Kreuzkurs berechnen — Formeln, Beispiele und praktischer Nutzen
Ein Cross-Rate (Kreuzkurs) ist der Wechselkurs zwischen zwei Währungen, bei dem der US-Dollar auf keiner Seite steht — Paare wie EUR/JPY, GBP/CHF oder AUD/NZD. Trotz des etwas exotischen Namens machen Kreuzkurse heute den größten Teil der notierten Währungspaare aus, deutlich mehr als die klassischen Dollar-Majors. Jeder Kreuzkurs lässt sich aus zwei USD-basierten Paaren ableiten — durch Multiplikation oder Division, je nachdem wie die Kursnotierungen ausgerichtet sind. Die folgenden Abschnitte erklären die Berechnung, warum Retail-Trader sie verstehen sollten und was man in der Praxis davon nicht erwarten kann.
Was ein Kreuzkurs wirklich ist
Ein Kreuzkurs ist der Preis einer Währung ausgedrückt in einer anderen, wenn keine der beiden der US-Dollar ist. Nach dieser Definition sind Paare wie EUR/JPY, GBP/CHF, AUD/NZD und EUR/GBP Kreuzkurse, während EUR/USD, USD/JPY und GBP/USD Majors bleiben. Historisch wurde jeder Wechselkurs der Welt gegen den Dollar notiert, weil der Dollar die Reservewährung des Interbankenmarktes war — und laut BIS Triennial Survey 2022 ist der Dollar noch immer an rund 88 Prozent des täglichen Devisenumsatzes von 7,5 Billionen Dollar beteiligt.
Die praktische Konsequenz: Selbst wenn dein Broker einen direkten EUR/JPY-Kurs anzeigt, entsteht dieser Kurs im Interbankenmarkt aus zwei Transaktionen — EUR/USD und USD/JPY — die zu einer einzigen Notierung zusammengeführt werden. Deshalb ist der Spread auf einem Kreuzkurs wie EUR/JPY typischerweise breiter als die Summe der Spreads der beiden zugrunde liegenden Majors: Der Market Maker muss beide Legs sowie das Liquiditätsrisiko auf dem Kreuz selbst abdecken.
Der Multiplikationsfall
Der einfachere Fall liegt vor, wenn der Dollar einmal als Basiswährung und einmal als Kurswährung auftaucht — er hebt sich dann im Produkt heraus. Das Lehrbuchbeispiel ist EUR/JPY. Bei EUR/USD = 1.0850 und USD/JPY = 150.00 ergibt sich der Kreuzkurs als EUR/USD mal USD/JPY, also 1.0850 mal 150.00, was 162.75 ergibt. Das ist der theoretische Mittelpunkt von EUR/JPY, um den der Market Maker das tatsächliche Kursangebot aufbaut.
Dieselbe Formel gilt für die meisten Yen-Kreuzpaare. GBP/JPY bei GBP/USD = 1.2700 und USD/JPY = 150 kommt auf 190.50. AUD/JPY bei AUD/USD = 0.6500 landet bei 97.50. EUR/CHF ergibt bei USD/CHF = 0.9000 den Wert 1.0850 mal 0.9000, also 0.9765. Die Eselsbrücke lautet: Dollar einmal als Basis und einmal als Kurswährung — multiplizieren.
Der Divisionsfall
Das zweite Muster gilt für Paare, bei denen beide Währungen auf derselben Seite des Dollars stehen. EUR/USD und GBP/USD sind das kanonische Beispiel: In beiden Fällen ist der Dollar die Kurswährung. Um EUR/GBP zu erhalten, dividiert man EUR/USD durch GBP/USD. Bei EUR/USD = 1.0850 und GBP/USD = 1.2700 ergibt EUR/GBP den Wert 1.0850 geteilt durch 1.2700, also 0.8543.
AUD/NZD funktioniert genauso: AUD/USD = 0.6500 geteilt durch NZD/USD = 0.6000 ergibt 1.0833. Die Eselsbrücke ist das Spiegelbild der vorherigen — Dollar zweimal in derselben Rolle, dividieren. In allgemeiner Form gilt für ein Paar A/B: Der Kreuzkurs entspricht A/USD mal USD/B. Hat man nur B/USD statt USD/B, ist USD/B gleich eins geteilt durch B/USD — daher der Divisionsfall. Um diese Formeln fehlerfrei anzuwenden, lohnt es sich, die Grundlagen zu Basiswährung und Kurswährung zu kennen.
