Marktstruktur lesen — höhere Hochs und höhere Tiefs (HH/HL)

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Risikohinweis · YMYL Dieser Artikel dient ausschließlich zu Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel am Forex-Markt birgt ein hohes Risiko des Kapitalverlusts — die ESMA berichtet, dass zwischen 74 % und 89 % der Privatanlegerkonten Verluste erleiden.

Ein Leser schickte mir einmal einen EUR/USD-Chart mit zwanzig Linien, drei Indikatoren und einer einzigen Frage: „Warum verliere ich immer wieder?" Ich bat ihn, alles zu löschen und nur die Hochs und Tiefs zu markieren. Zehn Minuten später sah er, was ihm ein halbes Jahr Indikatorarbeit verborgen hatte: Der Markt kletterte wochenlang sichtbar die Treppe hinauf — er aber verkaufte stur dagegen an. Das ist Marktstruktur — das Muster aus aufeinanderfolgenden Hochs und Tiefs, das dir zeigt, in welche Richtung sich der Kurs wirklich bewegt. Wie du es liest und einen Stop Loss daran verankerst, zeige ich dir hier.

Was ist ein Swing High und ein Swing Low?

Bevor wir einen Trend beschreiben können, brauchen wir zwei Grundbausteine. Ein Swing High, ein lokales Hoch, ist eine Kerze, deren Hoch über den Hochs der umliegenden Kerzen liegt — der Kurs stieg, drehte und hinterließ eine Spitze. Ein Swing Low, ein lokales Tief, ist das Spiegelbild: ein Tief, das unter den Tiefs der Nachbarkerzen sitzt, also der Punkt, an dem der Markt nach oben drehte. Diese zwei Arten von Punkten sind alles, was du brauchst.

In der Praxis verwende ich eine einfache Regel: Ein Hoch oder Tief muss auf jeder Seite zwei bis drei niedrigere (bzw. höhere) Kerzen haben. Das filtert den kleinen Lärm heraus. Jagd nicht auf Pip-genaue Präzision — suche nach offensichtlichen Punkten, die auf einen Blick ins Auge springen. Wenn du lange überlegen musst, ob etwas ein Swing ist, ist es wahrscheinlich keiner.

Wie sehen Aufwärtstrend, Abwärtstrend und Seitwärtsbewegung aus?

Jetzt verbinden wir die Bausteine zu einer Sequenz. Ein Aufwärtstrend ist eine Serie aus höheren Hochs (higher highs, HH) und höheren Tiefs (higher lows, HL) — jede neue Spitze liegt über der vorherigen, und jeder Rücksetzer endet ebenfalls höher als der letzte. Der Markt klettert buchstäblich Stufe für Stufe. Solange diese Sequenz intakt ist, zeigt die Richtung nach oben — da gibt es nichts zu diskutieren.

Ein Abwärtstrend ist das exakte Spiegelbild: eine Serie aus niedrigeren Hochs (lower highs, LH) und niedrigeren Tiefs (lower lows, LL), bei der jede Gegenbewegung tiefer endet und jedes Tief noch tiefer liegt. Eine Seitwärtsbewegung (Range) zeigt keine klare Sequenz — Hochs und Tiefs reihen sich ungefähr auf gleicher Höhe aneinander. Das ist kein „Trend, den du nicht verstehst", sondern ein Markt, in dem keine Seite die Oberhand hat. Die Trenddefinition über aufeinanderfolgende steigende Hochs und Tiefs stammt aus der Dow-Theorie — über hundert Jahre alt und heute noch gültig.

Was ist ein Break of Structure und warum solltest du ihn verfolgen?

Der wichtigste Punkt im Aufwärtstrend ist das zuletzt geschützte höhere Tief — ich nenne es das geschützte Tief. Solange der Kurs darüber bleibt, lebt die Sequenz aus höheren Hochs und höheren Tiefs weiter. Sobald eine Kerze deutlich darunter schließt, reißt die Sequenz. Das ist ein Break of Structure — das erste harte Signal, dass die bisherige Richtung enden könnte.

