Ein Abandoned Baby besteht aus drei Kerzen mit einer vollständig isolierten Doji-Kerze in der Mitte. Die Isolation umfasst die Schatten. Zwei auffällige Eröffnungskurse oder eine starke Bewegung nach Nachrichten reichen dafür nicht. Bevor du einen Kandidaten handelst oder zählst, prüfe die vollständigen OHLC-Daten, die verwendete Kursseite und den Zeitpunkt, an dem die Formation überhaupt erkannt werden konnte.

Welche Kerzen gehören zur strengen Definition?

Nach einer vorher festgelegten Abwärtsbewegung besteht die bullische Variante aus einer bärischen ersten Kerze, einem darunter liegenden Doji und einer bullischen dritten Kerze darüber. H bezeichnet das Hoch, L das Tief und die Zahl die Kerzenposition. Die beiden notwendigen Lückenbedingungen lauten H2 < L1 und H2 < L3. Berühren sich die Grenzen, besteht keine strenge Lücke. Für die bärische Variante nach einem Aufwärtstrend gilt spiegelbildlich L2 > H1 und L2 > H3.

Die Beschreibung von Steve Nison bei CandleCharts nennt ausdrücklich die Schatten. Ein Doji hat gleichen oder nahe beieinander liegenden Eröffnungs- und Schlusskurs. Wenn du „nahe“ automatisiert prüfen willst, braucht auch diese Toleranz eine konkrete Regel. OHLC steht für Open, High, Low und Close, also Eröffnung, Hoch, Tief und Schluss einer festgelegten Kerzenperiode.

Warum können Bid und Ask unterschiedliche Lücken zeigen?

Eine Kurslücke gehört immer zu einer bestimmten Datenreihe. Die OANDA-API-Dokumentation unterscheidet Bid-, Ask- und Mittelpunkt-OHLC. Für das folgende fiktive Modell bleibt der Spread innerhalb jeder Kerze konstant, ändert sich aber zwischen den Kerzen. Nur deshalb lässt sich jede Ask-Kennzahl durch Addition des jeweiligen Spreads zum entsprechenden Bid-Wert berechnen. Bei schwankendem Spread innerhalb einer Kerze brauchst du eine getrennte Ask-Reihe.

Hypothetische Bid-Kerzen; ein Pip = 0,0001
KerzeO / H / L / CSpread
11,1000 / 1,1002 / 1,0990 / 1,09921 Pip
21,0980 / 1,0983 / 1,0978 / 1,098012 Pips
31,0991 / 1,1001 / 1,0990 / 1,09991 Pip

In Bid liegt das Doji-Hoch 1,0983 um sieben Pips unter beiden Nachbartiefs 1,0990. In Ask wird daraus 1,0983 + 0,0012 = 1,0995. Die Nachbartiefs steigen nur auf 1,0991. Die Differenz 1,0991 − 1,0995 = −0,0004 zeigt eine Überlappung von vier Pips. Die Bid-Lücken existieren hier also in Ask nicht. Das Beispiel untersucht Kursgeometrie, keine Handelsrentabilität und keinen tatsächlich ausführbaren Kaufpreis.

Sieben Pips Bid-Lücke, vier Pips Ask-ÜberlappungHypothetische Preisreihen: Bid-Lücken je 7 Pips, Ask-Überlappung je 4 Pips. Kein Rentabilitäts- oder Fillnachweis. Spread je Kerze konstant: 1/12/1 Pips; deshalb ist Ask-OHLC exakt aus Bid+Spread abgeleitet. Bei Intrakerzenschwankung gilt diese Ableitung nicht.HYPOTHETISCHES OHLC-MODELLUSD je EUR · gleiche SkalaBid1,10151,09951,0975123Ask1,10151,09951,0975123Blau: C ≥ O · Rot: C < O · kein Signal
Sieben Pips Bid-Lücke, vier Pips Ask-Überlappung. Wertevergleich der vollständigen Bid-Lücke und der Ask-Überlappung. Innerhalb jeder Kerze bleibt der Spread konstant; zwischen den Kerzen beträgt er 1, 12 und 1 Pip.

