IG Group — Erfahrungen mit dem britischen CFD-Broker gegründet 1974

Zuletzt geprüft: · Vierteljährliche Überprüfung
Risikohinweis · YMYL Dieser Artikel dient ausschließlich zu Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel am Forex-Markt birgt ein hohes Risiko des Kapitalverlusts — die ESMA berichtet, dass zwischen 74 % und 89 % der Privatanlegerkonten Verluste erleiden.

IG Group ist einer der ältesten Retail-Broker der Welt. Die Firma wurde 1974 in London von Stuart Wheeler gegründet und war das erste Unternehmen weltweit, das Spread-Bets auf Finanzmärkte anbot. Ein halbes Jahrhundert später ist IG Group Holdings plc an der Londoner Börse notiert, bietet Zugang zu rund 19.000 Märkten und steht unter der Aufsicht der britischen Regulierungsbehörde FCA — sowie in Deutschland unter der Aufsicht der BaFin, da IG Europe GmbH in Frankfurt registriert ist. Schauen wir uns an, was die Marke wirklich bietet, wo sie stark ist und wo ein EU-Kunde kritisch hinschauen sollte.

Wer IG Group ist und warum das eine Rolle spielt

IG begann als Anbieter von Spread-Bets auf den Goldpreis — daher der ursprüngliche Name, eine Anspielung auf „Investors Gold". Heute ist es eine globale Fintech-Gruppe mit Sitz in London (Cannon Bridge House, 25 Dowgate Hill), die unter dem Ticker IGG an der Londoner Börse notiert ist. Für den Privatkunden ist die Börsennotierung kein Marketingtrick: Ein börsennotiertes Unternehmen veröffentlicht jährlich geprüfte Abschlüsse, unterliegt strengen Kapitalanforderungen und seine Ergebnisse sind öffentlich einsehbar. Das ist ein echter Sicherheitsfaktor, den kein anonymer Broker von einer entlegenen Insel bieten kann.

Das Angebot ist breit gefächert: Forex, Indizes, Aktien, Rohstoffe, börsengehandelte Optionen und ETFs — rund 19.000 Instrumente insgesamt. IG ist damit kein reiner Währungsbroker, sondern ein Multi-Asset-Anbieter. Das ist ein Plus für jemanden, der Forex und Aktien in einer Hand halten möchte — für einen Trader, der ausschließlich wenige Währungspaare handelt und günstigste Ausführung sucht, ist es hingegen kein entscheidender Vorteil. Einen vollständigen Broker-Vergleich findest du in unserer Broker-Kategorie.

Regulierung und Sicherheit der Kundengelder

Das ist IG’s stärkstes Argument. Die britischen Konzerngesellschaften sind von der Financial Conduct Authority (FCA) zugelassen und beaufsichtigt. CFD- und Futures-Konten führt IG Markets Ltd (FCA-Referenz 195355), das Spread-Betting übernimmt IG Index Ltd (Referenz 114059), und das Ganze ist unter IG Trading and Investments Ltd gebündelt. FCA-Aufsicht ist eines der strengsten Regulierungsregimes der Welt: Sie umfasst die Trennung der Kundengelder, Berichtspflichten und harte Regeln für den Verkauf gehebelter Produkte an Privatkunden.

Für deutsche und EU-Anleger zählen vor allem die praktischen Auswirkungen dieser Regeln. Ein EU-Privatkunde handelt unter dem ESMA-Hebellimit von 1:30 bei den wichtigsten Währungspaaren und profitiert vom Schutz vor negativem Kontostand — du kannst also nicht mehr verlieren, als du eingezahlt hast. IG selbst weist auf seiner britischen Website darauf hin, dass 68% der Privatkunden-Konten beim CFD- und Spread-Bet-Handel Verluste verbuchen. Das ist kein Merkmal von IG im Speziellen — es liegt in der Natur des gehebelten Produkts.