Das sage ich klar, weil viele Einsteiger hier stolpern: Ein Break of Structure ist eine Warnung, keine Garantie für eine Umkehr. Manchmal durchbricht der Kurs das geschützte Tief, dreht in eine Range, und läuft wenige Tage später wieder höher. Deshalb behandle ich den Break als Grund, keine neuen Einstiege in Richtung des alten Trends mehr zu suchen — nicht als automatisches Signal für eine Gegenposition. Erst beobachten, dann entscheiden.

Warum den Break verfolgen? Um mit der Marktrichtung zu handeln, den Stop Loss hinter einem echten Niveau zu platzieren statt zu raten, und früh zu erkennen, dass ein Trend brüchig wird. Das geschützte Tief und das geschützte Hoch sind im Grunde nichts anderes als Unterstützungs- und Widerstandsniveaus. Wie du sie sauber einzeichnest, findest du im Bereich Technische Analyse — dort habe ich die Grundlagen vollständig aufgeschlüsselt.

Wie markierst du die Marktstruktur Schritt für Schritt auf dem Chart?

Die ganze Prozedur besteht aus vier Schritten. Erstens: Wähle einen Zeitrahmen — zum Einstieg empfehle ich den Tages-Chart (D1) oder den Vier-Stunden-Chart (H4), da sie klare Swings liefern. Zweitens: Suche die offensichtlichen Hochs und Tiefs und ignoriere den kleinen Lärm. Drittens: Beschrifte sie — HH und HL im Aufwärtstrend, LH und LL im Abwärtstrend. Viertens: Lies die Sequenz von links nach rechts und frage dich: Steigen die aufeinanderfolgenden Punkte, fallen sie, oder stehen sie still?

Hypothetisches Beispiel — EUR/USD auf dem H4-Zeitrahmen

Angenommen, du siehst auf dem Vier-Stunden-Chart von EUR/USD der Reihe nach: ein Tief bei 1.0820, ein Hoch bei 1.0900, ein Tief bei 1.0860, ein Hoch bei 1.0960, ein Tief bei 1.0910. Das Hoch bei 1.0960 liegt über 1.0900 — ein höheres Hoch. Auch die Tiefs steigen: 1.0860 liegt über 1.0820, und 1.0910 über 1.0860. Steigende Punkte auf beiden Seiten ergeben einen sauberen Aufwärtstrend, und das geschützte Tief ist 1.0910. Schließt eine Vier-Stunden-Kerze darunter, hast du einen Break of Structure. Das sind illustrative Zahlen — es geht um die Lesemethode, nicht um den konkreten Level.

Eine kurze Pause: Bevor du weiterließt, öffne einen beliebigen D1-Chart und beschrifte selbst die letzten drei Hochs und drei Tiefs. Zwei Minuten — und es setzt sich besser fest als alles hier Gelesene.

„Ein Aufwärtstrend ist definiert als eine Folge von sukzessive höheren Hochs und höheren Tiefs; ein Abwärtstrend als eine Folge von sukzessive niedrigeren Hochs und Tiefs." — John J. Murphy, Technical Analysis of the Financial Markets, New York Institute of Finance, 1999.

Warum ist die Marktstruktur eine Falle beim Wechsel der Zeitrahmen?

Hier liegt der Haken. Marktstruktur ist fraktal — dieselbe Kursbewegung besteht aus kleineren Bewegungen, und diese wiederum aus noch kleineren. Ein höheres Tief auf dem Tages-Chart kann auf dem Stunden-Chart wie ein vollständiger Abwärtstrend mit einer eigenen Serie aus niedrigeren Hochs und Tiefs aussehen. Das ist kein Widerspruch und kein Fehler — nur zwei verschiedene Zoomstufen desselben Vorgangs.

Die praktische Konsequenz: Es hat keinen Sinn zu fragen „Was ist der Trend auf EUR/USD?" Die sinnvolle Frage lautet „Was ist der Trend auf diesem Zeitrahmen?" Deshalb lese ich Struktur immer gemeinsam mit der Mehrfachzeitrahmen-Analyse — ich bestimme die Richtung auf einem höheren Zeitrahmen und suche Einstiege, die damit auf einem niedrigeren übereinstimmen. Alles, was du über solide Handelsstrategien wissen musst, baut auf genau dieser Hierarchie auf: erst Kontext von oben, dann Einstieg von unten. Ohne diese Struktur widersprechen sich zwei Zeitrahmen — und der Trader wird zwischen ihnen hin- und hergeworfen, genau wie der Leser vom Anfang dieses Artikels.

