Plus500 — ein CFD-Only-Broker mit eigener Plattform, ohne MetaTrader

Zuletzt geprüft: · Vierteljährliche Überprüfung
Risikohinweis · YMYL Dieser Artikel dient ausschließlich zu Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel am Forex-Markt birgt ein hohes Risiko des Kapitalverlusts — die ESMA berichtet, dass zwischen 74 % und 89 % der Privatanlegerkonten Verluste erleiden.

Plus500 hat bewusst das Gegenteil von dem getan, was die meisten Konkurrenten tun: Statt den Kunden mit fortgeschrittenen Werkzeugen zu überhäufen, hat die Gesellschaft fast alles gestrichen und einen einzigen vereinfachten Bildschirm übrig gelassen. Das Unternehmen wurde 2008 in Haifa von einer Gruppe von Technion-Absolventen gegründet und ist heute am Main Market der Londoner Börse notiert — Mitglied des FTSE 250 Index. Für einen Retail-Trader ist Plus500 ein CFD-Only-Broker mit einer eigenen Plattform, ganz ohne MetaTrader. Im Folgenden erkläre ich, für wen dieses Modell passt — und wer besser woanders sucht.

Wer Plus500 wirklich ist

Die Unternehmensgeschichte ist ungewöhnlich. Plus500 wurde 2008 von sechs Absolventen des israelischen Technion mit einem Startkapital von rund vierhunderttausend Dollar gegründet. Die Idee entstand aus Frustration — ein Gründer wollte Microsoft-Aktien leer verkaufen, stieß bei einem großen Broker auf einen umständlichen Registrierungsprozess und entschied, dass es einfacher gehen muss. Das ist die gesamte Markenphilosophie: eine vereinfachte Oberfläche, in der sich ein Einsteiger nicht verliert.

Das Unternehmen wuchs rasch über Israel hinaus. 2013 notierte es erstmals an der Londoner Börse; 2018 wechselte es auf den Main Market (London Stock Exchange, Ticker PLUS) und zog in den FTSE 250 ein. Dieses Detail ist aus Sicherheitsperspektive relevant: Ein börsennotiertes Unternehmen veröffentlicht Jahresabschlüsse, unterliegt Offenlegungspflichten und steht unter der Beobachtung von Analysten und Wirtschaftsprüfern — eine Transparenz, die kein privater Broker bieten kann.

Regulierung und Sicherheit der Einlagen

Plus500 operiert über mehrere eigenständige Gesellschaften, jede unter einem eigenen Aufseher. Im Vereinigten Königreich ist das Plus500UK Ltd, reguliert durch die Financial Conduct Authority (FCA, FRN 509909). In Zypern agiert Plus500CY Ltd unter der CySEC (Lizenz 250/14), in Australien hält Plus500AU Pty Ltd eine ASIC-Lizenz, und in Singapur verfügt Plus500SG über eine Zulassung der Monetary Authority of Singapore. Europäische Kunden werden hingegen von der estnischen Gesellschaft Plus500EE AS betreut, beaufsichtigt durch die estnische Finanzaufsicht (Lizenz 4.1-1/18) — eine wichtige Klarstellung gegenüber der verbreiteten Annahme, EU-Kunden würden von der zyprischen Gesellschaft bedient.

Warum ist das relevant? Weil eine EU-Einheit bedeutet, dass die ESMA-Regeln aus dem Jahr 2018 für dich unmittelbar gelten: Hebel auf Währungspaare auf 30:1 begrenzt, Zwangsglattstellung (Stop-Out) wenn das Eigenkapital auf die Hälfte der erforderlichen Margin fällt, und Schutz vor negativem Kontosaldo. Letzterer ist entscheidend — er garantiert, dass du selbst bei einer heftigen Marktbewegung nicht mehr verlierst, als du auf dem Konto hältst. Gelder von Retail-Kunden werden auf Konten verwahrt, die vom Firmenvermögen getrennt sind — EU-Regulierungsstandard. BaFin beaufsichtigt den deutschen Markt national; da Plus500EE AS als EU-Pass-Einheit agiert, gilt das ESMA-Regelwerk für dich als deutschem Retailkunden direkt, ohne dass eine separate BaFin-Erlaubnis erforderlich wäre.

Handelbare Instrumente und Plattform

Hier beginnt die entscheidende Einschränkung: Plus500 bietet in seiner europäischen Retail-Form ausschließlich Differenzkontrakte (CFDs) an. Das sind Derivate, bei denen du keine echte Aktie oder Währung kaufst, sondern mit Hebelwirkung auf eine Preisveränderung des Basiswerts wettest. Das Angebot ist breit — nach eigenen Angaben des Brokers über zweitausendachthundert Instrumente: Währungspaare, Indizes, Aktien, Rohstoffe, Kryptowährungen und ETFs, alles aber als CFDs. Wer Aktien physisch ins Depot kaufen möchte, kann Plus500Invest nutzen — einen separaten Dienst, der jedoch nicht in allen Ländern verfügbar ist. Prüfe vor jeder Einzahlung, ob er für Deutschland zugelassen ist.