Vier praktische Anwendungsfälle für Retail-Trader
Der erste ist Korrelation. Wer erkennt, dass EUR/JPY aus EUR/USD und USD/JPY aufgebaut ist, sieht, dass jede Bewegung in EUR/JPY die Überlagerung zweier unabhängiger Geschichten ist — Euro-Stärke und Yen-Stärke. Manche Sitzungen zeigen EUR/USD plus fünfzig Pips, USD/JPY plus fünfzig Pips und EUR/JPY, das aggressiv ausbricht. Andere Sessions zeigen den Euro stärker, den Dollar aber gegenüber dem Yen noch stärker, und EUR/JPY bewegt sich kaum. Ohne dieses Verständnis lässt sich leicht eine „bullische Euro"-These aufbauen, die in Wahrheit auch eine hawkische Yen-Sicht erfordert.
Der zweite ist die Vermeidung doppelter Exposition. Ein Trader, der EUR/USD kauft und gleichzeitig USD/JPY im gleichen Nominalbetrag kauft, hält effektiv eine EUR/JPY-Position — der Dollar hebt sich heraus. Ohne Kenntnis der Kreuzkurs-Mathematik wirkt das wie zwei unabhängige Trades. In Wahrheit steckt dahinter ein größeres Risiko auf einem Kreuzpaar, das nie bewusst gewählt wurde — ein klassischer Anfängerfehler aus der Leserkommunikation bei MyBank.pl.
Der dritte ist die Überprüfung der Broker-Preisgestaltung. Wenn dein Broker EUR/JPY bei 162.80 zeigt, während EUR/USD und USD/JPY aus derselben Minute einen Wert von 162.75 implizieren, nimmt der Broker fünf Pips über dem Mittelpunkt. Der effektive Spread auf dem Kreuzpaar entspricht dem Broker-Kurs abzüglich des Mittelpunkts aus den beiden Majors. Die grundlegende Mechanik, wie Interbanken-Desks Kreuzkurse aufbauen, erklärt ForexMechanics im Abschnitt Forex Basics.
Der vierte ist die Wahl des richtigen Instruments für eine Makro-These. Wenn du Stärke des Euro gegenüber dem Yen erwartest, hast du zwei Wege — ein EUR/JPY-Trade oder zwei Trades (EUR/USD kaufen plus USD/JPY kaufen). Der zweite Weg erfordert zwei Spreads, bietet aber Flexibilität. Der erste ist günstiger, bindet aber die These an eine einzige Position. Die Wahl hängt davon ab, wie sicher du dir bei beiden Legs gleichzeitig bist.
Volatilität der Kreuzpaare — die Unterschiede sind enorm
Ein verbreiteter Fehler ist die Annahme, dass sich alle Kreuzpaare ähnlich verhalten. Die Zahlen belegen das Gegenteil. EUR/CHF hat in ruhigen Phasen ein tägliches ATR von rund dreißig Pips — eines der ruhigsten Instrumente am Markt, teilweise weil die Schweizerische Nationalbank (SNB) historisch die Volatilität gedämpft hat. GBP/JPY liegt am anderen Extrem mit einem ATR von einhundertfünfzig bis zweihundert Pips täglich. EUR/JPY befindet sich in der Mitte, mit etwa einhundert bis einhundertundzwanzig Pips. AUD/NZD ist das klassische carry-neutrale Kreuzpaar mit rund sechzig Pips.
Die Konsequenz: Derselbe Stop bietet sehr unterschiedliche Überlebenschancen. Ein Dreißig-Pip-Stop auf EUR/CHF entspricht dem gesamten Tages-ATR — das Risiko, durch zufälliges Marktgeräusch ausgestoppt zu werden, ist hoch. Derselbe Stop auf GBP/JPY ist ein Bruchteil einer normalen Bewegung und kann in zehn Minuten erreicht werden, ohne dass sich die Marktstruktur verändert hat. Passe das Volatilitätsprofil des Kreuzpaars an deinen Zeithorizont und deine Stop-Größe an.
"Most cross exchange rates are constructed in the interbank market from two underlying transactions denominated in US dollars. On the retail side only one ticker is visible, but the spread paid by the client always reflects the cost of both legs." — John Williams, 2023
Dreiecksarbitrage — warum Retail-Trader hier keine Chance haben
In der Theorie existiert Dreiecksarbitrage. Wenn der theoretische EUR/JPY aus den beiden Majors 162.75 beträgt, der Broker aber 162.80 quotiert, könnte man EUR/JPY beim Broker verkaufen und einen synthetischen EUR/JPY via EUR/USD und USD/JPY kaufen — fünf Pips Differenz mal Nominalbetrag. Auf einer Position von 100.000 Euro sind das rechnerisch rund 50 Dollar vermeintlich risikofreier Gewinn.