„Analysen der nationalen Aufsichtsbehörden in verschiedenen EU-Jurisdiktionen zeigen, dass 74–89 % der Privatkunden-Konten beim CFD-Handel typischerweise Verluste erleiden." — European Securities and Markets Authority (ESMA), Stellungnahme vom 27. März 2018

Bevor du einer Marke vertraust, überprüfe den Eintrag im Regulierungsregister — bei IG kannst du die Nummern 195355 und 114059 im FCA-Register prüfen. Hintergründe zur Regulierungsstruktur und dazu, wie sie Kunden schützt, findest du im Leitfaden auf forexmechanics.com — Regulierung. Mehr zur Frage, worauf du beim Broker-Vergleich generell achten solltest, erklärt unsere Broker-Übersicht.

Was der Handel bei IG kostet

IG ist kein Discount-Broker und gibt das auch nicht vor. Bei Forex und Index-Märkten steckt der Kostenanteil üblicherweise im Spread, und IG quotiert eigene Preise — ein Modell, das einem Market Maker ähnelt und weniger einem reinen ECN (Electronic Communication Network), bei dem du einen engen Spread plus eine explizite Provision zahlst. Für einen Positionstrader, der wenige Trades pro Woche eröffnet, ist dieses Modell völlig akzeptabel. Für einen Scalper, der zehntel Pips zählt, kann die Kostendifferenz zwischen dem IG-Modell und einem ECN-Broker jedoch entscheidend sein.

Hinzu kommen Kosten, die Anfänger oft übersehen: Swap-Punkte (Rollover) für Positionen, die über Nacht gehalten werden, eine Inaktivitätsgebühr nach längerer Pause sowie Währungsumtauschkosten, wenn du Euro auf ein Konto in britischen Pfund einzahlst. Ich nenne hier keine konkreten Spread-Sätze oder Provisionen, weil IG diese laufend anpasst und sie je nach Markt und Kontotyp variieren — überprüfe stets die aktuelle Preisseite des Brokers. Wie die Kostenmodelle im Detail funktionieren, erkläre ich in unserer Konzepte-Kategorie.

Plattformen und Produkte

Die hauseigene Webplattform und die mobile App von IG sind echte Stärken — übersichtlich, schnell und gut integriert über das gesamte Marktangebot. Sie sind oft der Hauptgrund, weshalb Kunden bei IG bleiben, statt anderswo günstigere Ausführung zu suchen. Für tiefergehende Analyse und Automatisierung steht ProRealTime bereit, mit umfangreicher Charting-Funktion und einem Strategie-Modul; separat gibt es den L2 Dealer für Trader, die direkten Zugang zur Markttiefe wünschen. Wer mit dem MetaTrader-Standard vertraut ist, findet bei IG auch MetaTrader 4 (MT4).

Neben CFDs und Forex bietet IG auch den direkten Kauf von Aktien und ETFs an, sowie in der britischen Serviceversion Spread-Betting und Steuerverpackungen wie ISA oder SIPP. Letztere sind für EU-Kunden ohne Nutzen, da es sich um Bestandteile des britischen Steuersystems handelt. Es lohnt sich außerdem zu bedenken, dass das Produkt- und Plattformangebot auf einem EU-Privatkunden-Konto schmaler ausfallen kann als in der vollständigen britischen Version. Welche Plattformen für den Einstieg empfehlenswert sind, beleuchtet unsere Plattformen-Kategorie.

Für wen IG geeignet ist — und für wen weniger

IG ist eine sinnvolle Wahl für einen Anleger, dem eine lange Unternehmensgeschichte, FCA-Aufsicht und Börsennotierung wichtig sind und der gleichzeitig verschiedene Asset-Klassen von einer einzigen Plattform aus handeln möchte. Der Broker funktioniert gut für Positions- und Swing-Trader, bei denen Plattformqualität und Sicherheit mehr zählen als der letzte Bruchteil eines Pips im Spread. Er ist auch eine vernünftige Option für jemanden, der bewusst eine bekannte Marke mit nachvollziehbarer Reputation einem günstigeren, aber weniger transparenten Broker vorzieht.

