Der Dot Plot gehört zum Summary of Economic Projections, SEP, der Federal Reserve. Er ergänzt Einschätzungen zu Wachstum, Arbeitslosigkeit und Inflation um individuelle Beurteilungen angemessener Zinsen. Du kannst daraus eine Verteilung lesen, aber keinen gemeinsamen Sitzungskalender oder sicheren Dollarkurs. Die erste Aufgabe besteht darin, Median und Streuung unabhängig zu berechnen.

Was ein Punkt bedeutet und welchen Horizont er hat

Projektionen werden im Zusammenhang mit Sitzungen im März, Juni, September und Dezember erhoben. März und Juni umfassen das laufende und die nächsten zwei Jahre; September und Dezember fügen gewöhnlich ein drittes Folgejahr hinzu. Prüfe die konkreten Überschriften und Fußnoten statt einer unveränderlichen Spaltenliste. Die September-2026-Veröffentlichung umfasst beispielsweise 2026 bis 2029 und „longer run“.

Teilnehmende Board-Mitglieder und Reserve-Bank-Präsidenten beurteilen die Politik unter eigenen Wirtschaftsannahmen. Die anonymen Punkte zeigen, wie viele eingereichte Einschätzungen auf einem Zinsniveau liegen; sie identifizieren keine Personen. Jeder Punkt bezeichnet den Jahresend-Mittelpunkt einer angemessenen Zielspanne oder ein angemessenes Zielniveau. Er ist weder Jahresdurchschnitt noch obere Grenze. Eine hypothetische Spanne 3,50–3,75 % hat Mittelpunkt 3,625 %.

Die Grafik rundet auf ein Achtel Prozentpunkt. Zusätzliche Rundung in einer eigenen Notiz kann Präzision verlieren. Im September 2026 reichten 18 Teilnehmer Informationen ein, einer davon keine Projektionen für 2028 und 2029. Die nominell vollständige Gruppe ist deshalb nicht automatisch die Anzahl jeder Spalte. Projektierende Teilnehmer und Stimmberechtigte unterscheiden sich: Der FOMC hat bis zu zwölf Stimmen, aus Board-Gouverneuren, New Yorker Präsident und vier rotierenden weiteren Reserve-Bank-Präsidenten; alle Reserve-Bank-Präsidenten diskutieren mit. Vakanzen oder Ausfälle können Zahlen verändern.

Median und Spannweite getrennt auswerten

Sortiere die tatsächlich eingereichten Werte eines Horizonts. Bei 19 Werten ist der zehnte der Median. Bei gerader Anzahl mittelt man die beiden mittleren Werte. Eine Spalte muss keine 19 Punkte enthalten. Auch der Median muss nicht die von einer Mehrheit gewählte Rate sein.

Unser eigenes hypothetisches Siebenermodell A lautet 3,125; 3,375; 3,625; 3,625; 3,875; 4,125; 4,375 %. Der vierte Wert ergibt Median 3,625 %. In B ersetzen wir einen der beiden Werte 3,625 durch 3,875. Nach Sortierung lautet der vierte Wert 3,875 %: Der Median steigt um 25 Basispunkte. Beide Spannen bleiben 3,125–4,375 %, also 125 Basispunkte breit. Nur zwei von sieben Werten entsprechen jeweils dem Median.

Im unabhängigen Beispiel mit gerader Anzahl ergeben die mittleren Werte 3,625 % und 3,875 % einen Median von 3,750 %. Niemand muss diesen Wert als eigenen Punkt gewählt haben. Änderst du im ursprünglichen A nur das Maximum von 4,375 % auf 5,125 %, bleibt der Median 3,625 %, die Spannweite steigt aber auf 200 Basispunkte. Dieses Beispiel beweist keine Immunität des Medians gegen sämtliche Änderungen.

Eine enge Verteilung bedeutet ähnliche eingereichte Zinsschätzungen, eine breite größere Unterschiede. Keine davon garantiert einen stabilen künftigen Pfad; neue Daten können Einschätzungen ändern. Die Streuung ist außerdem weder Abstimmungszahl noch Konfidenzintervall zukünftiger Beschlüsse.