In der Praxis ist die Operation für Retail-Kunden unerreichbar. Abweichungen verschwinden in Millisekunden, weil institutionelle HFT-Bots den Markt kontinuierlich scannen. Retail-Spreads liegen bei zwei bis drei Pips auf dem Kreuzpaar und einem bis eineinhalb Pips auf jedem Major, sodass die kombinierten Kosten von drei Trades den verfügbaren Gewinn aufzehren. Dazu setzen Broker häufig Anti-Arbitrage-Mechanismen ein (Slippage, Requote), die die theoretische Marge weiter aufbrauchen.
Für Retail-Trader liegt der echte Mehrwert der Kreuzkurs-Arithmetik nicht im Arbitrage, sondern im Lesen von Abweichungen als Makro-Signal. Wenn EUR/CHF dauerhaft um mehr als zehn bis fünfzehn Pips vom theoretischen Kreuzwert abweicht, steckt fast immer eine Zentralbankintervention oder ein Liquiditätsschock dahinter — wie im Januar 2015, als die SNB den EUR/CHF-Floor aufhob und das Paar innerhalb von Minuten von 1.20 auf 0.85 fiel.
Die häufigsten Fehler bei der Kreuzkurs-Berechnung
- Verwechslung von „dividieren oder multiplizieren". Dollar einmal als Basis und einmal als Kurswährung — multiplizieren; Dollar zweimal in derselben Rolle — dividieren. EUR/JPY muss bei rund 160 herauskommen, nicht bei 0.01.
- Kurse aus verschiedenen Zeitpunkten mischen. EUR/USD von 12:00 Uhr und USD/JPY von 14:00 Uhr ergibt einen theoretischen EUR/JPY, der keinem realen Marktmoment entspricht. Immer Kurse aus derselben Minute verwenden.
- Mittelpunkt mit dem Kundenkurs verwechseln. Der theoretische Kreuzkurs ist der Mittelpunkt zwischen Geld- und Briefkurs. Broker-Bid oder -Ask liegt eine halbe Spread-Breite vom Mittelpunkt entfernt.
- Annehmen, ein Kreuzpaar verhalte sich wie der Durchschnitt seiner Legs. Manchmal steigt EUR/USD, steigt USD/JPY und bewegt sich EUR/JPY kaum — weil ein Fonds direkt auf dem Kreuzpaar hedgt. Das Kreuzpaar hat eine eigene Liquiditätsdynamik.
- Kreuzkurse für ungewöhnliche Paare berechnen, ohne das Broker-Angebot zu prüfen. EUR/CHF ist auf jeder Plattform verfügbar; EUR/CZK nicht überall; TRY/ZAR praktisch nirgendwo außer bei spezialisierten Desks. Ein fehlendes Kursangebot bedeutet extreme Spreads.
Was jetzt zu tun ist
- Verstehe die zwei Geschichten hinter jedem Kreuzpaar. Bevor du in EUR/JPY einsteigst, überprüfe die Euro-These (EZB, PMI, HVPI) und die Yen-These (BoJ, japanische CPI). Ein Trade auf einem Kreuzpaar ist die Summe zweier Sichtweisen — wenn nur eine davon zutrifft, wähle lieber den entsprechenden Major.
- Berechne den theoretischen Kreuzwert und vergleiche ihn mit dem Broker-Spread. Multipliziere EUR/USD mit USD/JPY und vergleiche das Ergebnis mit dem EUR/JPY-Kurs des Brokers. Die Differenz zwischen Mittelpunkt und Broker-Ask ist dein realer Einstandspreis.
- Passe den Stop an die Volatilität des jeweiligen Kreuzpaars an. EUR/CHF erfordert andere Stop-Abstände als GBP/JPY. Prüfe das ATR der letzten vierzehn Tage und wähle den Stop so, dass er nicht durch normales Marktgeräusch ausgelöst wird — mindestens ein Drittel des ATR, maximal die Hälfte. Einen ausführlicheren Überblick über Stops und Invalidation findest du im Bereich Risikomanagement.
- Versuche keine Dreiecksarbitrage. HFT-Bots sind um sechs Größenordnungen schneller. Nutze Kreuzkurs-Abweichungen als Makro-Signal, nicht als Einladung zur Arbitrage.
