Wer legt Swap-Sätze fest und warum unterscheiden sie sich zwischen Brokern?

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Risikohinweis · YMYL Dieser Artikel dient ausschließlich zu Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel am Forex-Markt birgt ein hohes Risiko des Kapitalverlusts — die ESMA berichtet, dass zwischen 74 % und 89 % der Privatanlegerkonten Verluste erleiden.

Anna hielt einen Mikro-Lot auf USD/TRY drei Wochen lang, weil sie auf einen fallenden Lira-Kurs gesetzt hatte. Der Kurs fiel tatsächlich — doch ihr Konto stand kaum im Plus. Den Unterschied hatte der Swap gefressen: täglich ein paar Cent für jede gehaltene Nacht, Kosten, an die sie beim Eröffnen der Position gar nicht gedacht hatte. Das Interessanteste kam später: Ein Bekannter, der dasselbe Paar bei einem anderen Broker handelte, hatte spürbar weniger Swap bezahlt. Woher kommt diese Lücke, wenn es doch nur einen Markt gibt? Ich erkläre hier, wer Swap-Sätze wirklich festlegt und warum dasselbe Paar bei jedem Broker einen anderen Swap tragen kann.

Woher kommt ein Swap-Satz überhaupt?

Ein Swap-Punkt ist keine Gebühr, die sich der Broker beliebig ausdenkt. Seine Grundlage ist das Zinsdifferenzial zwischen den beiden Währungen des Paares. Wenn du eine Position über Nacht hältst, leihst du dir wirtschaftlich gesehen eine Währung, um die andere zu halten — und jede dieser Währungen hat ihren eigenen Zinssatz. Kaufst du die höher verzinste Währung gegen die niedriger verzinste, arbeitet diese Differenz zu deinen Gunsten. In der umgekehrten Richtung zahlst du. Dieselbe Kraft, die den Carry Trade antreibt, steckt hinter jedem einzelnen Swap-Punkt auf deinem Konto.

Der Interbankenmarkt bepreist diese Zinslücke als sogenannte Forward-Punkte — die Differenz zwischen dem Terminkurs und dem aktuellen Kassakurs. Klar ausgedrückt: Der Kurs für eine Lieferung in zwei Monaten weicht vom heutigen Kurs ab, weil eine Währung über diese zwei Monate mehr Zinsen einbringt als die andere. Dieses Verhältnis trägt sogar einen Namen — die gedeckte Zinsparität (Covered Interest Rate Parity) — und gilt als eine der verlässlichsten Gleichungen der internationalen Finanzwirtschaft. Der Forward-Kurs und damit der Swap sind keine Willkür. Sie sind Zinsmathematik.

Wie der Markt die Zinslücke in einen Tagespunkt umrechnet

Hier kommt die Mechanik ins Spiel, die ein Privatkunde selten zu Gesicht bekommt: Tom-Next. Ein Spot-Konto hat ein Standard-Valutadatum von T+2 — die physische Abwicklung erfolgt zwei Bankarbeitstage nach dem Abschluss. Würde nichts dagegen unternommen, müsste eine länger gehaltene Position tatsächlich physisch geliefert werden. Der Broker will das nicht, du auch nicht — also wird die Position jede Nacht gerollt: auf dem alten Valutadatum geschlossen und auf einem neuen, einen Tag später liegenden Datum wieder eröffnet. Dieses Transaktionspaar — tomorrow gegen next — ist genau das, was Tom-Next bedeutet, und es ist der Mechanismus, der die Zinslücke als einzelnen Tagespunkt auf dein Konto überträgt.

Die offizielle MetaTrader-5-Dokumentation beschreibt das unmissverständlich: Auf OTC-Märkten erfolgt die Übertragung einer Position auf den nächsten Handelstag als Swap, also genau dieses nächtliche Rollover. Der Markt, auf dem diese Punkte festgelegt werden, ist enorm: Laut der BIS-Erhebung vom April 2022 sind FX-Swaps das größte Segment des Währungsmarktes mit einem täglichen Umsatz von 3,8 Billionen Dollar. Die beiden Seiten einer solchen Transaktion erkläre ich in einem eigenen Artikel über den institutionellen FX-Swap ausführlich.