Ein getrenntes Präzisionsmodell enthält sechs geordnete Werte: 4,125; 4,250; 4,375; 4,375; 4,500; 4,625 %. Ihr Median beträgt exakt 4,375 %, unsere verkürzte Notiz 4,4 %. Gegenüber einer fiktiven Referenz von 4,875 % liefert der exakte Median 50 Basispunkte Abstand, die Notiz dagegen 47,5. Die Differenz von 2,5 Basispunkten stammt aus Rundung, keiner zusätzlichen Politikeinschätzung. Bietet eine Quelle nur gerundete Werte, erfindest du keine fehlenden Stellen.

Gerundete Notizen verlieren PräzisionSechs eigene fiktive Werte 4,125; 4,250; 4,375; 4,375; 4,500; 4,625 %, Referenz ebenfalls fiktiv 4,875 %.RECHEN- UND LERNBEISPIELExakter Median4,375 %Exakter Abstand(4,875−4,375)×100 = 50bpVerkürzte Notiz(4,875−4,4)×100 = 47,5bp
Gerundete Notizen verlieren Präzision. Sechs eigene fiktive Werte 4,125; 4,250; 4,375; 4,375; 4,500; 4,625 %, Referenz ebenfalls fiktiv 4,875 %.

2,5 Basispunkte Unterschied stammen aus eigener Rundung auf 4,4 %, nicht aus neuer Politik.

Exakter Median
4,375 % – Mittlere Werte beide 4,375 %.
Exakter Abstand
(4,875−4,375)×100 = 50 bp – Kein garantierter Senkungspfad.
Verkürzte Notiz
(4,875−4,4)×100 = 47,5 bp – Bekannte Präzision bewahren, fehlende nicht erfinden.

Der längerfristige Punkt und Neutralität

„Longer run“ ist kein bestimmtes Kalenderjahr. Die Spalte enthält individuelle Einschätzungen des Niveaus, dem der Satz unter angemessener Politik und ohne weitere Schocks langfristig zustreben würde. Ihr Median ist eine Zusammenfassung, kein gemeinsam zugesagtes Ziel.

Ein Fed-Fachbeitrag von 2016 interpretiert diese nominalen Einschätzungen unter seinen Bedingungen als längerfristige neutrale Zinsen und unterscheidet davon kürzere Neutralitätshorizonte. Sie sind keine beobachteten Konstanten, keine heutige neutrale Realrate und keine sichere Zielstation. Allein der Abstand des heutigen nominalen Satzes zu dieser Spalte misst deshalb nicht die aktuelle Restriktivität.

Vergleiche längerfristige Mediane und Spannen aufeinanderfolgender Veröffentlichungen, um eine veränderte Einschätzung festzustellen. Ein höherer US-Wert garantiert keinen dauerhaften Dollar-Rückenwind: ausländische Zinsen, Risiko und bereits verarbeitete Erwartungen zählen ebenfalls. Der weitere Kontext gehört zur fundamentalen Analyse.

Projektionen sind keine Zusage oder Abstimmung

Die Konferenz vom 12. Juni 2024 trennte Projektionen ausdrücklich von Plan und Entscheidung des Ausschusses. Als historisches Beispiel zeigte die gerundete Dezember-2023-Zusammenfassung für Jahresende 2024 einen Federal-Funds-Median von 4,6 %. Im Juni 2024 blieb die beschlossene Zielspanne dennoch bei 5,25–5,50 %. Ein Jahresendwert hatte keine früheren Sitzungstermine festgelegt.

Ein davon unabhängiges hypothetisches Modell vergleicht heutigen Mittelpunkt 4,375 % mit Median A von 3,625 %: Abstand 75 Basispunkte. Das entspricht rechnerisch drei Schritten zu je 25 Basispunkten, wenn du diese Schrittgröße annimmst. Es bestimmt keine Daten, Reihenfolge oder Stimmen. Auch ein exakter Abstand von 50 Basispunkten aus dem Präzisionsmodell beweist keinen Pfad zweier Senkungen.

