognosestatus
- Mittelverlust
- A 250 / B 880 PLN – Keine Va R-/ES-Rechnung
Hat dein Stresstest kein Wahrscheinlichkeitsmodell, protokolliere die Folgen jedes Falls einzeln. Weise einer Kurslücke nicht nachträglich eine passende seltene Wahrscheinlichkeit zu, nur damit der Mittelverlust klein aussieht. Auch ein Kalender bekannt gegebener Termine liefert keine vollständige Verteilung unerwarteter Ereignisse.
Welcher deutsche Kontoschutz hat welchen Zweck?
Die einschlägige BaFin-Maßnahme für Retail-CFDs verlangt Schutzbedingungen. Bei Major-Währungspaaren aus USD, EUR, JPY, GBP, CAD und CHF beträgt die maximale Eröffnungshebelstufe 30:1, für andere Währungspaare 20:1. AUD und NZD gehören nicht zu den sechs Major-Währungen dieser Definition. Eine niedrige eigene Exposition ist eine zusätzliche Entscheidung, keine Preisgarantie.
Der Close-out bezieht sich auf das CFD-Konto: Kontomittel plus unrealisierte Nettoergebnisse aller CFDs unter die Hälfte der gesamten erforderlichen Anfangsmargin lösen die vorgesehene Schließungsmaßnahme aus. Der getrennte Negativsaldo-Schutz begrenzt die aggregierte Haftung für CFDs auf die dem gedeckten CFD-Konto zugeordneten Mittel. Du kannst trotzdem sämtliche dieser Mittel verlieren.
Ordentliche Stops, diese Kontobedingungen und garantierte Stops sind getrennt. Die deutsche IG-Kostenseite beschreibt eine produktspezifische Prämie, die bei Auslösung anfällt und im Ticket berücksichtigt wird. Prüfe konkrete Vertragsgesellschaft, akzeptierte Garantie, Mindestdistanz, Menge, Produkt und Kosten. Aus der UK-Quellenbeschreibung folgt keine automatische deutsche Vertragszusage.
Welche vier Kontrollen erledigst du vor dem Ereignis?
- Rechne mehrere ungünstige Ausführungen. Halte Exitpreis, Volumen, Umrechnung, Zusatzkosten und gleichzeitige Positionen fest. Zehnfacher Stopabstand ist nur eine von dir gewählte Schwere; er benennt weder die höchste mögliche Lücke noch deren Eintrittswahrscheinlichkeit.
- Prüfe den konkreten Schutzumfang. Vergleiche Vertragsgesellschaft, Rechtsraum, Kundeneinstufung und zugeordnetes CFD-Konto mit den Bedingungen. Unterscheide Negativsaldo-Schutz von dem Erhalt deiner Einzahlung; ein Aufsichtslogo oder dieselbe Marke beantwortet diese Vertragsfrage nicht.
- Plane bekannte Termine bewusst. Erfasse relevante Zentralbankbeschlüsse, Wahlen und Referenden der gehandelten Länder und deine vorgesehene Exposition. Entscheide vor der Veröffentlichung über Halten, Reduzieren oder Schließen; der Kalender sagt den Ausgang und unbekannte Schocks nicht voraus.
- Kontrolliere eine zugesagte Stopgarantie. Sichere den angenommenen Orderstatus und die tatsächlich geltenden Produktbedingungen einschließlich Prämie und Mindestabstand. Vergleiche Kosten mit deinem eigenen Szenario; eine beworbene Garantie für ein anderes Konto oder Produkt schützt deine offene Position nicht automatisch.
Prüfe dein Verständnis
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(200/1,10+2)/(50/1,10+2) ergibt rund 3,87; nur der isolierte Preisverlust ist viermal so groß.
Weitere Fragen
Schließt ein gewöhnlicher Stop immer zum gesetzten Preis?
Nein. Seine Aktivierung folgt den jeweiligen Produktregeln und ist keine allgemeine Preis- oder Sofortschlussgarantie. Bei einer Lücke kann die tatsächliche Ausführung weiter vom Einstieg liegen; abhängig von Order und Ausführung sind auch Verzögerungen, Teilausführungen oder Ablehnungen möglich. Kontrolliere angenommenen Stopstatus, Dealhistorie und verbleibende Menge. Ein erster angezeigter Quote beweist nicht die Ausführung aller Aufträge dort. Die Rechnung mit 50 statt 200 Pips ist ein hypothetischer Fall.
Was prüfe ich bei einem garantierten Stop?