- Prüfe, welche Kreuzpaare dein Broker tatsächlich anbietet. Die Instrumentenspezifikation sollte jedes Kreuzpaar mit einem typischen (nicht minimalen) Spread ausweisen. Wenn ein Broker den Durchschnittsspread für EUR/JPY oder GBP/JPY der letzten Monats nicht veröffentlicht, ist das ein Signal, dass etwas verschleiert wird.
Quellen und Literatur
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Bank for International Settlements Triennial Central Bank Survey of foreign exchange and OTC derivatives markets in 2022 · Globalny dzienny obrót na rynku walutowym 7,5 biliona dolarów, struktura par walutowych, udział dolara w 88 procentach transakcji. www.bis.org ↗
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Swiss National Bank Discontinuation of minimum exchange rate against the euro — press release, 15 January 2015 · Komunikat banku centralnego o zniesieniu floor 1,20 na EUR/CHF, kontekst historyczny dla rozdzielenia teoretycznego cross rate od kwotowania brokera. www.snb.ch ↗
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Investopedia Cross rate — definition, example and uses in foreign exchange · Encyklopedyczna definicja cross rate w kontekście rynku detalicznego, formuły mnożenia i dzielenia z przykładami liczbowymi. www.investopedia.com ↗
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Federal Reserve Bank of New York Foreign exchange market and intraday liquidity — staff working paper · Analiza struktury kwotowań krzyżowych w handlu interbankowym i mechaniki market makingu na crossach. www.newyorkfed.org ↗
Häufig gestellte Fragen
Was genau ist ein Kreuzkurs und welche Paare gehören dazu?
Ein Kreuzkurs ist einfach der Preis einer Währung, ausgedrückt in einer anderen, wenn keine der beiden der US-Dollar ist. Zu dieser Gruppe gehören alle gängigen Yen-Paare (EUR/JPY, GBP/JPY, AUD/JPY, CAD/JPY), die Schweizer-Franken-Paare ohne Dollar (EUR/CHF, GBP/CHF) sowie verschiedene europäische oder antipodische Kombinationen (EUR/GBP, AUD/NZD, EUR/SEK). Die übrigen Paare, bei denen der Dollar auf einer Seite steht — EUR/USD, USD/JPY, GBP/USD, USD/CHF, AUD/USD, USD/CAD und NZD/USD — heißen Majors und zählen nicht zu den Kreuzpaaren. Historisch wurde jeder Wechselkurs der Welt über den Dollar quotiert, weil der Dollar die Reservewährung des Interbankenmarkts war. Laut BIS Triennial Survey 2022 ist der Dollar noch immer an rund 88 Prozent des täglichen Devisenumsatzes von 7,5 Billionen Dollar beteiligt. Deshalb entsteht selbst ein direkt notierter Kreuzkurs am Markt aus zwei zugrunde liegenden Dollar-Transaktionen.
Wann multipliziert und wann dividiert man bei der Kreuzkurs-Berechnung?
Entscheidend ist, wie die Schrägstriche in den beiden zugrunde liegenden Paaren angeordnet sind. Du multiplizierst, wenn der Dollar einmal als Basis- und einmal als Kurswährung auftaucht — in dieser Konstellation hebt er sich im Produkt heraus. Beispiel: EUR/JPY wird berechnet als EUR/USD mal USD/JPY. Bei EUR/USD = 1.0850 und USD/JPY = 150.00 ergibt sich 1.0850 mal 150.00, also 162.75. Dieselbe Logik gilt für GBP/JPY, AUD/JPY, EUR/CHF und die meisten anderen Yen- oder Franken-Kreuzpaare. Du dividierst, wenn beide Währungen den Dollar auf derselben Seite haben — also beide mit dem Dollar als Basis oder beide mit dem Dollar als Kurswährung. Beispiel: EUR/GBP wird berechnet als EUR/USD geteilt durch GBP/USD. Bei EUR/USD = 1.0850 und GBP/USD = 1.2700 ergibt sich 0.8543. Die kurze Eselsbrücke: Dollar einmal in der Basis, einmal in der Kurswährung — multiplizieren; Dollar zweimal in derselben Rolle — dividieren. Überprüfe das Ergebnis stets numerisch: EUR/JPY muss rund 160 ergeben, nicht 0.01.
Warum sollte ein Retail-Trader Kreuzkurs-Berechnungen überhaupt beherrschen?