Gleiche Horizonte vergleichen, individuelle Pfade offenlassen

Vergleiche dasselbe Kalenderjahr über Veröffentlichungen hinweg, einschließlich Teilnehmerzahl, Median und Verteilung. Die erste Spalte kann im Jahresverlauf einen anderen Horizont zeigen. FedWatch nutzt Monatsdurchschnitts-EFFR und Modellannahmen für Wahrscheinlichkeiten; ein Dot ist dagegen eine individuelle Jahresend-Politikeinschätzung. Selbst übereinstimmende Datumsbezeichnungen machen diese Größen nicht austauschbar.

Die Anonymität verhindert zudem die Rekonstruktion einzelner Wege. Im eigenen Dreipersonenmodell zeigt Jahr eins die Werte 3, 4, 5 %, Jahr zwei 2, 3, 4 %. Die Spaltenmediane fallen von 4 % auf 3 %. Zuordnung A verbindet 3→2, 4→3 und 5→4: alle sinken um einen Prozentpunkt. Zuordnung B verbindet 3→4, 4→3 und 5→2: eine Person erhöht, zwei senken. Beide erzeugen identische Spalten. Verbundene sortierte Ränge beweisen daher nicht denselben Teilnehmer.

Anonyme Spalten verraten keine PersonenpfadeEigenständiges fiktives Dreipersonenmodell: Jahr eins 3/4/5 %, Jahr zwei 2/3/4 %.RECHEN- UND LERNBEISPIELZuordnung A3→2 | 4→3 | 5→4 %Zuordnung B3→4 | 4→3 | 5→2 %Beide Spaltenmediane4 % → 3 %
Anonyme Spalten verraten keine Personenpfade. Eigenständiges fiktives Dreipersonenmodell: Jahr eins 3/4/5 %, Jahr zwei 2/3/4 %.

Identische Spalten und Medianrückgang können unterschiedliche individuelle Richtungen enthalten.

Zuordnung A
3→2 | 4→3 | 5→4 % – Alle drei sinken.
Zuordnung B
3→4 | 4→3 | 5→2 % – Eine steigt, zwei sinken.
Beide Spaltenmediane
4 % → 3 % – Keine beobachtete Fed-Verteilung.

Trenne die später stattfindende Konferenz von Projektionen und Statement. Kevin Warsh übernahm am 22. Mai 2026 den Board-Vorsitz; frühere Powell-Konferenzen bleiben historische Quellen. Prüfe aktuellen Sprecher und Termin bei der Fed und rechne für Deutschland nach Europe/Berlin um. Ein übereinstimmendes Bild oder eine feste Wartezeit ist keine Garantie niedrigen Risikos.

Drei Schritte für deine nächste SEP-Auswertung

  1. Öffne eine konkrete SEP-Veröffentlichung und notiere Datum, exaktes Kalenderjahr, Definition und tatsächliche Zahl der eingereichten Werte. Sortiere sie und berechne Median sowie Minimum und Maximum getrennt. Das Ergebnis soll auch fehlende Projektionen kennzeichnen und keine Streuung als Abstimmung darstellen.
  2. Prüfe die vorhandene Zahlenpräzision, bevor du einen Abstand in Basispunkten berechnest. Vergleiche dieselben Horizonte mit der Vorveröffentlichung und halte gerundete Angaben ausdrücklich fest. Schreibe daneben, welche Information zu individuellen Wegen fehlt; verbundene Rangpositionen dürfen keine anonymen Personen identifizieren.
  3. Prüfe offiziellen Sitzungskalender, Sprecher und getrennte Veröffentlichungszeiten und speichere deine Marktreferenz vorab. Lies anschließend Statement und spätere Antworten mit Bedingungen, statt nur den Median zu etikettieren. Das Ergebnis soll Projektion, Marktmessung und eigene Handelsregel trennen und widersprechende Beobachtungen für spätere Vergleiche erhalten.