Schiff-Pitchfork — Andrews-Pitchfork mit verschobenem Ursprung
Stell dir vor, du legst die klassische Andrews-Pitchfork auf einen starken Aufwärtstrend — und der Kanal driftet einfach weg. Die Medianlinie ist so steil, dass sie irgendwo oberhalb der Kerzen hängt und mit dem, was der Markt tatsächlich tut, nichts mehr zu tun hat. Das ist ein häufiges Problem bei kraftvollen Bewegungen, und genau dafür wurde die Schiff-Pitchfork entwickelt. Jerome Schiff verschob den Startpunkt der Medianlinie, und plötzlich legte sich der Kanal sauber an den Kern des Trends. Das klingt nach einer Kleinigkeit — kann aber das gesamte Bild verändern.
Was die Schiff-Pitchfork ist
Die Schiff-Pitchfork ist eine Variante der Andrews-Pitchfork, jenes Werkzeugs, das aus drei Pivotpunkten eine Medianlinie und zwei parallele Kanalkanten aufbaut. In Alan Andrews' Original startet die Medianlinie genau beim ersten Pivot — üblicherweise P0 genannt — und verläuft durch den Mittelpunkt der Strecke, die die beiden nächsten Pivots P1 und P2 verbindet. Der Kurs neigt dazu, zu dieser Medianlinie zurückzukehren und um sie zu oszillieren; deshalb kann die Pitchfork beim trendkonformen Handel hilfreich sein.
Jerome Schiff stellte fest, dass dieses Konstrukt bei starken Bewegungen oft zu steil wird. Seine Lösung bestand in einer einzigen Änderung: Er verschob den Startpunkt der Medianlinie von P0 auf die Mitte der Strecke zwischen P0 und P1. Alles andere bleibt identisch. Der Effekt ist dennoch spürbar, weil die Medianlinie sanfter geneigt ist und der Kanal die gesamte Bewegung besser umschließt, statt durch ein ungewöhnlich tiefes Hoch oder Tief verzerrt zu werden.
Standard- und Modified Schiff — wo der Unterschied liegt
Die Schiff-Pitchfork gibt es in zwei Varianten, die sich darin unterscheiden, auf wie vielen Achsen du den Startpunkt verschiebst. Beim Standard-Schiff wandert der Ursprung der Medianlinie nur horizontal — also in der Zeit —, während sein Preisniveau auf dem Niveau von P0 bleibt. Beim Modified Schiff verschiebst du ihn gleichzeitig horizontal und vertikal, sodass der Ursprung exakt auf dem Mittelpunkt der Strecke P0–P1 landet, sowohl in der Zeit als auch im Preis. Genau diese vollständige Zweiachsen-Verschiebung meinen die meisten, wenn sie schlicht von „Schiff" sprechen.
In der Praxis liefert die Modified-Variante eine sanftere, besser zentrierte Neigung und wirkt bei sehr schnellen Bewegungen angenehmer. Die Standard-Variante bleibt Andrews' Original näher und reicht vielen Tradern vollständig aus. Es gibt keinen Grund, hier nach der einen perfekten Version zu suchen. Am sinnvollsten ist es, beide auf demselben Chart zu überlagern und zu prüfen, welche Medianlinie die Stellen, an denen der Kurs bereits gedreht hat, ehrlicher abbildet.
Wann Schiff, wann die klassische Andrews-Pitchfork
„Märkte bewegen sich in Trends. Der Sinn des Einzeichnens von Trendlinien und Kanälen besteht darin, diese Trends frühzeitig zu erkennen und ihnen zu folgen, bis Hinweise auf eine Umkehr vorliegen." — John J. Murphy, Technical Analysis of the Financial Markets, 1999.
Aus Murphys Gedanken folgt eine schlichte Konsequenz: Sowohl die Andrews-Pitchfork als auch ihre Schiff-Variante sind schlicht unterschiedliche Wege, denselben Trendkanal zu zeichnen. Die Wahl zwischen ihnen ist keine Frage des Stils, sondern der Passung zwischen Werkzeug und Bewegungscharakter. Die klassische Andrews-Pitchfork funktioniert am besten in einem ruhigeren, kanalisierten Trend, in dem der Kurs gleichmäßig um die Medianlinie pendelt. Die Schiff-Pitchfork gewinnt erst dann die Oberhand, wenn der Markt hart in eine Richtung läuft und der erste Pivot so tief liegt, dass die klassische Medianlinie unnatürlich steil wird.
Es lohnt sich, die Frage der Trendstärke schon vor der Werkzeugwahl im Kopf zu haben. Ist die Bewegung eindeutig und einseitig, fang mit Schiff an. Schwingt der Kurs breit, greif zur klassischen Pitchfork. Mehr dazu, wie du Trends erkennst und handelst, findest du in der Rubrik Handelsstrategien — dort sind auch trendfolgende Ansätze beschrieben. Den Ausgangspunkt für diese ganze Werkzeugfamilie bildet die Andrews-Pitchfork selbst, die du ebenfalls in der Strategien-Übersicht findest.