Eine vollständige Bid-Lücke muss in Ask nicht bestehen.

Hypothetische Preisreihen: Bid-Lücken je 7 Pips, Ask-Überlappung je 4 Pips. Kein Rentabilitäts- oder Fillnachweis.

Spread je Kerze konstant: 1/12/1 Pips; deshalb ist Ask-OHLC exakt aus Bid+Spread abgeleitet. Bei Intrakerzenschwankung gilt diese Ableitung nicht.

Bid-Doji-Hoch
1,0983 – Nachbartiefs 1,0990; Lücken je 7 Pips
Ask-Doji-Hoch
1,0995 – Nachbartiefs 1,0991; Überlappung je 4 Pips
Modellannahme
konstanter Spread je Kerze – Bei Intrakerzenschwankungen separate Ask-Reihe erforderlich

Prüfe außerdem Instrumentzeiten, Kerzengrenzen und Datenaufbereitung. Der optionale OANDA-Smoothing-Parameter kann Open durch die vorherige Close ersetzen. Erfasse diese Auswahl vor der Erkennung, denn sie verändert eine lückenrelevante Eingabe. Eine Wochenenderöffnung liefert nicht automatisch zwei vollständige Lücken. Ein großer kontinuierlicher Kursausschlag ersetzt ebenfalls keine Lücke. Dokumentiere Zeitstempel mit Zeitzone; für eine Auswertung in Deutschland ist Europe/Berlin einschließlich der Sommerzeitumstellung zweckmäßig, während die ursprüngliche Serverzeit erhalten bleiben sollte. Ein Wechsel der Kerzengrenzen kann die OHLC und damit die Klassifikation ändern.

Was verraten Kerzen und Erkennungscodes tatsächlich?

Ein Doji beweist weder ausgeglichenen Auftragsfluss noch erschöpfte Verkäufer. Aus den vier Preisen lässt sich nicht erkennen, wer Positionen liquidiert oder neues Kapital eingesetzt hat. Solche Stimmungsdeutungen sind Hypothesen. Ebenso wenig ist der Name ein Nachweis, dass der Trend nun dauerhaft dreht. Die Doji-Erklärung grenzt Preisform und Interpretation genauer ab.

Auch Scanner können unterschiedliche Regeln verwenden. Die fest bezeichnete TA-Lib-C-Version 0.6.4 hat einen konfigurierbaren Penetrationsparameter; der Standard beträgt 30 Prozent. Ein Erkennungscode von 100 ist eine Klassifikation, keine Gewinnwahrscheinlichkeit von 100 Prozent. Für einen reproduzierbaren Vergleich musst du Version, Kerzeneinstellungen, Penetration und Vorlaufdaten festhalten.

Im separaten hypothetischen Kontrollfall lauten die OHLC der ersten Kerze 1,0900 / 1,0910 / 1,0805 / 1,0810, die des Doji 1,0790 / 1,0798 / 1,0785 / 1,0790. Die dritte Kerze hat O/H/L = 1,0820 / 1,0890 / 1,0815. Vorangestellt sind zwölf identische Kerzen mit 1,1000 / 1,1020 / 1,0990 / 1,1010; sonst gelten Standardeinstellungen. Der erste Körper ist 90 Pips lang. Schwellen von 30 und 50 Prozent liegen bei 1,0837 und 1,0855 und verlangen einen strikt höheren dritten Schluss.

Bei Schluss 1,0845 ergibt die bullische Prüfung den Code 100 für 30 Prozent, aber 0 für 50 Prozent. Bei 1,0860 erkennen beide Varianten die Formation. Beide Alternativen behalten volle Lücken bei. Eine Regel „Schluss über der Körpermitte“ ist somit etwas anderes als der voreingestellte 30-Prozent-Test. Unterschiedliche Klassifikationen bedeuten noch keinen Unterschied in der Profitabilität.

Wie prüfst du vollständige Geometrie und Signalzeit?

