Bevor du einen Trend beschriftest, lege fest, welche Punkte du vergleichst. Marktstruktur ist eine Beschreibung ausgewählter Hochs und Tiefs auf einem bestimmten Zeitrahmen. Eine nachträglich überzeugende Folge kann Informationen enthalten, die beim damaligen Kurs noch fehlten. Deshalb gehören Punktposition und früheste Bestätigungszeit in dieselbe Auswertung.

Swing High und Swing Low eindeutig auswählen

HH steht für ein höheres Hoch gegenüber dem vorherigen ausgewählten Hoch, LH für ein niedrigeres. HL und LL vergleichen entsprechend zwei Tiefs. Vergleiche gleiche Preisfelder miteinander: High mit High, Low mit Low. Das erste Hoch oder Tief ist zunächst nur eine Referenz. Ohne vorherigen Punkt derselben Art gibt es noch kein „höher“ oder „niedriger“.

Für die folgende Übung gilt eine strenge 2/2-Regel. Ein Hoch an Kerze t muss über den Highs der zwei vorherigen und zwei folgenden Kerzen liegen. Ein Tief muss unter allen vier benachbarten Lows liegen. Gleichstände werden verworfen; eine Kerze, die beide Bedingungen erfüllt, wird übersprungen. Die Fractals-Dokumentation von MetaTrader beschreibt ein verwandtes Fünfkerzenmuster. Unsere zusätzliche Gleichstands- und Doppelpunktregel ist eine ausdrücklich gewählte Übungskonvention.

Den Punkt an t kannst du erst nach dem Schluss von t+2 bestätigen, sobald deren Daten vorliegen. Die offene zweite rechte Kerze kann den Kandidaten noch ungültig machen. Ein später auf t gesetzter Pfeil zeigt den Ort des Extremums, nicht die damalige Verfügbarkeit. Genau diesen Unterschied behandelt der Beitrag zu Repainting.

Höhere Hochs sind nicht höhere Schlusskurse

Zwei hypothetische Vergleichskerzen in beliebigen Preiseinheiten lauten A=(Open 105, High 110, Low 104, Close 109) und B=(107, 112, 106, 108). B hat ein um 2 höheres High und ein um 1 niedrigeres Close. Beide Aussagen stimmen gleichzeitig. Die angegebenen OHLC sind gültig; Nachbarkerzen fehlen jedoch. Damit sind es ausgewählte Vergleichsanker, keine neu nachgewiesenen 2/2-Pivots.

Höheres High, niedrigeres CloseZahlenvergleich zweier hypothetischer OHLC-Anker in beliebigen Preiseinheiten; keine vollständige Pivotfolge.RECHEN- UND LERNBEISPIELHigh110 → 112Close109 → 1082/2-PivotNicht nachgewiesen
Höheres High, niedrigeres Close. Zahlenvergleich zweier hypothetischer OHLC-Anker in beliebigen Preiseinheiten; keine vollständige Pivotfolge.

Preisfeld und Bestätigung müssen zur gewählten Regel passen.

High
110 → 112 – Differenz +2; auf dieser Basis höheres Hoch.
Close
109 → 108 – Differenz −1; auf dieser Basis niedrigerer Schlusskurs.
2/2-Pivot
Nicht nachgewiesen – Die vier Nachbarkerzen sind nicht angegeben.

Wenn deine Strukturdefinition bestätigte Swing Highs verwendet, ersetzt ein Export von Schlusskursen diese Daten nicht. Eine Struktur auf Close-Basis benötigt eine eigene Auswahlregel. Die Karten stellen die beiden Zahlenvergleiche gegenüber; sie behaupten keine vollständige Kursfolge oder einen Kaufzwang bei 112.

Auch „aufwärts“ braucht eine Zustandsregel. Hier steigen jeweils die letzten zwei bestätigten Hochs und Tiefs: aufwärts. Fallen beide Paare, lautet der Zustand abwärts. Andere Kombinationen einschließlich Gleichheit sind gemischt. Fehlen zwei Punkte einer Art, bleibt der Zustand unklassifiziert. Gemischt ist keine automatische Diagnose einer begrenzten Seitwärtszone.

EUR/USD: Punkt, Bestätigung und Zustand

Die folgenden hypothetischen Bid-Werte gelten auf einem festen Zeitrahmen, mit 0,0001 USD je EUR als Pip. H6 bezeichnet das High an Kerze 6, L3 deren Low an Kerze 3. Jede Zeile nennt nur das jeweilige Preisfeld und vier Nachbarn. Es sind festgelegte Vergleichsausschnitte, keine vollständige OHLC-Datei mit 23 Kerzen und keine historischen Marktdaten.