Wie du die Schiff-Pitchfork zeichnest und handelst
Das Zeichnen beginnt mit der Markierung von drei Pivotpunkten — genauso wie beim Original. Zuerst wählst du P0, den Beginn der gesamten Bewegung, dann P1 als das erste klare Hoch oder Tief danach und schließlich P2 als den nächsten Pivot in die entgegengesetzte Richtung. In den gängigen Charting-Programmen wählst du einfach die Schiff- oder Modified-Schiff-Variante aus der Werkzeugpalette, und die Medianlinie sowie die Kanalkanten zeichnen sich mit dem bereits verschobenen Ursprung von selbst.
Der eigentliche Handel sieht dann ähnlich aus wie bei der klassischen Pitchfork. Im Aufwärtstrend fungiert die untere Kanalkante als Nachfragezone, an der du eine Long-Position suchst; eine Rückkehr zur Medianlinie ist oft eine Stelle, an der sich die Bewegung fortsetzt. Du steigst jedoch nicht beim ersten Berühren der Linie blind ein — du wartest auf eine Kursreaktion, etwa eine Engulfing-Kerze in Trendrichtung, und planst den Einstieg erst dann. Der Stop Loss kommt auf die Gegenseite der Zone, die du verteidigst, und das Kursziel liegt an der gegenüberliegenden Kanalkante oder der nächsten sichtbaren Liquidität. Alles dreht sich dabei um den schlichten Rollentausch von Unterstützung und Widerstand — ein Konzept, das du im Bereich Technische Analyse vertieft findest.
Um das konkret zu machen, verfolgen wir ein rein hypothetisches, illustratives Setup. EUR/USD steigt von rund 1.0750, hinterlässt ein erstes klares Hoch bei 1.0900 und zieht anschließend auf ein Tief bei 1.0820 zurück. Das sind P0, P1 und P2. Wenn du die Modified-Schiff-Variante aktivierst, landet der Ursprung der Medianlinie auf dem Mittelpunkt zwischen 1.0750 und 1.0900 — die Linie ist dadurch deutlich weniger steil als in der klassischen Pitchfork. Wenn der Kurs in den darauffolgenden Tagen zur unteren Kanalkante zurückläuft und dort eine Reaktionskerze hinterlässt, hast du einen Long-Kandidaten. Der Stop Loss geht einige Pips unterhalb dieser Kante, das Ziel zielt auf die Medianlinie oder die obere Kanalkante. Mit diesem Setup ergibt sich häufig ein günstiges Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) — wobei das eine Wahrscheinlichkeit ist, keine Garantie.
Ein ehrlicher Vorbehalt — Interpretation, kein Freifahrtschein
Hier kommt der Teil, den viele Anleitungen weglassen. Die Schiff-Pitchfork ist im Kern ein interpretatives und von Natur aus subjektives Werkzeug. Die gesamte Zeichnung hängt davon ab, welche drei Punkte du als P0, P1 und P2 wählst; zwei Trader, die denselben Chart betrachten, werden sie oft leicht unterschiedlich markieren und verschiedene Kanäle erhalten. Es handelt sich nicht um einen objektiven Indikator mit einem einzigen Wert, sondern um eine Erzählweise darüber, wohin sich der Kurs bewegt. Eine seriöse Studie, die belegt, dass die Schiff-Variante eine höhere Trefferquote hat als die klassische Andrews-Pitchfork, existiert nicht.
Deshalb ist es am klügsten, die Pitchfork als Rahmen zum Ordnen des Denkens über einen Trend zu behandeln und nicht als eigenständiges Kauf- oder Verkaufssignal. Bestätige Einstiege mit einfacher Preisreaktion, füge den Kontext höherer Zeitrahmen hinzu und vernachlässige das Risikomanagement nie. Forex und CFDs sind Hochrisikoinstrumente — laut ESMA-Daten aus 2018 verlieren zwischen 74 und 89 Prozent der Retail-Konten Geld. Wie clever eine Linie auch gezeichnet ist, ändert das nichts daran. Einen umfassenderen, kursartigen Überblick über Trendlinien und Kanäle bietet der Bereich Technical Analysis auf ForexMechanics.com. Grundlagen zum Umgang mit dem daraus resultierenden Verlustrisiko findest du in der Rubrik Risikomanagement.
Was jetzt zu tun ist
- Öffne den Chart eines Paares, das du gut kennst, suche einen klaren, einseitigen Trend und lege auf dieselben drei Pivotpunkte zuerst die klassische Andrews-Pitchfork und danach die Schiff-Variante, damit du mit eigenen Augen siehst, wie sehr sich die Neigung der Medianlinie tatsächlich unterscheidet.