Marktstruktur liest sich außerdem auf liquiden Paaren zuverlässiger. EUR/USD ist das liquideste Paar der Welt — laut BIS-Daten vom April 2022 belief sich der Tagesumsatz am Devisenmarkt auf 7,5 Billionen US-Dollar. Bei wenig gehandelten Exoten neigen Swings dazu, unregelmäßig und weniger verlässlich zu sein. Vernünftiges Risikomanagement beginnt deshalb immer damit, liquide Paare mit lesbarer Struktur zu bevorzugen.

Was jetzt zu tun ist

Theorie ohne Chart bleibt nicht haften. Hier ist ein Plan für die nächsten Tage — jeder Schritt dauert einige bis einige Dutzend Minuten und erfordert kein kostenpflichtiges Werkzeug.

  1. Befreie einen Chart auf puren Kurs. Öffne EUR/USD auf dem Vier-Stunden-Zeitrahmen, entferne alle Indikatoren, und markiere nur die letzten drei Hochs und drei Tiefs. Du wirst die Marktrichtung klarer erkennen als mit zehn Linien auf dem Bildschirm, und dein Auge lernt, die Sequenz selbständig zu erfassen — ganz ohne Hilfsmittel.
  2. Beschrifte jeden Swing und lies die Sequenz laut vor. Weise jedem Hoch HH oder LH zu, jedem Tief HL oder LL, und sag laut, ob du einen Aufwärtstrend, einen Abwärtstrend oder eine Seitwärtsbewegung siehst. Das laute Aussprechen erzwingt eine Entscheidung und zeigt dir, wo du dir bei deiner Lesart nicht sicher bist.
  3. Markiere den geschützten Swing und plane den Stop Loss daran. Im Aufwärtstrend ist das das letzte höhere Tief, im Abwärtstrend das letzte niedrigere Hoch. Entscheide, wo du einen Stop Loss einige Pips jenseits dieses Niveaus setzen würdest — und bestimme erst dann die Positionsgröße zu diesem Abstand. Niemals umgekehrt.
  4. Prüfe denselben Moment auf zwei Zeitrahmen. Betrachte die Struktur zuerst auf dem Tages-Chart, dann auf dem Stunden-Chart, und notiere, ob sie übereinstimmen oder widersprechen. Diese Übung zeigt dir auf deinem eigenen Chart, warum die Richtung immer auf dem höheren Zeitrahmen festgelegt werden muss, bevor du für den Einstieg auf einen niedrigeren wechselst.
  5. Wiederhole den gesamten Prozess auf drei Paaren für eine Woche. Nimm EUR/USD, GBP/USD und USD/JPY und lies ihre Struktur jeden Abend fünf Tage lang neu. Nach einer Woche wird das Erkennen von höheren Hochs und höheren Tiefs zum Reflex — keine Linealarbeit mehr, sondern echter Blick für den Markt.

Das ist keine Anlageberatung — das ist Chart-Lesen als Handwerk. Behandle die Marktstruktur als das Skelett, auf das du erst eine Strategie, ein Risikomanagement und deine eigene Disziplin aufbaust. Wenn du tiefer in die Grundlagen des Trends einsteigen möchtest, findest du eine ausführliche Analyse im Technical-Analysis-Bereich auf ForexMechanics.

Jarosław Wasiński
Über den Autor

Jarosław Wasiński

Chefredakteur bei MyBank.pl · Finanz- und Marktanalyst

Unabhängiger Analyst und Praktiker mit über 20 Jahren Erfahrung im Finanzsektor. Gründer und Chefredakteur des Portals MyBank.pl, aktiv seit 2004. Fundamentalanalyse der Devisen- und Makromärkte seit 2007. Schreibt aus europäischer Marktperspektive im regulatorischen Rahmen von ESMA und BaFin.