Andererseits wird IG wahrscheinlich nicht die erste Wahl für einen Scalper oder sehr aktiven Day-Trader sein, für den günstigste Ausführung entscheidend ist — dort können ECN-Broker kostengünstiger sein. Weniger ansprechen wird IG auch jemanden, der deutschsprachigen Support und ein Konto bei einer BaFin-lizenzierten deutschen Gesellschaft wünscht; der Hauptbetrieb läuft auf Englisch über britische Konzerngesellschaften. Schließlich ist das Einstiegsniveau hoch: Ein breites gehebeltes Angebot stellt für absolute Anfänger ohne Risikomanagement-Plan ein erhebliches Risiko dar. Wie du ein solides Risikomanagement aufbaust, erklärt unsere Risikomanagement-Kategorie.

Was jetzt zu tun ist

  1. Regulierung und Gesellschaft prüfen. Stelle fest, mit welcher IG-Gesellschaft du einen Vertrag eingehst — IG Europe GmbH (Frankfurt, BaFin-reguliert) oder eine britische Einheit (FCA) — und verifiziere die Lizenznummer direkt im jeweiligen Register. Die Referenznummern 195355 (CFD) und 114059 (Spread Betting) lassen sich im FCA-Register in Sekunden nachschlagen. Eine starke Marke entbindet dich nicht von diesem Schritt.
  2. Kosten für deinen Trading-Stil kalkulieren. Wenn du aktiv tradest, vergleiche das Spread-Modell von IG mit einem ECN-Broker auf den Märkten, die du tatsächlich handelst. Für einen positionellen Handelsstil ist die Ausführungsqualität wichtiger als minimale Kosten — beim Intraday-Handel kann das Bild umgekehrt sein.
  3. Kontowährung und Umtauschgebühren einplanen. Euro auf ein Pfund-Konto einzuzahlen bedeutet eine zusätzliche Wechselkursgebühr. Schätze diesen Kostenfaktor ab, bevor du größeres Kapital überweist, und prüfe, ob ein EUR-Konto verfügbar ist.
  4. Demokonto eröffnen und Plattform testen. IG bietet ein kostenloses Demokonto an. Nutze es mindestens zwei Wochen lang intensiv, um die Plattform, die Auftragstypen und das Pricing wirklich zu verstehen, bevor du echtes Kapital riskierst.
  5. Vollständige Broker-Checkliste durchgehen. Entscheide nicht allein auf Basis der Marke. Bewerte IG anhand der wichtigsten Auswahlkriterien für Forex-Broker — Regulierung, Kosten, Plattform, Kundendienst, Einlagenschutz — und ziehe Vergleichsangebote hinzu, bevor du dich festlegst.
Jarosław Wasiński
Über den Autor

Jarosław Wasiński

Chefredakteur bei MyBank.pl · Finanz- und Marktanalyst

Unabhängiger Analyst und Praktiker mit über 20 Jahren Erfahrung im Finanzsektor. Gründer und Chefredakteur des Portals MyBank.pl, aktiv seit 2004. Fundamentalanalyse der Devisen- und Makromärkte seit 2007. Schreibt aus europäischer Marktperspektive im regulatorischen Rahmen von ESMA und BaFin.

Quellen und Literatur

  1. IG Group About us — products, brands and regulated entities · Rok założenia (1974), status pierwszego dostawcy zakładów spreadowych, lista produktów (CFD, zakłady spreadowe, akcje, opcje), numery rejestrowe podmiotów IG Markets Ltd, IG Index Ltd i IG Trading and Investments Ltd oraz ostrzeżenie o ryzyku (68% rachunków detalicznych traci). www.ig.com ↗
  2. IG Group Investor relations — results, reports and presentations · Strona relacji inwestorskich grupy notowanej na londyńskiej giełdzie (ticker IGG) — wyniki, raporty roczne i prezentacje potwierdzające status spółki publicznej. www.iggroup.com ↗
  3. European Securities and Markets Authority (ESMA) ESMA agrees to prohibit binary options and restrict CFDs to protect retail investors · Komunikat z 27 marca 2018 r.: analizy krajowych nadzorców pokazują, że 74–89% rachunków detalicznych traci pieniądze na CFD; podstawa do wprowadzenia limitu dźwigni i ochrony salda ujemnego. www.esma.europa.eu ↗
  4. Financial Conduct Authority (FCA) PS19/18 — Restricting contract for difference products sold to retail clients · Policy statement FCA wprowadzający trwałe ograniczenia sprzedaży CFD klientom detalicznym w Wielkiej Brytanii (limity dźwigni, ochrona salda ujemnego, standaryzacja ostrzeżeń o ryzyku). www.fca.org.uk ↗