- Schalte die Pitchfork zwischen Standard-Schiff und Modified Schiff um und prüfe, welche Medianlinie besser mit den Stellen übereinstimmt, an denen der Kurs zuvor schon gedreht hat — das ist ein praktischer Weg, die Variante zu wählen, die zur vorliegenden Bewegung passt.
- Scrolle durch den Chart zurück und verfolge mehrere Reaktionen an der unteren und oberen Kanalkante. Achte dabei darauf, ob ihnen eine lesbare Kursreaktion vorausging — statt davon auszugehen, dass jedes Berühren der Linie automatisch ein Einstiegssignal ist.
- Schreib in dein Trading-Journal eine eigene Regel zur Auswahl der Punkte P0, P1 und P2 sowie eine Risikogrenze von maximal einem Prozent des Kontokapitals pro Trade, und übe das gesamte Setup auf einem Demokonto, bevor du echtes Kapital riskierst.
Quellen und Literatur
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John J. Murphy Technical Analysis of the Financial Markets · New York Institute of Finance (Penguin), 1999 — linie trendu, kanały i median line, rozdz. 4 i 8 books.google.pl ↗
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Bank for International Settlements OTC foreign exchange turnover in April 2022 · Triennial Central Bank Survey — obrót 7,5 bln USD dziennie, kontekst skali i płynności rynku www.bis.org ↗
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ESMA ESMA agrees to prohibit binary options and restrict CFDs · komunikat 27.03.2018 — 74–89% rachunków detalicznych CFD traci pieniądze www.esma.europa.eu ↗
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ESMA Press release — product intervention (PDF) · esma71-98-128 — pełny tekst decyzji o interwencji produktowej z danymi o stratach detalicznych www.esma.europa.eu ↗
Häufig gestellte Fragen
Wie unterscheidet sich die Schiff-Pitchfork von der Andrews-Pitchfork?
Beide Werkzeuge werden mit denselben drei Punkten gezeichnet und beide erzeugen eine Medianlinie mit parallelen Kanalkanten. Der einzige Unterschied liegt darin, wo die Medianlinie beginnt. Bei der klassischen Andrews-Pitchfork startet sie genau am ersten Pivot P0. In Schiffs Version verschob Jerome Schiff diesen Ursprung auf den Mittelpunkt zwischen P0 und P1. Das klingt nach einer Kleinigkeit, hat aber einen realen Effekt: Ist das erste Hoch oder Tief sehr tief, wird die klassische Pitchfork zu steil und der Kanal driftet vom Kurs weg. Schiff neigt die Medianlinie sanfter, sodass der Kanal besser am Kern eines starken Trends liegt. Bei einer ruhigen Seitwärtsbewegung ist der Unterschied oft gering — dort hat die klassische Andrews-Pitchfork meist die Nase vorn.
Standard- vs. Modified Schiff — was ändert sich konkret?
Der Unterschied liegt darin, auf wie vielen Achsen du den Startpunkt verschiebst. Beim Standard-Schiff wandert der Ursprung nur horizontal — in der Zeit —, während sein Preisniveau dem von P0 entspricht. Beim Modified Schiff verschiebst du ihn gleichzeitig horizontal und vertikal, sodass der Ursprung exakt auf dem Mittelpunkt der Strecke P0–P1 landet, sowohl zeitlich als auch preislich. Die Modified-Variante liefert in der Regel eine sanftere, besser zentrierte Neigung und kann bei sehr schnellen Bewegungen angenehmer sein. Der Standard-Schiff bleibt Andrews' Original näher und reicht vielen Tradern vollständig aus. In der Praxis gibt es keine einzige „bessere" Version: Am sinnvollsten ist es, beide auf demselben Chart zu überlagern und zu prüfen, welche Medianlinie die früheren Wendepunkte des Kurses ehrlicher wiedergibt.
Ist die Schiff-Pitchfork ein objektives Signal oder ein subjektives Werkzeug?
Es ist im Kern ein interpretatives Werkzeug, und du musst ehrlich zu dir selbst sein. Die gesamte Zeichnung hängt davon ab, welche drei Punkte du als P0, P1 und P2 wählst; zwei Trader, die denselben Chart betrachten, werden sie oft leicht unterschiedlich markieren und verschiedene Kanäle erhalten. Die Idee eines Trendkanals und der Rückkehr des Kurses zur Medianlinie ist in der klassischen Technischen Analyse dokumentiert, unter anderem bei John Murphy — Schiff erfindet also nichts von Grund auf neu, er neigt lediglich eine bestehende Pitchfork. Eine seriöse Studie, die belegt, dass Schiffs Version eine höhere Trefferquote hat als die klassische Andrews-Pitchfork, existiert nicht. Mein Fazit nach Jahren der Marktbeobachtung ist einfach: Behandle die Pitchfork als Rahmen, um dein Denken über einen Trend zu ordnen, bestätige Einstiege mit einfacher Kursreaktion, und vergiss nicht — laut ESMA verliert die Mehrheit der Retail-Konten ohnehin Geld.