Die Handelsplattform ist proprietär. Plus500 bietet weder MetaTrader 4 noch MetaTrader 5 an — eine bewusste Entscheidung, kein Versehen. Du erhältst einen browserbasierten WebTrader sowie Apps für iOS und Android, alle um dieselbe stark vereinfachte Oberfläche gebaut. Das hat zwei Seiten. Ein Einsteiger findet sich schnell zurecht, weil keine Hunderte von Einstellungen warten. Wer jedoch automatisierte Strategien (Expert Advisors), Drittanbieter-Indikatoren oder einen fortgeschrittenen Backtest benötigt, sucht das hier vergebens. Einen strukturierten Überblick über Plattformoptionen bietet die Kategorie Handelsplattformen auf dieser Seite.

Was der Handel wirklich kostet

Das Gebührenmodell ist einfach — und das ist seine Hauptstärke. Plus500 erhebt keine Provision auf einzelne Trades; es verdient am Spread, der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Der Broker erklärt das offen: Die Vergütung kommt hauptsächlich aus dem Spread, während das Öffnen und Schließen einer Position sowie Ein- und Auszahlungen provisionsfrei sind. Für einen Einsteiger ist das komfortabel — es gibt keinen getrennten Posten für Provision und Spread, die Kosten sind im Preis eingebaut.

„Analysen nationaler Aufsichtsbehörden zeigen, dass typischerweise zwischen 74 % und 89 % der Retail-Anlegerkonten bei CFD-Investitionen Verluste erleiden, mit durchschnittlichen Verlusten von 1.600 bis 29.000 Euro pro Kunden." — European Securities and Markets Authority (ESMA), Produktinterventionserklärung, 2018

Diese eingebaute Kosten haben jedoch eine Kehrseite. Der Spread im Market-Maker-Modell kann breiter sein als im Provisionsmodell bei ECN-Brokern, wo du einen engen Spread plus eine explizite Kommission zahlst — den Unterschied erklärt die Kategorie Grundkonzepte des Forex-Handels im Detail. Hinzu kommen Kosten, die Einsteiger oft übersehen: Swap-Punkte für das Halten einer Position über Nacht, eine Währungsumrechnungsgebühr bei einem Instrument in einer anderen Währung als dem Kontoguthaben, eine Inaktivitätsgebühr nach einer längeren Pause sowie eine Prämie für den garantierten Stop Loss. Die konkreten Spread-Sätze überprüfst du stets auf der aktuellen Gebührenseite des Brokers — sie ändern sich und hängen vom Instrument ab.

Das Risiko, das klar benannt werden muss

Ein CFD ist ein HochrisikoProdukt, und Plus500 gibt das selbst zu. Auf seiner Website veröffentlicht der Broker — entsprechend der Offenlegungspflicht, die ESMA und FCA vorgeben — den Hinweis, dass achtzig Prozent der Retail-Kunden beim CFD-Handel mit diesem Anbieter Verluste erzielen. Das ist keine Eigenschaft dieses Unternehmens, sondern der gesamten Produktkategorie: Die britische FCA nennt eine vergleichbare Größenordnung für den Gesamtmarkt. Der Hebel, der mit höheren Gewinnen lockt, vergrößert Verluste im gleichen Maß.

Daraus folgt eine einfache Schlussfolgerung. Plus500 ist im regulatorischen Sinne sicher — du hast Aufsicht, ein börsennotiertes Unternehmen und Schutz vor negativem Kontosaldo. Aber ein „sicherer Broker" bedeutet nicht ein „sicheres Produkt." Der Schutz vor negativem Saldo bewahrt dich davor, dem Broker Geld zu schulden — nicht davor, deine Einlage zu verlieren. Wer die eigene Verlusttragfähigkeit methodisch einschätzen möchte, findet im Bereich Risikomanagement praxisnahe Ansätze zur Positionsgrößenberechnung und zum Stop-Loss-Einsatz. Bevor du echtes Kapital einzahlst, rechne aus, wie viel du verlieren kannst — nicht wie viel du gewinnen möchtest.