Häufig gestellte Fragen

Kann ein Kunde aus Deutschland ein Konto bei IG eröffnen?

Ja. In Deutschland ist IG über die IG Europe GmbH tätig, die in Frankfurt am Main ansässig und von der BaFin beaufsichtigt wird — du handelst also mit einem lokal zugelassenen EU-Unternehmen. Als EU-Privatkunde gilt das ESMA-Hebellimit von 1:30 auf die wichtigsten Währungspaare sowie der Schutz vor negativem Kontostand. Der Support läuft primär auf Englisch, und Einzahlungen werden meist in britischen Pfund, Euro oder US-Dollar abgerechnet, sodass ein Währungsumtauschkostenposten anfällt, wenn du von einer anderen Währung einzahlst. Bevor du ein Konto bei einem Broker eröffnest, prüfe stets seinen Eintrag im BaFin-Register oder im FCA-Register, um die Lizenz zu bestätigen.

Ist IG ein ECN-Broker oder ein Market Maker?

Historisch ist IG als Market Maker gewachsen — die Firma startete 1974 als Spread-Betting-Anbieter, ein Produkt, bei dem der Broker selbst den Preis quotiert und die Gegenseite der Wette übernimmt. Heute ist IG ein großer CFD-Anbieter mit eigenem Preisbuch über viele Märkte, was dem Market-Maker-Modell nähersteht als einem reinen ECN (Electronic Communication Network), bei dem Aufträge direkt an den Interbankenmarkt weitergeleitet werden. Das ist nicht per se ein Nachteil — große CFD-Anbieter operieren so unter FCA-Aufsicht — für einen Scalper jedoch, der jeden Bruchteil eines Pips zählt, kann der Unterschied zum ECN-Broker kostentechnisch ausschlaggebend sein.

Was ist der Unterschied zwischen Spread Bets von IG und CFDs?

Beide sind unterschiedliche rechtliche Verpackungen derselben Idee — auf Preisbewegungen zu spekulieren, ohne das Instrument zu besitzen. Spread-Betting bietet IG ausschließlich Kunden in Großbritannien und Irland an, weil sein wesentlicher Vorteil die britische Steuerbefreiung auf Gewinne ist — ein Vorteil, den ein EU-Ansässiger ohnehin nicht nutzen kann. CFDs (Differenzkontrakte) sind das globale Produkt und die richtige Wahl für EU-Kunden. In beiden Fällen handelst du mit Hebel und zahlst den Spread oder die Provision sowie Swap-Punkte für Positionen, die über Nacht gehalten werden. Ein deutscher Steuerpflichtiger versteuert CFD-Gewinne nach deutschem Steuerrecht, unabhängig davon, welche IG-Gesellschaft den Trade ausführt.

Welche Plattformen bietet IG an?

IG setzt vor allem auf seine hauseigene Webplattform und die mobile App — das ist eine echte Stärke: übersichtlich, schnell und über das gesamte Marktangebot hinweg gut integriert. Für tiefergehende Analyse und Automatisierung steht ProRealTime bereit, mit umfangreichen Charting-Tools und einem Strategie-Modul; separat gibt es den L2 Dealer für Trader, die direkten Zugang zur Markttiefe wünschen. Wer mit dem MetaTrader-Standard vertraut ist, findet bei IG auch MetaTrader 4 (MT4). Das Plattformangebot kann auf einem EU-Privatkunden-Konto schmaler ausfallen als in der vollständigen britischen Serviceversion — prüfe das vor der Kontoeröffnung direkt beim Broker.

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