„Wenn du eine Position über Nacht hältst, verdienst oder zahlst du Zinsen — je nach dem Zinsdifferenzial zwischen den beiden Währungen, die du handelst." — Kathy Lien, *Day Trading and Swing Trading the Currency Market*, Wiley, 2015

Wo der Broker ins Spiel kommt und warum die Sätze abweichen

Und hier liegt der Haken. Die Marktbasis ist für alle dieselbe — die Zinslücke zwischen Euro und Dollar hängt nicht davon ab, wo du dein Konto hast. Der Broker nimmt diese Basis jedoch und rechnet sie in seine eigene Swap-Tabelle um, indem er einen Aufschlag hinzufügt. Genau so, wie er beim Spread zwischen Geld- und Briefkurs einen Markup aufschlägt. Das Ergebnis: Ein Punkt, der am Markt leicht positiv ist, bleibt bei einem Broker leicht positiv, landet bei einem anderen dagegen nahe null oder darunter — weil dessen Aufschlag größer ist.

Der zweite Grund für die Abweichungen ist technischer Natur: Broker finanzieren Positionen über verschiedene Liquiditätsanbieter und beziehen sich auf unterschiedliche Referenzzinssätze. Der Ausgangspunkt kann daher bereits etwas abweichen, bevor überhaupt jemand einen Aufschlag hinzufügt. Ehrlich gesagt ist diese Schicht selten transparent — die Swap-Tabelle zeigt bei den meisten Brokern eine fertige Long- und Short-Zahl, ohne Aufschlüsselung in „so viel vom Markt, so viel von uns". Was du siehst, ist die Marktbasis, gefiltert durch die Preisliste eines bestimmten Brokers. Warum der Marktzinssatz selbst nicht „rein" ist, erklärt die BIS-Analyse zur Zinsparität und Cross-Currency-Basis anschaulich — seit der Finanzkrise 2008 weicht die Finanzierung über FX-Swaps regelmäßig von der Lehrbuchtheorie ab.

Wie sieht die Differenz in Zahlen aus?

Ein konkretes Beispiel zeigt, worum es geht. Angenommen, eine Währung des Paares verzinst sich etwa vier Prozentpunkte höher als die andere — das ergibt am Markt einen klar positiven Carry für eine Long-Position. Du eröffnest einen Mikro-Lot und hältst ihn 30 Nächte.

Broker A — kleinerer AufschlagLong-Swap von etwa +0.55 USD pro Nacht; über 30 Nächte ergibt das rund +16.50 USD positive Gutschrift.
Broker B — größerer AufschlagDerselbe Markt-Carry, aber der Long-Swap liegt nahe null (+0.05 USD pro Nacht); über 30 Nächte nur etwa +1.50 USD.
Was das bedeutetEine identische Position, ein identischer Markt — doch die Gutschrift unterscheidet sich ungefähr um das Zehnfache, allein aufgrund des Broker-Aufschlags.

Die Zahlen sind illustrativ und bewusst gerundet, aber die Proportion ist real. Auf der Short-Seite kann es schlimmer sein: Dasselbe Paar kann sowohl auf der Long- als auch auf der Short-Position einen negativen Swap aufweisen, weil der Broker-Aufschlag in beide Richtungen Punkte abzieht. Es gibt also keine Garantie, dass eine der beiden Seiten dir einen positiven Zahlungsfluss bringt. Eine kurze Pause: Bevor du davon ausgehst, dass dein Broker dir für den Carry zahlt, schau in die Tabelle. Die Überraschung kann unangenehm sein.

Was das für den Privatanleger bedeutet

Die wichtigste Lehre lautet: Du zahlst nicht den „marktüblichen" Swap-Satz, sondern den Satz deines Brokers. Dieses Unterschied ändert, wie du jede Position planen solltest, die länger als einen Tag gehalten wird. Für einen Scalper oder Day Trader ist der Swap irrelevant — die Position schließt sowieso vor dem Rollover. Wer jedoch Wochen lang eine Währung hält, für den wird der Swap-Punkt zu einer realen Kostenposition, die manchmal größer ist als Spread und Provision zusammen. Wichtig zu wissen: BaFin-regulierte Broker, die unter ESMA-Regeln tätig sind, müssen die Swap-Tabellen in ihren Vertragsdokumenten veröffentlichen — verlange diese Angaben, bevor du ein Konto eröffnest.

Wahrscheinlich denkst du jetzt: „Wenn es eine Zinslücke ist, kann ich die doch selbst ausrechnen?" Teilweise ja — die Basis lässt sich schätzen, wenn du die Zinssätze beider Währungen kennst. Den Broker-Aufschlag kannst du jedoch nicht erraten, denn er wird nicht ausdrücklich veröffentlicht. Deshalb ist die einzige verlässliche Zahl die aus der Swap-Tabelle deines Brokers, am besten unmittelbar vor der Positionseröffnung geprüft. Tabellen werden aktualisiert, wenn Zentralbanken die Zinsen ändern — ein Punkt von vor sechs Monaten gilt möglicherweise nicht mehr. Die vollständige Mechanik der Berechnung — was ein Swap ist und wann er zu deinen Gunsten wirkt — erkläre ich im Artikel über den Forex-Swap. Den Marktkontext zu Finanzierungswährungen und Zinsparität beleuchtet die Kategorie Marktteilnehmer aus institutioneller Perspektive.