Quellen und Literatur

  1. StockCharts ChartSchool Dow Theory · definicja trendu przez serię wyższych szczytów i wyższych dołków oraz mechanika sygnału odwrócenia trendu chartschool.stockcharts.com ↗
  2. StockCharts ChartSchool Trend Lines · metoda wyznaczania kolejnych dołków i szczytów oraz rola linii trendu jako dynamicznego poziomu chartschool.stockcharts.com ↗
  3. StockCharts ChartSchool Support & Resistance · rola chronionego dołka i szczytu jako poziomu odniesienia dla ustawienia stop lossa chartschool.stockcharts.com ↗
  4. BIS OTC foreign exchange turnover in April 2022 — Triennial Survey · dane o płynności rynku walutowego jako tło dla czytelności struktury na płynnych parach www.bis.org ↗

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem Swing High und einem Swing Low?

Ein Swing High (lokales Hoch) ist eine Kerze, deren Hoch über den Hochs mehrerer Kerzen auf ihrer linken und rechten Seite liegt — der Kurs schob nach oben, drehte und hinterließ eine Spitze. Ein Swing Low (lokales Tief) ist das Spiegelbild: ein Tief, das unter den benachbarten Kerzen liegt, also der Punkt, an dem der Kurs wieder nach oben drehte. In der Praxis verwende ich eine Regel von zwei bis drei Kerzen auf jeder Seite, um den Rauschen herauszufiltern. Genau diese zwei Punkttypen verknüpfen sich zur Sequenz, die wir Marktstruktur nennen, und sie entscheiden, ob wir höhere Hochs und höhere Tiefs oder das gegenteilige Bild vor uns haben.

Was bedeutet ein Break of Structure genau?

Ein Break of Structure ist der Moment, in dem der Kurs durch seinen letzten geschützten Swing in die dem vorherrschenden Trend entgegengesetzte Richtung durchbricht. Im Aufwärtstrend ist der geschützte Punkt das letzte höhere Tief. Solange der Kurs darüber bleibt, läuft die Sequenz aus höheren Hochs und höheren Tiefs weiter. Schließt eine Kerze deutlich darunter, ist die bestehende Sequenz gebrochen und du erhältst die erste Warnung vor einem möglichen Richtungswechsel. Ein wichtiger Hinweis: Das ist eine Warnung, keine Garantie für eine Umkehr. Manchmal dreht der Markt nur in eine Range. Deshalb behandle ich einen Break of Structure als Grund zur Vorsicht — nicht als automatisches Signal, gegen den Trend zu handeln.

Warum sieht die Marktstruktur auf verschiedenen Zeitrahmen unterschiedlich aus?

Weil Marktstruktur fraktal ist — dieselbe Kursbewegung besteht aus kleineren Bewegungen, und diese wiederum aus noch kleineren. Ein höheres Tief auf dem Tages-Chart kann auf dem Stunden-Chart wie ein vollständiger Abwärtstrend mit seiner eigenen Serie aus niedrigeren Hochs und niedrigeren Tiefs aussehen. Das ist kein Fehler, sondern die Natur des Marktes. Deshalb frage ich nie „Was ist der Trend?", sondern immer „Was ist der Trend auf diesem konkreten Zeitrahmen?". Ich lege die Richtung zuerst auf einem höheren Zeitrahmen fest, etwa dem Tages- oder Vier-Stunden-Chart, und suche erst dann auf einem niedrigeren nach einem passenden Einstieg. Das Mischen von Zeitrahmen ohne diese Hierarchie ist die häufigste Ursache für widersprüchliche Lesarten.

Wo setzt du den Stop Loss mithilfe der Marktstruktur?

Die Logik ist einfach: Der Stop Loss gehört hinter den letzten geschützten Swing, weil nur ein Durchbruch durch dieses Niveau den Grund für deinen Einstieg ungültig macht. In einer Long-Position im Aufwärtstrend setze ich den Stop einige Pips unter das letzte höhere Tief. Erreicht der Kurs diesen Punkt, ist die bullische Struktur gerade gebrochen und ich habe keinen Grund mehr, die Position zu halten. In einer Short-Position im Abwärtstrend ist es das Spiegelbild — der Stop sitzt einige Pips über dem letzten niedrigeren Hoch. So knüpfst du dein Risiko an ein echtes Niveau auf dem Chart statt an eine willkürliche Pip-Anzahl. Trotzdem berechne ich immer zuerst die Positionsgröße zu diesem Abstand — niemals umgekehrt.

Tiefer eintauchen · der vollständige Leitfaden