Für wen Plus500 geeignet ist — und für wen nicht

Plus500 macht für ein bestimmtes Profil Sinn. Es passt zu einem Einsteiger, der eine einfache, übersichtliche Oberfläche möchte und keinen komplexen Handelsworkflow plant — jemand, der die Tatsache schätzt, dass die Gesellschaft börsennotiert und EU-reguliert ist und dass das Gebührenmodell transparent aufgebaut ist. Es passt auch zu jemandem, der gelegentlich ein breites CFD-Spektrum über verschiedene Anlageklassen hinweg von einem Konto aus handelt und keinen MetaTrader benötigt.

Wer MetaTrader nutzen, automatisierte Strategien fahren oder auf sehr engen Spreads scalpen möchte, ist hier falsch — ein Broker im Provisionsmodell bedient dieses Profil besser. Trader, denen lokale Sprachunterstützung und die Aufsicht durch eine bekannte Heimatbehörde wichtig ist, greifen häufiger zu einem nationalen Broker mit eigener BaFin-Zulassung. Einen strukturierten Überblick über regulierte Broker — Lizenztypen, Einlagensicherung und Auswahlkriterien — bietet die Kategorie Broker auf dieser Seite. Für tiefergehende Hintergründe zur Broker-Wahl empfiehlt sich zudem der Broker-Auswahlratgeber auf ForexMechanics.com.

Was jetzt zu tun ist

  1. Vertragsgesellschaft und Lizenz verifizieren. Stelle sicher, dass du mit Plus500EE AS — der EU-Einheit für europäische Kunden — kontrahierst, und nicht irrtümlich mit der zyprischen Gesellschaft rechnest. Lizenz 4.1-1/18 und den Namen der Aufsichtsbehörde findest du in der Fußzeile der Plus500-Website sowie im öffentlichen Register der estnischen Finanzaufsicht. Dieser einfache Schritt schützt vor einer Verwechslung zwischen der Marketinglizenz und der Lizenz, die dein Konto tatsächlich reguliert.
  2. Zuerst das Demo-Konto nutzen. Ein Demokonto lässt dich prüfen, ob der stark vereinfachte WebTrader deinen Anforderungen entspricht — bevor du echtes Kapital einzahlst. Das ist ein kostenloser Test der Oberfläche, der Orderlogik und der verfügbaren Instrumente. Wer MetaTrader gewohnt ist, merkt schnell, ob er mit dem Wechsel zurechtkommt.
  3. Die Gesamtkosten berechnen, nicht nur den Spread. Addiere für dein typisches Instrument Swap-Punkte, eine eventuelle Währungsumrechnungsgebühr und die Inaktivitätsgebühr zum Spread. Aktuelle Zahlen nimmst du ausschließlich von der Live-Gebührenseite des Brokers — Zahlen aus Bewertungen veralten schnell und können irreführend sein.
  4. Verlustgrenze festlegen und Steuerreporting planen. Ein CFD ist ein Hochrisikoaustrument — entscheide im Voraus, wie viel du maximal riskieren kannst. Als ausländischer Broker ohne BaFin-Erlaubnis führt Plus500 keine Abgeltungsteuer an das deutsche Finanzamt ab und stellt keine deutsche Steuerbescheinigung aus. Du meldest Kapitalgewinne selbst in der Einkommensteuererklärung auf Basis des Plattform-Kontoauszugs. Wer aktiv handelt, zieht einen auf Kapitalmarktgeschäfte spezialisierten Steuerberater hinzu.
Jarosław Wasiński
Über den Autor

Jarosław Wasiński

Chefredakteur bei MyBank.pl · Finanz- und Marktanalyst

Unabhängiger Analyst und Praktiker mit über 20 Jahren Erfahrung im Finanzsektor. Gründer und Chefredakteur des Portals MyBank.pl, aktiv seit 2004. Fundamentalanalyse der Devisen- und Makromärkte seit 2007. Schreibt aus europäischer Marktperspektive im regulatorischen Rahmen von ESMA und BaFin.

Quellen und Literatur

  1. Plus500 Regulatory Information — Plus500 group entities and licences · Lista podmiotów grupy Plus500 i ich licencji: Plus500UK Ltd (FCA, FRN 509909), Plus500CY Ltd (CySEC 250/14), Plus500AU (ASIC), Plus500SG (MAS) oraz Plus500EE AS (nadzór estoński, licencja 4.1-1/18) obsługujący klientów z UE. www.plus500.com ↗
  2. European Securities and Markets Authority (ESMA) ESMA agrees to prohibit binary options and restrict CFDs to protect retail investors · Komunikat z 27 marca 2018 r.: 74–89% rachunków detalicznych traci pieniądze na CFD; wprowadzenie limitów dźwigni (30:1 dla majorów), zasady zamknięcia przy 50% margin i ochrony przed ujemnym saldem. www.esma.europa.eu ↗
  3. Financial Conduct Authority (FCA) FCA confirms permanent restrictions on the sale of CFDs and CFD-like options to retail consumers · Komunikat z 1 lipca 2019 r.: stałe ograniczenia CFD dla klientów detalicznych w UK — limity dźwigni 30:1–2:1, zamknięcie przy 50% margin, ochrona przed ujemnym saldem i obowiązek ujawniania odsetka tracących rachunków. www.fca.org.uk ↗

Häufig gestellte Fragen

Welche Plus500-Gesellschaft betreut Kunden aus Deutschland?