Was jetzt zu tun ist

  1. Öffne die Swap-Tabelle deines Brokers und notiere den Long- und Short-Punkt für die Paare, die du handelst. Die meisten Plattformen zeigen ihn in der Instrumentenspezifikation oder auf einer Konditionen-Seite. Schreib die Werte für zwei oder drei deiner wichtigsten Paare auf — jeweils getrennt für Long- und Short-Position — damit du sie zur Hand hast, bevor du auf Kaufen oder Verkaufen klickst.
  2. Berechne den Swap-Kosten für deine typische Position, gehalten über eine Woche. Multipliziere den Tagespunkt mit der Anzahl der Nächte und denke an die dreifache Belastung am Mittwoch, die auch das Wochenende abdeckt. Wenn das Ergebnis mit dem Spread vergleichbar ist, hast du den Beweis, dass der Swap ein echter Kostenfaktor ist — kein Nebensatz im Kleingedruckten, sondern eine Zahl, die du bei jeder längeren Position einkalkulieren solltest.
  3. Vergleiche die Swap-Tabellen zweier Broker für dasselbe Paar. Besuche die Konditionen-Seiten zweier regulierter Broker und stelle den Punkt für EUR/USD gegenüber. Die Differenz, die du siehst, ist genau der Aufschlag, den dieser Artikel beschreibt — und eine konkrete Zahl, die du abwägen solltest, wenn du eine auf Carry ausgerichtete Strategie planst.
  4. Prüfe, ob dein Broker den dreifachen Swap-Tag auf einen anderen Wochentag als Mittwoch legt. Schau in die Spezifikation oder frag den Support — einige Broker verschieben die dreifache Belastung für bestimmte Instrumente auf einen anderen Tag. Das kostet fünf Minuten und erspart eine böse Überraschung, wenn du kurz vor dem Wochenende einen Einstieg planst.
  5. Lies die Klauseln zu Swap und Rollover in deinem Broker-Vertrag, bevor du eine Overnight-Position öffnest. BaFin-regulierte Anbieter sind verpflichtet, diese Konditionen im Kundenvertrag und in den Produktinformationsblättern auszuweisen. Wenn du die Zahlen nicht findest, frag schriftlich nach — eine seriöse Antwort bekommst du innerhalb von 24 Stunden.
Jarosław Wasiński
Über den Autor

Jarosław Wasiński

Chefredakteur bei MyBank.pl · Finanz- und Marktanalyst

Unabhängiger Analyst und Praktiker mit über 20 Jahren Erfahrung im Finanzsektor. Gründer und Chefredakteur des Portals MyBank.pl, aktiv seit 2004. Fundamentalanalyse der Devisen- und Makromärkte seit 2007. Schreibt aus europäischer Marktperspektive im regulatorischen Rahmen von ESMA und BaFin.

Quellen und Literatur

  1. Bank for International Settlements Covered interest parity lost: understanding the cross-currency basis · Artykuł z BIS Quarterly Review (wrzesień 2016) tłumaczący, jak różnica stóp procentowych przekłada się na punkty forward w transakcji FX swap oraz dlaczego rynkowa stawka odbiega od „czystej" teorii parytetu. www.bis.org ↗
  2. Bank for International Settlements OTC foreign exchange turnover in April 2022 · Triennial Central Bank Survey — FX swap to największy segment rynku walutowego z obrotem 3,8 biliona dolarów dziennie, co pokazuje skalę rynku, na którym ustala się bazowe punkty forward. www.bis.org ↗
  3. Corporate Finance Institute Covered Interest Rate Parity (CIRP) — Overview, Formula, Assumptions · Wyjaśnienie formuły parytetu stóp z pokryciem: kurs forward (a więc punkty forward, na których opiera się swap) wynika z różnicy stóp procentowych dwóch walut. corporatefinanceinstitute.com ↗
  4. MetaQuotes (MetaTrader 5 Help) Basic Principles — Trading Operations · Oficjalna dokumentacja MT5 potwierdzająca, że na rynkach OTC przeniesienie pozycji na kolejny dzień handlowy (swap) odbywa się jako rolowanie, niezależnie od poziomów stop loss i take profit. www.metatrader5.com ↗

Häufig gestellte Fragen

Warum trägt EUR/USD bei zwei Brokern einen unterschiedlichen Swap?