PunktPreisZwei linke NachbarnZwei rechte NachbarnBekannt nach Kerze
L31,08001,0820 / 1,08101,0815 / 1,08405
H61,09001,0840 / 1,08701,0890 / 1,08808
L91,08501,0870 / 1,08601,0865 / 1,090011
H121,09601,0890 / 1,09401,0945 / 1,093014
L151,08801,0920 / 1,09001,0890 / 1,090017
H181,09401,0910 / 1,09301,0920 / 1,089020
L211,08401,0900 / 1,08701,0850 / 1,086023

H12 überragt seine vier aufgeführten High-Nachbarn, wird aber erst nach Kerze 14 bekannt. L15 liegt unter seinen Low-Nachbarn und zugleich 30 Pips über L9. Ein lokales Tief und ein höheres Tief sind somit unterschiedliche Vergleiche. H12 liegt 60 Pips über H6, L9 liegt 50 Pips über L3.

Nach Kerze 11 gibt es HL, aber erst ein Hoch: unklassifiziert. Nach 14 und 17 liegen HH/HL vor. Nach 20 ist H18 um 20 Pips niedriger als H12, während die Tiefs noch HL ergeben: gemischt. Erst nach 23 bestätigt L21 ein um 40 Pips niedrigeres Tief gegenüber L15. LH/LL ergibt nun abwärts. Die Punkte wechseln hier zufällig ihre Art ab; ein allgemeiner Algorithmus muss Hochs und Tiefs nicht künstlich alternieren lassen.

Gleichstände und Referenzbrüche getrennt protokollieren

Eine separate vollständige Sechskerzenprobe beginnt bei Index 0. Die Highs lauten 8, 9, 10, 10, 9, 8; alle Lows sind 7 und alle Opens und Closes 8. Die strenge Regel erkennt keinen der beiden Highs 10: Beide besitzen einen gleich hohen Nachbarn. Eine Regel „nicht niedriger als alle vier“ erkennt dagegen Index 2 und 3, bestätigt nach 4 und 5. Streng links und Gleichheit rechts erlaubt ergibt nur Index 2; Gleichheit links und streng rechts nur Index 3.

Eine Zusammenfassung benachbarter Gleichstände wäre wiederum eine zusätzliche Regel. Lege sie vor der Auswertung fest. Kein gezeigtes Verfahren ist deshalb profitabler. Für Softwaretests liefern dieselben Preise vier unterschiedliche, nachvollziehbare Erwartungslisten.

Weise im ursprünglichen EUR/USD-Modell Kerze 21 ein Close von 1,0848 zu. Es liegt bereits 32 Pips unter dem bekannten L15=1,0880. Das ist ein Schlusskursbruch dieser Referenz. L21 selbst ist trotzdem erst nach 23 bestätigt. Für BOS oder CHoCH musst du deshalb Referenz, Wick oder Close, Abstand und Entscheidungszeit ausdrücklich festhalten; die Begriffe ersetzen keine gemeinsame Definition.

Zeitrahmen, Kontowährung und alternative Zustände

Auf einem größeren Intervall können Hochs und Tiefs steigen, während ein kleineres LH/LL enthält. Unterschiedliche Aggregation und Punktauswahl machen daraus keinen Widerspruch. die Multi-Timeframe-Analyse behandelt diese zeitliche Zuordnung. Der Schluss einer H4-Kerze und der Bestätigungszeitpunkt eines M15-Pivots sind verschiedene Ereignisse.

Ein EUR-Konto verändert weder HH noch Pip-Abstände. Die spätere Umrechnung eines Positionsgewinns in EUR ist eine andere Rechnung. Struktur allein bestimmt keine Positionsgröße und keinen universellen Stop-Abstand. Für konkrete Referenzzonen hilft der Einstieg zu Unterstützung und Widerstand; ein paar Pips hinter einem Swing garantieren keine Ausführung.

In einer gesonderten Variante beträgt das nach L15 bestätigte Tief 1,0885. Das sind 5 Pips höher, also HL. Mit dem weiterhin niedrigeren H18 entsteht LH/HL: gemischt. Liegt das neue Tief an Kerze 21, darfst du es unter derselben 2/2-Regel erst nach 23 verwenden, sofern die Nachbarbedingungen erfüllt sind. Nicht jede spätere Variante lässt sich aus den ursprünglichen Ausschnitten rekonstruieren; kennzeichne sie gesondert.

Drei Schritte für eine reproduzierbare Auswertung

  1. Schreibe die Punktregel auf. Lege Intervall, Bid/Ask oder andere Datenbasis, High/Low, Gleichstandsregel und den Umgang mit Doppel-Pivots fest. Prüfe die Sechskerzenprobe und notiere die erwarteten Indizes.
  2. Gib Daten chronologisch frei. Führe je Punkt einen Eintrag mit Punktkerze, Bestätigungskerze und Vergleich zur vorherigen Referenz derselben Art. Übernimm H12 erst nach 14 und L21 erst nach 23.
  3. Bewahre uneindeutige Fälle. Trage nach 11 unklassifiziert und nach 20 gemischt ein. Protokolliere den Close-Bruch an 21 getrennt. Eine Handelsauswertung darf erst danach eigene Einstiegs-, Kosten- und Ausführungsregeln hinzufügen.