Setzen wir im Kontrollfall den dritten Schluss auf 1,0880. Die Lücken betragen L1 − H2 = sieben Pips und L3 − H2 = 17 Pips. Der dritte Schluss liegt über der Körpermitte der ersten Kerze bei 1,0855. Änderst du ausschließlich L3 auf 1,0795, bleibt die dritte Eröffnung oberhalb des Doji. Ihr späterer Schatten überlappt jedoch dessen Hoch 1,0798: Die strenge Formation scheitert.

Die endgültige dritte Kerzenspanne kennst du erst nach ihrem Schluss. Eine darauf beruhende Erkennung rechtfertigt keinen rückwirkenden Einstieg an ihrer früheren Eröffnung. Ein Modell mit laufender Kerze muss dagegen spätere Ungültigkeit zulassen. Ein unabhängig angenommener späterer Kauf bei 1,0880 mit gewöhnlichem Stop bei 1,0780 hat einen geplanten Abstand von 100 Pips. Bei 10.000 EUR Nominalvolumen sind das 100 USD Preisverlust bei exakter Ausführung; mit hypothetisch 1,1000 USD je EUR etwa 90,91 EUR vor Kosten. Der Stop garantiert diesen Betrag nicht.

Wie unterscheidet sich die Formation vom Morning Star?

Ein Morning Star verwendet einen kleinen mittleren Körper, der vom ersten Körper getrennt ist, und eine bullische dritte Kerze, die in den ersten Körper schließt. Die Mitte muss kein Doji sein; Körpertrennung ist keine vollständige Schattenisolation. Engulfing prüft dagegen Körperüberdeckung, Harami die Aufnahme eines kleinen Körpers in einen größeren. Diese Geometrien sind keine automatische Rangliste der Vorhersagequalität.

Bulkowskis veröffentlichte Untersuchung von Aktien-Tageskerzen umfasst 293 bullische Abandoned-Baby-Fälle in 4,7 Millionen Kerzenlinien und nennt Einschränkungen kleiner Stichproben. Sein Originalbeitrag unterscheidet Ausbruchsrichtung und spätere Kursbewegung. Übertrage diese historische Aktienzahl weder als Forex-Häufigkeit noch als eigene Trefferquote auf einen anderen Datenfeed.

Welche Änderungen erzeugen eine andere Untersuchung?

Eine lockere Körperlückenvariante ist eine gesonderte Definition. Ein zusätzlicher RSI-, Volumen- oder Trendfilter ist ebenfalls eine eigene Bedingung. Weder ein nicht passender Doji noch eine fehlende Lücke macht die Folge automatisch zum Morning Star. Prüfe dessen übrige Bedingungen separat. Erfasse abgelehnte Fälle mit konkretem Grund und halte Erkennung, Order und Ausführung auseinander.

Welche drei Schritte kannst du durchführen?

  1. Fixiere Kursseite, rohe OHLC, Zeitzone, Kerzengrenzen und Doji-/Trendregeln. Prüfe jede vollständige High-/Low-Lücke chronologisch ohne spätere Ergebnisse. Speichere auch den Smoothing-Parameter der Datenabfrage und verworfene Randberührungen, damit ein anderer Open oder Feed die Klassifikation nicht unbemerkt verändert.
  2. Vergleiche strenge und benannte lockere Varianten getrennt. Protokolliere Scanner-Version, Penetration, Vorlaufdaten und zusätzliche Filter. Rechne die Close-Grenze aus dem ersten Körper nach und halte Gleichheit als eigenen Kontrollfall fest, statt jedes positive Label als identischen Test zu zählen.
  3. Definiere für einen Handelstest erst nach Erkennung verfügbaren Einstieg, Ausstiege, Größe und Kosten. Erfasse ungefüllte Aufträge und schlechtere Stopausführung ebenso wie Gewinne. Bewahre tatsächliche Kursseiten und Umrechnungskurs auf, damit ein Doji-Bild nicht zum rückwirkend ausführbaren Trade wird.