Vier praktische Gründe. Der erste ist Korrelation. Jede Bewegung in EUR/JPY ist die Überlagerung zweier unabhängiger Geschichten — der Euro-These und der Yen-These. Wer ein Kreuzpaar sieht, weiß sofort, welche Marktseite in der Analyse überprüft werden muss. Der zweite ist die Vermeidung doppelter Exposition. Ein Trader, der EUR/USD kauft und gleichzeitig USD/JPY im gleichen Nominalbetrag kauft, hält effektiv eine EUR/JPY-Position, auch wenn es sich nach zwei getrennten Trades anfühlt. Ohne Kenntnis der Kreuzkurs-Arithmetik merkt er nicht, dass das tatsächliche Risiko doppelt so groß ist wie angenommen. Der dritte Grund ist die Überprüfung von Broker-Kursen: Wenn der theoretische EUR/JPY 162.75 beträgt, der Broker aber 162.80 zeigt, ist dein effektiver Spread fünf Pips breiter als das Marketingmaterial vermuten lässt. Der vierte ist die Wahl des richtigen Instruments für eine Makro-These. Wenn du gleichzeitig Euro-Stärke und Yen-Schwäche erwartest, kostet ein EUR/JPY-Trade weniger Spread als zwei Trades auf den zugrunde liegenden Majors — bindet aber die These an eine einzige Position. Die Wahl hängt davon ab, wie sicher du dir bei beiden Annahmen gleichzeitig bist.
Ist Dreiecksarbitrage auf Kreuzpaaren eine echte Chance für Retail-Trader?
In der Theorie ja, in der Praxis nein. Die theoretische Gelegenheit entsteht, wenn der Broker-Kurs auf einem Kreuzpaar vom Mittelpunkt abweicht, der aus den beiden zugrunde liegenden Majors berechnet wird. Beispiel: EUR/USD = 1.0850, USD/JPY = 150, theoretischer EUR/JPY = 162.75, während der Broker EUR/JPY bei 162.80 zeigt. Fünf Pips Differenz auf einem Nominalbetrag von 100.000 Euro sind rechnerisch rund 50 Dollar vermeintlich risikofreier Gewinn. Der Haken: Solche Abweichungen verschwinden in Millisekunden, weil institutionelle HFT-Bots den Markt kontinuierlich scannen und jede Preislücke schließen, bevor ein Mensch eine Order einreichen kann. Dazu zahlen Retail-Kunden Spreads von zwei bis drei Pips auf dem Kreuzpaar und ein bis eineinhalb Pips auf jedem Major — der kombinierte Preis von drei Trades übersteigt den verfügbaren Gewinn. Und Broker setzen häufig Anti-Arbitrage-Mechanismen ein (Slippage, Requote-Logik), die die theoretische Marge weiter auffressen. Für Retail-Trader liegt der echte Nutzen der Kreuzkurs-Arithmetik nicht in der Arbitrage, sondern im Lesen von Abweichungen als Makro-Signale: Wenn der theoretische Kreuzwert dauerhaft um mehr als zehn bis fünfzehn Pips vom Broker-Kurs abweicht, steckt dahinter fast immer eine Intervention oder eine Liquiditätslücke.
Wie unterscheiden sich Kreuzpaare in ihrer Volatilität und was bedeutet das für das Risikomanagement?
Die Unterschiede sind erheblich — und die Wahl des richtigen Kreuzpaars für eine Strategie beginnt mit dem Average True Range (ATR). EUR/CHF hat in volatilitätsschwachen Phasen ein tägliches ATR von rund dreißig Pips, eines der ruhigsten Instrumente am Markt, teilweise weil die Schweizerische Nationalbank (SNB) historisch die Volatilität dieses Paares gedämpft hat. GBP/JPY liegt am anderen Extrem mit einem täglichen ATR von einhundertfünfzig bis zweihundert Pips — das macht es zum Favoriten von Intraday-Tradern, die Bewegung suchen. EUR/JPY liegt irgendwo in der Mitte, mit einem ATR von rund einhundert bis einhundertundzwanzig Pips. AUD/NZD ist das klassische carry-neutrale Kreuzpaar mit einem ATR von etwa sechzig Pips. Die praktischen Konsequenzen für Stops: Ein Dreißig-Pip-Stop auf EUR/CHF entspricht dem gesamten Tages-ATR, das Risiko durch zufälliges Marktgeräusch ausgestoppt zu werden ist hoch. Derselbe Stop auf GBP/JPY ist ein Bruchteil einer normalen Bewegung und kann in zehn Minuten erreicht werden, ohne dass sich die Marktstruktur verändert hat. Passe das Kreuzpaar an deine Strategie an, sodass das Volatilitätsprofil zu deinem Zeithorizont und dem tragbaren Risiko passt — volatilitätsschwache Kreuzpaare eignen sich für Range-Trading, volatilitätsstarke für Trendstrategien oder Scalping.