Die konkrete vertragliche Zusage, nicht bloß das Wort garantiert in einer Werbung. Dazu gehören Gesellschaft, Produkt, akzeptierter Orderstatus, zulässige Menge, Distanz und Prämienbedingungen. Die deutsche IG-Kostenseite beschreibt beispielsweise eine bei Auslösung berechnete produktspezifische Prämie. Das ist kein allgemeiner Tarif oder Beleg gleicher Angebote sämtlicher Broker. Ein gewöhnlicher Stop hat keine entsprechende Preiszusage; Kontoschutz und Stopgarantie sind ebenfalls verschiedene Mechanismen.
Bewahrt Negativsaldo-Schutz meine Einzahlung?
Nein. Für das gedeckte deutsche Retail-CFD-Konto begrenzt er die aggregierte Haftung auf die diesem Konto zugeordneten Mittel. Sämtliche dieser Mittel können dennoch verloren gehen. Er garantiert auch keinen Stoppreis. Der Margin-Close-out mit Bezug auf die Hälfte der gesamten Anfangsmargin ist ein weiterer Kontomechanismus. Prüfe Gesellschaft, Einstufung und tatsächlich erfasstes CFD-Konto; weder Gruppenmarke noch historische EU-Mitteilung belegt pauschalen weltweiten Schutz jeder Dienstleistung.
Warum plane ich Szenarien ohne Schockprognose?
Du kannst die Folgen einer angenommenen Bewegung rechnen, obwohl Zeitpunkt und Eintrittswahrscheinlichkeit unbekannt sind. Eine kleinere Exposition vermindert bei gleichem Pipwert den Geldverlust desselben Preiswegs. Sie verspricht jedoch nicht, dass jede denkbare Bewegung überlebt wird. Halte Schwere und unzugewiesene Wahrscheinlichkeit getrennt. Im erhaltenen Drei-Fälle-Modell ergeben dieselben Verluste mit verschiedenen ausdrücklich erfundenen Gewichten 250 oder 880 PLN Mittelwert; die Verlustzeilen allein bestimmen keine Prognose.
Quellen und Nachvollziehbarkeit
- SNB: Aufhebung des Mindestkurses am 15. Januar 2015
Primärmitteilung samt PDF bestätigt die Aufhebung von 1,20 CHF je EUR. Kein Nachweis eines universellen Tickverlaufs oder individueller Stopausführungen.
- Bank of England: Markets and operations, 2016 Q2
Volatilität und Sterlingentwicklung rund um das Referendum vom 23. Juni; keine allgemeine Broker-Ausführungsstatistik.
- BIS: Sterling-Flash-Ereignis vom 7. Oktober 2016
Bericht der Zentralbankorganisation zu Tageszeit und mechanischen Verstärkern, keine einzige universelle Schockursache.
- BIS: Krisenreaktion der Zentralbanken 2020
Dollarfinanzierungsstress und Swaplinien im März 2020; nicht gleichbedeutend mit sämtlichen Retail-Forex-Fills.
- CFTC: Zwischenbericht zum WTI-Mai-Kontrakt 2020
Negativer Preis am 20. April im bezeichneten NYMEX-Futureskontrakt; kein pauschaler Preis aller Ölsorten oder CFD-Verträge.
- Taleb: The Black Swan, Verlagsbeschreibung
Surprise, große Wirkung und nachträgliche Erklärungen als Begriffsrahmen; keine numerische Wahrscheinlichkeitsverteilung.
- IG Deutschland: Kosten und garantierte Stops
Deutsche Anbieterbeschreibung: produktspezifische Stopprämie, Belastung bei Auslösung und Darstellung im Ticket. Keine universelle Verfügbarkeit oder Empfehlung.
- BaFin: Allgemeinverfügung zu CFDs, 2019
Deutscher Produktinterventionsrahmen für Kleinanleger: Hebel, kontoübergreifend innerhalb des CFD-Kontos berechneter Close-out, Negativsaldo-Schutz, Anreize und Warnung.
- ESMA: historischer CFD-Beschluss 2018/796
Historische befristete Maßnahme: Anreizverbot und Schutzdefinitionen. Für Deutschland maßgeblich zusammen mit nationaler BaFin-Maßnahme, nicht als unbegrenzt gültiger Beschluss dargestellt.
Rechenfälle sind ausdrücklich angenommene Beispiele. Sie ersetzen weder aktuelle Marktdaten noch die Spezifikation deines Anbieters.