Deutsche und andere EU-Kunden werden von Plus500EE AS betreut — einer Gesellschaft mit Sitz in Estland, reguliert durch die estnische Finanzaufsicht (Lizenz 4.1-1/18). Das ist ein verbreiteter Irrtum: Viele Bewertungen schreiben EU-Kunden der zyprischen Gesellschaft (Plus500CY Ltd unter CySEC) zu. Tatsächlich ist die estnische Einheit Emittentin und Verkäuferin der Produkte für den EU-Markt, wie die Fußzeile der Website bestätigt. Die praktische Konsequenz: Die ESMA-Regeln für Retail-Kunden in der Union gelten für dich direkt — begrenzter Hebel, Schutz vor negativem Kontosaldo und Segregation der Kundengelder. Lizenznummer und Aufsichtsbehörde kannst du jederzeit in der Fußzeile der Plus500-Website sowie im öffentlichen Register der estnischen Finanzaufsicht nachprüfen — tue das, bevor du einen Vertrag unterzeichnest.

Bietet Plus500 MetaTrader 4 oder 5 an?

Nein. Plus500 hat sich bewusst für die eigene Plattform entschieden und bietet weder MetaTrader 4 noch MetaTrader 5 an. Du erhältst einen browserbasierten WebTrader sowie Apps für iOS und Android, alle um dieselbe stark vereinfachte Oberfläche gebaut. Für einen Einsteiger ist das ein Vorteil — keine Hunderte von Einstellungen, in denen man sich verliert, und das Öffnen einer Position ist intuitiv. Der Nachteil ist das Fehlen von allem, was MetaTrader standardmäßig bietet: keine automatisierten Strategien (Expert Advisors), keine Drittanbieter-Indikatoren und kein fortgeschrittener Backtest auf historischen Daten. Wer seinen Handelsstil auf MetaTrader oder Automatisierung aufgebaut hat, ist bei Plus500 schlicht falsch — ein Broker mit MT4- oder MT5-Angebot ist die bessere Wahl.

Was kostet der Handel bei Plus500?

Plus500 erhebt keine Provision auf einzelne Trades — der Broker verdient am Spread, der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Der Broker erklärt das offen: Die Vergütung stammt hauptsächlich aus dem Spread, während das Öffnen und Schließen einer Position sowie Ein- und Auszahlungen provisionsfrei sind. Für einen Einsteiger ist das praktisch — die Kosten sind im Preis eingebaut und müssen nicht getrennt gezählt werden. Du solltest jedoch die weiteren Gebühren im Blick behalten: Swap-Punkte für das Halten einer Position über Nacht, eine Währungsumrechnungsgebühr bei einem Instrument in einer anderen Währung als deinem Kontoguthaben, eine Inaktivitätsgebühr nach einer längeren Pause sowie eine Prämie für den garantierten Stop Loss. Die konkreten Spread-Sätze hängen vom Instrument ab und ändern sich laufend — prüfe sie stets auf der aktuellen Gebührenseite des Brokers, nicht in einer beliebigen Rezension.

Ist Plus500 für einen Einsteiger sicher?

Hier müssen zwei Dinge getrennt werden: die Sicherheit des Brokers und die Sicherheit des Produkts. Als Broker macht Plus500 einen soliden Eindruck — ein an der Londoner Börse notiertes Unternehmen, das über Gesellschaften unter der Aufsicht von FCA, CySEC, ASIC, MAS und der estnischen Finanzaufsicht für EU-Kunden operiert. Gelder von Retail-Kunden sind vom Firmenvermögen getrennt, und die EU-Einheit bietet Schutz vor negativem Kontosaldo. Das Produkt selbst ist eine andere Sache. Ein CFD ist ein Hochrisikoaustrument, und Plus500 veröffentlicht selbst die regulatorisch vorgeschriebene Warnung, dass achtzig Prozent der Retail-Konten beim CFD-Handel mit diesem Anbieter Verluste erzielen. Der Schutz vor negativem Saldo bewahrt dich davor, dem Broker Geld zu schulden — nicht davor, deine Einlage zu verlieren. Für einen Einsteiger bedeutet das: Starte mit dem Demo-Konto, nutze einen niedrigen Hebel und entscheide im Voraus, wie viel du verlieren kannst.

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