IC Markets — Testbericht des ECN-Raw-Spread-Brokers für Scalper

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Risikohinweis · YMYL Dieser Artikel dient ausschließlich zu Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel am Forex-Markt birgt ein hohes Risiko des Kapitalverlusts — die ESMA berichtet, dass zwischen 74 % und 89 % der Privatanlegerkonten Verluste erleiden.

IC Markets ist ein Name, der in Gesprächen unter Scalpern und Algorithmic-Tradern immer wieder auftaucht. Der 2007 in Sydney gegründete Broker hat seinen Ruf auf einem Versprechen aufgebaut: engem, rohem Markt-Spread und schneller Ausführung im ECN-Modell. Das klingt attraktiv — doch hinter dem Marketingbegriff „Raw Spread" stecken eine spezifische Konzernstruktur, ein konkretes Kostenmodell und eine klar abgegrenzte Zielgruppe, für die das Angebot tatsächlich Sinn ergibt, sowie eine nicht kleine Gruppe, für die es das nicht tut. Ich gehe das so durch, wie ich jeden Broker durchleuchte, bevor ich dazu Stellung nehme.

Wer IC Markets ist und woher der Broker kommt

IC Markets steht für International Capital Markets. Das Unternehmen wurde 2007 in Sydney gegründet und positionierte sich von Anfang an für den anspruchsvollen, aktiven Trader — nicht für den gelegentlichen Wochenendhändler. ECN (Electronic Communication Network) bedeutet kurz gefasst, dass der Broker damit wirbt, Aufträge an externe Liquiditätsgeber weiterzuleiten, statt wie ein Market Maker einen eigenen Kurs zu stellen. Dieser Unterschied hat reale Folgen für die Kostenstruktur und das Ausführungsverhalten. Vor allem lohnt es sich zu verstehen, was ein ECN-Modell vom Market-Maker-Modell unterscheidet, bevor du dem Label selbst vertraust — denn in der Praxis ist kein Retail-Broker „rein" ECN, und das Wort wird in der gesamten Branche im Marketing überstrapaziert.

Regulierung und Einlagensicherheit

Hier beginnt der wichtigste Teil jeder Broker-Analyse, denn nicht der Spread entscheidet darüber, ob du dein Geld zurückbekommst, wenn etwas schiefgeht. IC Markets ist kein einzelnes Unternehmen, sondern eine Konzerngruppe mit verschiedenen Lizenzen. International Capital Markets Pty Ltd steht unter australischer ASIC-Aufsicht. IC Markets (EU) Ltd hält eine Lizenz des zyprischen Regulators CySEC mit der Nummer 362/18, die im öffentlichen Register der Investmentfirmen nachprüfbar ist. Raw Trading Ltd ist auf den Seychellen registriert und hält eine Lizenz der dortigen Financial Services Authority (FSA) mit der Nummer SD018. Daneben existiert eine Gesellschaft auf den Bahamas unter der dortigen Wertpapieraufsicht (SCB).

Für einen europäischen Retailkunden bedeutet das praktisch: Du landest entweder beim zyprischen Konzernunternehmen innerhalb der EU — mit Anlegerschutz und dem ESMA-Hebel-Cap von 1:30 für Retailkunden, Schutz vor negativem Kontosaldo und getrennter Verwahrung der Kundengelder — oder bei einer der Offshore-Gesellschaften. Das ist kein Detail. BaFin beaufsichtigt den deutschen Markt national; als EU-Pass-Einheit agiert die CySEC-Gesellschaft nach demselben MiFID-II-Rahmenwerk, das für deutsche Privatanleger direkt gilt. Ein Konto bei der Seychelles- oder Bahamas-Gesellschaft mag mit höherem Hebel werben, bietet aber schwächeren Schutz und erschwert eine spätere Reklamation erheblich. Lies vor der ersten Einzahlung, welches Unternehmen in deinem Vertrag namentlich steht, und verifiziere die Lizenz beim zuständigen Regulator.