Weil die Basis der Markt ist, die endgültige Zahl aber der Broker festlegt. Das Zinsdifferenzial zwischen Euro und Dollar erzeugt Markt-Forward-Punkte, die für alle Marktteilnehmer identisch sind. Jeder Broker nimmt jedoch diese Basis und rechnet sie in seine eigene Swap-Tabelle um, indem er einen Aufschlag hinzufügt — genauso wie er beim Spread einen Markup aufschlägt. Ein Broker lässt auf der Long-Seite vielleicht einen leicht positiven Punkt stehen, ein anderer drückt denselben Punkt auf null oder darunter, weil sein Aufschlag größer ist. Der zweite Grund ist die Finanzierungsquelle: Broker nutzen unterschiedliche Liquiditätsanbieter und verschiedene Referenzzinssätze, sodass der Ausgangspunkt selbst leicht abweicht. Daraus folgt eine einfache Regel: Vergleiche Swap-Tabellen — geh nicht davon aus, dass sie identisch sind.

Warum wird am Mittwoch ein dreifacher Swap berechnet?

Weil der Swap nach dem Valutadatum abgerechnet wird, nicht nach dem Handelskalender. Das Standard-Valutadatum für Spot-Geschäfte ist T+2 — die physische Abwicklung erfolgt zwei Bankarbeitstage nach dem Abschluss. Eine am Mittwoch eröffnete Position hat ein Valutadatum Freitag; wird sie auf Donnerstag gerollt, verschiebt sich das Valutadatum auf Montag — Samstag und Sonntag werden übersprungen, weil der Markt geschlossen ist. Um diese zwei Wochenendtage abzudecken, berechnet der Broker am Mittwoch drei Tage Swap-Punkte statt einem. Bei den meisten Brokern fällt das auf den Mittwoch, einige verwenden jedoch für bestimmte Instrumente einen anderen Tag (zum Beispiel Freitag). Wenn du planst, eine Position über das Wochenende zu halten, berechne die Kosten des dreifachen Swaps im Voraus — auf Paaren mit großem Zinsdifferenzial kann das überraschend hoch ausfallen.

Kann ich mit einem positiven Swap Geld verdienen, indem ich eine Position lange halte?

Theoretisch ja — das ist das Wesen des Carry Trades, bei dem du die höher verzinste Währung gegen die niedriger verzinste kaufst und für jede gehaltene Nacht einen positiven Swap-Punkt einsammelst. In der Praxis gibt es zwei Haken. Erstens: Der Broker-Aufschlag kann den größten Teil des positiven Punktes auffressen, sodass das, was am Markt nach einem klaren Carry aussieht, auf einem Retail-Konto bereits nahe null liegt. Zweitens: Ein positiver Swap ist meist nur wenige Währungseinheiten pro Tag auf einem Mikro-Lot, und eine einzige scharfe Kursbewegung gegen dich löscht den Gewinn aus wochenlanger Ansammlung. Behandle den Swap als unterstützenden Faktor, nicht als eigenständige Einkommensquelle. Prüfe zuerst den realen Punkt in der Swap-Tabelle deines Brokers — dann rechne, ob der Carry nach seinem Aufschlag noch Sinn ergibt.

Ist der Swap nur eine versteckte Gebühr, die der Broker sich ausdenkt?

Nicht ganz — und diese Unterscheidung ist wichtig. Der Swap hat eine echte wirtschaftliche Grundlage: das Zinsdifferenzial zwischen den beiden Währungen, das der Interbankenmarkt als Forward-Punkte bepreist. Indem du eine Position über Nacht hältst, nutzt du wirtschaftlich gesehen die Finanzierung einer Währung gegen eine andere — und diese Finanzierung hat einen Kosten- oder Ertragscharakter. Diesen Teil erfindet der Broker nicht. Was der Broker festlegt, ist der Aufschlag, den er auf die Basis aufschlägt, und die Art, wie er die Swap-Tabelle quotiert — und hier kann es undurchsichtig werden. Die ehrliche Antwort lautet also: Der Swap ist keine Gebühr aus dem Nichts, aber auch kein reiner Marktsatz. Es ist der Marktsatz, der durch die Preisliste des Brokers läuft. Deshalb lohnt es sich, beides zu verstehen: woher die Basis kommt und wie viel ein bestimmter Broker darauf aufschlägt.

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