„Analysen der nationalen Aufsichtsbehörden zeigen, dass typischerweise 74 % bis 89 % der Retailkunden-Konten bei CFD-Investitionen Verluste erleiden, mit durchschnittlichen Verlusten zwischen 1.600 und 29.000 Euro pro Kunden." — European Securities and Markets Authority (ESMA), Produktinterventionserklärung, 2018

Kosten: Spread, Provision und Swap

IC Markets bietet zwei Grundmodelle für die Handelskosten. Das Raw-Spread-Konto zeigt dir den engen, rohen Markt-Spread, und der Broker addiert dazu eine separate, volumenbasierte Provision — das klassische ECN-Arrangement. Das Standard-Konto erhebt keine separate Provision, dafür ist der Spread breiter, weil die Kosten darin eingepreist sind. Der Broker selbst bewirbt auf dem Raw-Spread-Konto einen durchschnittlichen EUR/USD-Spread von rund 0.1 Pip — doch solche Zahlen ändern sich im Zeitverlauf. Prüfe die aktuelle Preisseite auf der Website des Brokers, anstatt dich auf eine beliebige Angabe zu verlassen.

Der häufigste Fehler beim Broker-Vergleich: den Spread isoliert von der Provision betrachten. Entscheidend ist der vollständige Round-Turn-Kostensatz — Spread plus Provision für Kauf und Verkauf — gerechnet für deinen echten Handelsstil. Die Mathematik sieht für einen Scalper, der täglich Dutzende von Trades eröffnet, völlig anders aus als für jemanden, der einmal pro Woche eine Position aufbaut. Die Mechanik dahinter — wann das Spread-Modell günstiger ist und wann nicht — erkläre ich gesondert im Abschnitt über den Unterschied zwischen Spread und Provision. Dazu kommen noch die Swap-Punkte für das Halten von Positionen über Nacht, die bei längerlaufenden Strategien zu einem nennenswerten Kostenfaktor anwachsen können.

Plattformen und Handelsinstrumente

IC Markets bietet drei bekannte Plattformen: MetaTrader 4, MetaTrader 5 und cTrader, jeweils als Desktop-, Web- und Mobilversion. MT4 bleibt die erste Wahl für Trader, die fertige automatisierte Strategien in der MQL4-Sprache nutzen und diese nicht neu schreiben möchten. MT5 ergänzt mehr Zeitrahmen, mehr Instrumentenklassen und eine modernere Programmiersprache. cTrader zieht Trader an, die sichtbare Markttiefe (Depth of Market) und ein transparentes Orderrouting schätzen. Wer zwischen den beiden meistgenutzten Optionen für fortgeschrittene Nutzer schwankt, findet im Vergleich zwischen cTrader und MT5 die entscheidenden Unterschiede — sie unterscheiden sich in der Philosophie der Auftragsabwicklung und im Tooling-Ökosystem, nicht nur äußerlich.

Das Instrumentenspektrum umfasst Währungspaare, Indizes, Rohstoffe, Anleihen sowie Aktien- und Krypto-CFDs — das konkrete Angebot hängt jedoch von der Gesellschaft und der Jurisdiktion ab, unter der du das Konto eröffnest. Ein weiterer Grund, die Details für dein spezifisches Unternehmen zu prüfen, nicht für die globale Broschüre.

Für wen IC Markets geeignet ist — und für wen nicht

IC Markets entfaltet seine Stärken in den Händen eines aktiven, informierten Traders. Ein Scalper, der täglich viele Trades auf einige wenige Pips ausrichtet, profitiert real von einem engen Spread und einer vorhersehbaren Provision. Ein algorithmischer Trader schätzt stabile Ausführung und Plattformen, auf denen sein Bot läuft. Wer auf cTrader mit Markttiefe handelt, bekommt ein Werkzeug, das auf diesen Stil zugeschnitten ist.

Für wen IC Markets weniger geeignet ist: vor allem für den Einsteiger, der noch lernt, was Spread und Provision überhaupt bedeuten. Der Support ist auf Englisch, es gibt weder eine deutschsprachige Oberfläche noch eine lokale Telefonhotline, und das ECN-Modell mit separater Provision kann zu Beginn verwirrend sein. Hinzu kommt eine harte Zahl: Laut ESMA-Daten aus 2018 verliert die Mehrheit der Retail-CFD-Konten Geld — unabhängig vom Broker. Wer Wert auf muttersprachlichen Support und einfachere Kostenabrechnung legt, ist bei einem Broker mit lokaler Betreuung besser aufgehoben und kann IC Markets später in Betracht ziehen, wenn er einen erprobten, kostenberechneten Handelsstil entwickelt hat. Einen Überblick zur Positionsgrößen- und Kostenplanung findest du im Risikomanagement-Abschnitt.

Einzahlungen, Auszahlungen und Kundendienst

IC Markets unterstützt die üblichen Zahlungsmethoden: Banküberweisung, Kreditkarte und gängige E-Wallets, mit unterschiedlichen Bearbeitungszeiten je nach Methode und Gesellschaft. Der Kundendienst ist an Werktagen rund um die Uhr erreichbar — aber auf Englisch. Das ist eine reale Einschränkung für jemanden, der Fragen zu seinem Geld lieber in der eigenen Sprache klärt. Wie bei jedem Broker gilt: Vor der ersten größeren Einzahlung lohnt es sich, die Identitätsprüfung (KYC) mit einem kleinen Betrag zu durchlaufen und eine Auszahlung tatsächlich zu testen, bevor du dem Broker größeres Kapital anvertraust.

Was jetzt zu tun ist

  1. Vertragsgesellschaft und Lizenz klären. Prüfe im Vertragswerk, ob du beim zyprischen CySEC-Unternehmen IC Markets (EU) Ltd (Lizenz 362/18) oder bei einer Offshore-Gesellschaft wie Raw Trading Ltd (FSA Seychellen, SD018) landest. Verifiziere den Eintrag im öffentlichen Regulierungsregister. Dein Schutzniveau — ESMA-Rahmenwerk, Hebellimit, Entschädigungsansprüche — hängt von dieser einen Zeile im Vertrag ab, nicht vom Werbeprospekt. Eine ausführliche Broker-Auswahl-Checkliste bietet ForexMechanics.com — Broker auswählen als ergänzende Lektüre.
  2. Vollständige Round-Turn-Kosten für deinen Stil berechnen. Nimm deine reale Anzahl an Trades pro Monat und addiere Spread plus Provision auf dem Raw-Spread-Konto — dann vergleiche mit dem Standard-Konto. Nur der Spread allein sagt nichts darüber aus, welches Modell für dich günstiger ist. Ein Scalper, der täglich 20 Trades macht, landet bei einem ganz anderen Jahresbetrag als jemand mit einer Position pro Woche.
  3. Plattform passend zum Handelsstil wählen. Ein fertiger MQL4-Bot zieht dich zu MT4; wer Markttiefe und transparentes ECN-Routing braucht, sollte cTrader ernstnehmen. Stil zuerst, dann Werkzeug — nicht umgekehrt.
  4. Auszahlung auf kleinen Betrag testen. Eröffne das Konto, schließe die KYC-Prüfung ab, zahle einen kleinen Betrag ein und führe eine Auszahlung durch, bevor du größeres Kapital einzahlst. Das ist der günstigste Glaubwürdigkeitstest, den ein Broker bestehen kann — und er kostet dich nur wenig, wenn er ihn besteht.
Jarosław Wasiński
Über den Autor

Jarosław Wasiński

Chefredakteur bei MyBank.pl · Finanz- und Marktanalyst

Unabhängiger Analyst und Praktiker mit über 20 Jahren Erfahrung im Finanzsektor. Gründer und Chefredakteur des Portals MyBank.pl, aktiv seit 2004. Fundamentalanalyse der Devisen- und Makromärkte seit 2007. Schreibt aus europäischer Marktperspektive im regulatorischen Rahmen von ESMA und BaFin.

Quellen und Literatur

  1. IC Markets (Raw Trading Ltd) Regulation — legal entities and licences · Oficjalna strona brokera z wykazem podmiotów grupy i regulatorów: Raw Trading Ltd (FSA Seszele, licencja SD018) oraz IC Markets (EU) Ltd pod nadzorem CySEC. www.icmarkets.com ↗
  2. IC Markets Spreads & pricing — Raw Spread vs Standard accounts · Strona cennika brokera opisująca model raw spread plus prowizja na koncie Raw Spread oraz szerszy spread bez prowizji na koncie Standard. www.icmarkets.com ↗
  3. European Securities and Markets Authority (ESMA) ESMA agrees to prohibit binary options and restrict CFDs to protect retail investors (27 March 2018) · Komunikat ESMA z danymi nadzoru: 74–89% rachunków detalicznych traci pieniądze na CFD; podstawa interwencji produktowej i capa dźwigni 1:30. www.esma.europa.eu ↗
  4. Cyprus Securities and Exchange Commission (CySEC) IC Markets (EU) Ltd — CIF register entry, licence 362/18 · Wpis w rejestrze cypryjskich firm inwestycyjnych potwierdzający licencję 362/18 (data 25/06/2018) i status autoryzowany podmiotu IC Markets (EU) Ltd. www.cysec.gov.cy ↗

Häufig gestellte Fragen

Ist IC Markets für einen deutschen Kunden verfügbar, und wer reguliert den Broker?

Ja, aber über eine bestimmte Konzerngesellschaft. IC Markets operiert unter mehreren Lizenzen: Australiens ASIC beaufsichtigt International Capital Markets Pty Ltd, der zyprische Regulator CySEC überwacht IC Markets (EU) Ltd (Lizenz 362/18), und Raw Trading Ltd ist bei der Financial Services Authority der Seychellen (SD018) lizenziert. Ein europäischer Retailkunde landet typischerweise entweder beim zyprischen Unternehmen innerhalb der EU — mit Anlegerschutz und dem ESMA-Hebel-Cap von 1:30 für Retailkunden — oder bei einer Offshore-Gesellschaft mit höherem Hebel, aber schwächerem Schutz. Dieser Unterschied ist entscheidend: Prüfe vor jeder Einzahlung genau, welches Unternehmen in deinem Vertrag steht, und verifiziere dessen Lizenz im Register des zuständigen Regulators.

Worin unterscheidet sich das Raw-Spread-Konto vom Standard-Konto bei IC Markets?

Der Unterschied liegt in der Art, wie die Handelskosten berechnet werden. Beim Raw-Spread-Konto siehst du einen engen, rohen Markt-Spread, und der Broker addiert eine separate volumenbasierte Provision — das klassische ECN-Modell. Beim Standard-Konto gibt es keine separate Provision, dafür ist der Spread breiter, weil die Kosten darin eingebaut sind. Für einen aktiven Trader, der täglich viele Trades auf liquiden Paaren macht, ist Raw plus Provision in der Summe oft günstiger; für jemanden, der selten handelt und eine einzige Zahl bevorzugt, kann Standard einfacher sein. Der entscheidende Trick: Berechne die vollständigen Round-Turn-Kosten (Spread plus Provision) für deinen echten Handelsstil, anstatt nur den Headline-Spread zu vergleichen.

Welche Plattformen bietet IC Markets an, und für wen ist cTrader geeignet?

IC Markets bietet MetaTrader 4, MetaTrader 5 und cTrader an, jeweils als Desktop-, Web- und Mobilversion. MT4 bleibt die erste Wahl für Trader mit fertigen automatisierten Strategien in der MQL4-Sprache, die diese nicht neu schreiben möchten. MT5 ergänzt mehr Zeitrahmen und Instrumentenklassen. cTrader zieht Trader an, die sichtbare Markttiefe (Depth of Market) und ein transparentes ECN-Modell schätzen. Wer zwischen cTrader und MT5 schwankt, profitiert von einem dedizierten Vergleich beider Plattformen — sie unterscheiden sich in der Auftragsabwicklungsphilosophie, nicht nur äußerlich. Die Plattformwahl ergibt erst dann Sinn, wenn du weißt, wie du handelst: manuell oder per EA, auf wie vielen Paaren und wie häufig.

Ist IC Markets für einen Einsteiger-Trader geeignet?

Wahrscheinlich nicht als erster Broker. IC Markets richtet sich an Trader, die bereits verstehen, was Spread, Provision und Markttiefe bedeuten, und die eigene Handelskosten berechnen können. Der Support ist auf Englisch, es gibt keine deutschsprachige Oberfläche und keine lokale Hotline, und das ECN-Modell mit separater Provision kann für jemanden, der gerade anfängt, verwirrend sein. Dazu kommt eine harte Zahl: Laut ESMA-Daten aus dem Jahr 2018 verliert die Mehrheit der Retail-CFD-Konten Geld — unabhängig vom Broker. Ein Einsteiger ist typischerweise besser damit beraten, mit einem Broker zu starten, der lokalen Support und einfachere Kostenabrechnung bietet, und IC Markets erst später in Betracht zu ziehen, wenn er einen erprobten Stil und einen kalkulierten Kostenrahmen entwickelt hat.

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